Artenschutzkonferenz Cites Reptilien sollen besser geschützt werden

Deutschland ist das mit Abstand größte Importland für Reptilien. Artenschützer warnen, dass so auch illegale Wildfänge ins Land kommen. Auf einer Konferenz in Genf sollen nun strengere Regeln verabschiedet werden.

Union-Island-Zwerggecko: Deutlich mehr als vier Millionen lebende Reptilien wurden laut Eurostat im vergangenen Jahrzehnt nach Deutschland eingeführt
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Union-Island-Zwerggecko: Deutlich mehr als vier Millionen lebende Reptilien wurden laut Eurostat im vergangenen Jahrzehnt nach Deutschland eingeführt


Sein Körper ist keine drei Zentimeter lang, er hat orange leuchtende Augen und eine unverwechselbare Zeichnung des Schuppenkleides. Die einzige Population des Union-Island-Zwerggeckos lebt auf einer Karibikinsel - noch. Artenschützer fürchten, dass das Tier aussterben könnte. Schuld daran ist auch die Leidenschaft für exotische Haustiere. Bis zu 700 Euro lassen sich mit einem Gecko erzielen.

Der Inselstaat St. Vincent und die Grenadinen zieht nun die Notbremse und will den Gecko durch das Washingtoner Artenschutzabkommen vor kommerzieller Ausbeutung schützen. Ein wichtiger Schritt, der aus Sicht der Artenschützer aber nur an der Oberfläche des Problems kratzt. Denn Hunderte seltene und bedrohte Arten werden gehandelt, legal wie illegal.

Alle zwei bis drei Jahre treffen sich die mehr als 180 Unterzeichnerstaaten des 1973 in Washington begründeten Handelsabkommens Cites. Seit Samstag und bis zum 28. August berät die Weltartenschutzkonferenz in Genf, welche Tiere und Pflanzen vom Handel ausgeschlossen oder nur begrenzt gehandelt werden sollen. Dabei zeichnet sich unter anderem ein Beschluss ab, wonach wilde afrikanische Elefanten nicht mehr an Zoos verkauft werden dürfen.

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Die aktuelle Cites-Konferenz hat die längste Tagesordnung aller bisherigen Treffen. Auf ihr sind 56 Anträge aufgeführt, die zum Schutz von Nashörnern, Giraffen, Jaguaren, Haien sowie Reptilien und Amphibien führen sollen. Neben dem Zwerggecko sollen Agamen-Arten aus Sri Lanka besser geschützt werden, Glasfrösche aus Lateinamerika, Spaltenschildkröten aus Ostafrika und Molche aus Südostasien.

Was fern klingt, betrifft heimische Terrarien: Deutschland ist das mit Abstand größte Importland für Reptilien. Deutlich mehr als 4 Millionen lebende Reptilien wurden laut Eurostat im vergangenen Jahrzehnt eingeführt, Tendenz rückläufig.

Vierteljährliche Messe in Hamm

Dennoch geben Artenschützer keine Entwarnung: "Der legale und illegale Handel mit Wildfängen boomt seit Jahren. Was uns vor allem Sorge bereitet, ist das breite Spektrum bedrohter Arten, das auf den Fachbörsen und im Internet feilgeboten wird", sagt Sandra Altherr von der Organisation Pro Wildlife. Solange Arten weder dem Cites-Abkommen unterlägen, noch durch zusätzliche EU-Bestimmungen geschützt seien, sei die Plünderung der Wildbestände legal, klagen Tierschützer.

Wichtige Drehscheibe für den EU-Handel ist die vierteljährlich in Hamm stattfindende Reptilienbörse Terraristika - nach Angaben der Veranstalter die weltweit größte ihrer Art. Seit Jahren kritisieren Artenschützer, die Börse befeuere das Geschäft mit bedrohten Arten. Die Veranstalter bestreiten das. Die Einhaltung artenschutzrechtlicher Bestimmungen sei eine Selbstverständlichkeit, illegale Aktivitäten dulde man nicht.

Das sieht auch der größte Verband der Reptilienhalter so: Man stelle sich als Fachverband klar gegen illegalen Artenhandel, sagt Markus Monzel, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT). Sachkundige Privathalter seien nicht die Gegner, sondern vielmehr Partner des Artenschutzes, vielfach eingebunden in wichtige wissenschaftliche Zuchtprogramme.

Rigorose Handelsverbote für seltene Arten allein würden aus Sicht des Verbands meist nicht helfen, sondern den Artenschutz sogar hemmen. Auch wenn der größte Teil der gehaltenen Tiere aus Nachzuchten stamme, brauche es bisweilen Wildfänge, um per Nachzucht den Erhalt einer Art zu sichern, sagt Monzel.

Ökonomie schlägt Ökologie

Es gebe viele Möglichkeiten, den Artenschutz zu unterlaufen, hält Mark Auliya vom Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung entgegen. Wo schon kleine Gewinnbeteiligungen das Überleben der Fänger sicherten und Zöllner und Behörden besonders anfällig für Korruption seien, hätten Reptilienschmuggler leichtes Spiel, erklärt er. "Der internationale Handel ist für viele Länder Süd- und Mittelamerikas, Südostasiens und Afrikas eine wichtige ökonomische Grundlage." Auch hierzulande seien es Gewinninteressen, die Händler dazu neigen ließen, wegzusehen oder mitzumischen im Geschäft mit bedrohten Arten.

Sollten nun weitere Arten unter das Washingtoner Artenschutzabkommen fallen, sei das zwar positiv, doch längst keine Trendwende, warnt der Wissenschaftler. Weiterhin sei nur ein Bruchteil der bedrohten Arten von Cites geschützt. Und solange in Export- und Importländern der Kontrolldruck nicht steige, seien illegale Geschäfte weiter attraktiv.

chs/dpa



insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
Melissa85 19.08.2019
1.
Wenn Wildtiere als Haustiere oder Zootiere enden ist das kein aussterben im üblichen Sinne da die Arten weiter Leben und sich optimalerweise vermehren. Aber davon ab ist strenger Artenschutz kontraproduktiv zur Natur die darauf aus ist das sich starke Lebensformen anpassen und durchsetzen während die zu schwachen aussterben. Das wird massiv gestört durch den Fanatischen Versuch jede noch so schwache Art um jeden Preis zu erhalten.
neanderspezi 19.08.2019
2.
Zitat von Melissa85Wenn Wildtiere als Haustiere oder Zootiere enden ist das kein aussterben im üblichen Sinne da die Arten weiter Leben und sich optimalerweise vermehren. Aber davon ab ist strenger Artenschutz kontraproduktiv zur Natur die darauf aus ist das sich starke Lebensformen anpassen und durchsetzen während die zu schwachen aussterben. Das wird massiv gestört durch den Fanatischen Versuch jede noch so schwache Art um jeden Preis zu erhalten.
Es gibt keinen Unterschied zwischen schwachen und starken Lebensformen, der Umfang der Habitate und dadurch auch extreme Spezifizierungen auf gegebene Lebensumstände können sehr bedeutsam variieren. Es gibt Lebensformen die ein breites Spektrum an Lebensqualität für ihr Überleben tolerieren und dann gibt es eben auch extreme Spezialisten, die in ihrem natürlichen Lebensraum sehr gut gedeihen können, die aber gegen Veränderungen ihrer Lebensumfelds keinerlei Toleranz zeigen. Mit Schwäche oder Stärke einer Art hat das überhaupt nichts zu tun.
andrehe 19.08.2019
3. Haltung von Tieren verbieten
Zitat von Melissa85Wenn Wildtiere als Haustiere oder Zootiere enden ist das kein aussterben im üblichen Sinne da die Arten weiter Leben und sich optimalerweise vermehren. Aber davon ab ist strenger Artenschutz kontraproduktiv zur Natur die darauf aus ist das sich starke Lebensformen anpassen und durchsetzen während die zu schwachen aussterben. Das wird massiv gestört durch den Fanatischen Versuch jede noch so schwache Art um jeden Preis zu erhalten.
Generell sollten die Tiere in der Natur leben und nicht in Käfigen. Die Sklaverei wurde abgeschafft, und der Eingriff in die Natur sollte deshalb ebenso unterbleiben. Lassen wir die Tiere in Ruhe und verbieten den Handel damit komplett. Dafür brauchen wir keine langen Listen. Für den Klimaschutz müssen wir uns vegan ernähren, und um die komplexen Ökosysteme zu erhalten, müssen wir uns dort heraushalten und selbstredend keine Regenwälder mehr abholzen. Alles, was in die Natur eingreift, muss verboten werden. Keine Einfuhr von Rindfleisch aus Brasilien, und auch nicht von Soja-Kraftfutter von dort. Wer sich für Tiere interessiert, kann Sendungen im ÖR schauen. Da gibt es regelmäßig Dokumentationen. Warum müssen wir zuhause Tiere haben? So ein Unsinn. Die beliebtesten Haustiere sind Hunde und Katzen, und sie konsumieren 25% der gesamten Fleischproduktion. Exotische Tiere sorgen für eine Gefährdung der Art, auch nicht besser. Es geht darum, die Ökosysteme zu erhalten. Da kann man sich nicht einfach die schönsten Exemplare aussuchen, fangen und in ein Haus bringen.
frenchie3 19.08.2019
4. @1 Wer hat Sie denn reingelassen?
Dieses dümmliche Geschwätz vom Überleben des Stärksten ist nicht auszurotten. Jede Tierart ist seiner Nische angepaßt, der Auswahlprozess geht über Jahrtausende. Außer der Mensch schleppt Freßfeinde ein (siehe Australien) oder rottet aus Profitgier aus.
abca 19.08.2019
5. @Melissa85
Das ist ja mit das dümmste, was ich in den letzten 10 Jahren gelesen habe. Der Mensch ist das Problem der bedrohten Arten und nicht deren Schwäche.
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