Forscherskandal Heißer Krieg ums Klima

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3. Teil: Wie Klimaforscher mit Interessensverbänden kungelten


Schon vor der Uno-Klimakonferenz in Kyoto 1997 hatten Umweltverbände und führende Klimaforscher an einem Strang gezogen, um Druck auf Industrie und Politiker auszuüben. Greenpeace sendete im August 1997 im Namen britischer Forscher einen appellativen Leserbrief an die britische Zeitung "The Times" - die Klimatologen hatten nur noch unterschreiben müssen. Im Namen des Umweltvereins WWF riefen andere Klimaforscher im Oktober 1997 anlässlich der Kyoto-Konferenz Hunderte Kollegen per E-Mail zur Unterzeichnung eines Appells an die Politiker auf.

Das Vorhaben war umstritten: Während deutsche Forscher sich umstandslos auf die Liste setzen ließen, äußerte beispielsweise der renommierte amerikanische Paläoklimatologe Tom Wigley seine Bedenken: Derartige politische Appelle seien ähnlich "unehrenhaft" wie die Propaganda der Skeptikerlobby, antwortete er am 25. November 1997 seinen Kollegen in einer E-Mail, die sich unter den illegal veröffentlichen findet. Persönliche Ansichten dürften nicht mit wissenschaftlichen Fakten vermischt werden, so Wigley.

Forscher haben Appelle von Umweltverbänden "etwas verstärkt"

Sein Einspruch verhallte ungehört: Die Zusammenarbeit mit der Umweltlobby wurde für viele seiner Kollegen zur Selbstverständlichkeit. Dem WWF etwa schickten australische und britische Klimaforscher auf Nachfrage besonders pessimistische Prognosedaten. Sie zeigten dabei ausdrücklich Verständnis dafür, dass der Umweltverein die Warnungen etwas "verstärkt" haben wollte, wie es der WWF im Juli 1999 in einer E-Mail forderte. Ein australischer Klimatologe bezeichnete es in einer E-Mail vom 28. Juli 1999 gegenüber Kollegen als "sehr beunruhigend", sollten sich in einer Umweltschutzbroschüre Daten fänden, die nahelegten, der Klimawandel könne in "weiten Teilen der Welt einen zu vernachlässigenden Effekt haben".

Auch deutsche Klimaforscher von Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und vom Hamburger Max-Planck-Institut (MPI) für Meteorologie verfassten 2001 ein gemeinsames Positionspapier mit dem Umweltverband WWF. Das deutsche Wuppertal-Institut war in dieser Hinsicht Vorreiter: Es erarbeitete Mitte der neunziger Jahre ganz offen mit dem Umweltverband BUND Empfehlungen für eine Klimaschutzstrategie.

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