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13. November 2018, 16:20 Uhr

Bedrohte Arten

China will Handel mit Tiger- und Nashornteilen doch nicht lockern

Der Staatsrat in Peking wollte den Handel mit Tigerknochen und dem Horn von Nashörnern legalisieren, wenn die Tiere aus der Zucht stammen. Nun macht China einen Rückzieher.

China möchte den Handel und die Nutzung von Tigerknochen und Nashornhorn vorerst nun doch nicht erleichtern. Staatsratsmitglied Ding Xuedong sagte in einem Interview mit der offiziellen Nachrichtenagentur Xinhua, die im Oktober angekündigten und international heftig kritisierten Änderungen seien nach entsprechenden Studien verschoben worden.

Der Handel mit Tigern, Nashörnern und ihren Körperteilen sowie deren Nutzung für medizinische Zwecke blieben streng verboten.

Gefahr für Tiere in freier Wildbahn

Tiger- und Nashornteile sind beliebte Bestandteile der traditionellen chinesischen Volksmedizin. Die Ende Oktober verkündete Aufhebung des generellen Verbots hatte international scharfe Kritik von Tierschützern ausgelöst.

Der Staatsrat in Peking hatte angekündigt, den Handel mit Tigerknochen und Nashornhorn von gezüchteten Tieren zu legalisieren. Die Umweltorganisation WWF kritisierte, die Wiedereinrichtung eines legalen Marktes bringe auch Tiere in freier Wildbahn in Gefahr, da die Nachfrage nach ihnen dann steigen werde.

Elfenbein als Statussymbol, Gürteltierschuppen als "Medizin"

China hatte 1993 den Handel mit Nashornhörnern und Tigerknochen verboten, konnte aber laut Umweltschützern einen florierenden Schwarzmarkt mit über Vietnam eingeführten Produkten nicht verhindern.

Auch der Handel mit Elfenbein, das in China als Statussymbol gilt, ist verboten. Andere illegale Tierprodukte, wie etwa Gürteltierschuppen, sind nach wie vor wegen ihrer vermeintlichen medizinischen Eigenschaften gefragt.

Der Handel hat lange Tradition. Nashorn- und Tigerteile werden seit Jahrhunderten in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet. Während führende Stimmen in der traditionellen chinesischen Medizin seit Jahren offiziell von der Verwendung von Nashorn- und Tigerteilen abraten, gibt es weiterhin einen Untergrundhandel.

Seit Jahren leidet unter anderem die Nashornpopulation massiv unter dem illegalen Handel ihres Horns. Es besteht aus Keratin, dem gleichen Material wie menschliche Fingernägel.

jme/dpa

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