Minus 2,5 Prozent EU reduziert CO2-Emissionen

In rund zwei Dritteln der EU-Länder ist der Ausstoß von Kohlendioxid aus Kohle, Gas und Öl 2018 gesunken. Nicht nur in Deutschland spielte dabei auch das Wetter eine Rolle.

Kraftwerk in Recklinghausen (Archiv)
Marcel Kusch/ DPA

Kraftwerk in Recklinghausen (Archiv)


In der EU sind die CO2-Emissionen aus der Verbrennung von Öl, Kohle und Gas im vergangenen Jahr gesunken. Einer vorläufigen Schätzung zufolge wurde 2,5 Prozent weniger Kohlendioxid als 2017 ausgestoßen. Das teilte die Statistikbehörde Eurostat in Luxemburg mit. Demnach sank der Ausstoß des Treibhausgases in der Energieproduktion in rund zwei Dritteln der EU-Länder.

Die stärksten Rückgänge registrierte Eurostat in Portugal mit neun Prozent, gefolgt von Bulgarien (8,1 Prozent); beide Staaten haben aber nur Anteile von jeweils gut einem Prozent an allen CO2-Emissionen der EU. Auf Rang drei beim Rückgang liegt Irland mit 6,8 Prozent. Deutschland kommt mit 5,4 Prozent Reduktion auf Rang vier.

Zuwächse gab es in acht EU-Staaten, von denen die meisten allerdings nur winzige Anteile am Gesamtvolumen der EU haben. Eine Ausnahme ist Polen, mit einem Anteil von 10,3 Prozent und einem Zuwachs von 3,5 Prozent für 2018. Wesentliche Zuwächse bei den CO2-Emissionen gab es auch in Lettland mit 8,5 Prozent und auf Malta mit 6,7 Prozent.

Deutschland produziert in der EU am meisten CO2

Kohlendioxid macht 80 Prozent aller Treibhausgase aus, die für die Erwärmung der Erde verantwortlich gemacht werden. Deutschland produziert mit 22,5 Prozent des gesamten Ausstoßes der EU mit Abstand am meisten CO2, gefolgt von Großbritannien mit 11,4 Prozent. Italien, Frankreich und Polen sind für jeweils rund zehn Prozent verantwortlich.

Die EU hat sich vorgenommen, die Emissionen bis 2030 um 40 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 zu verringern. Zuletzt war der Ausstoß aus der Verbrennung fossiler Energieträger in der EU jedoch drei Jahre in Folge gestiegen.

Das Umweltbundesamt hatte bereits vor vier Wochen geschätzt, dass Deutschland den Ausstoß aller Klimagase - also nicht nur Kohlendioxid, sondern zum Beispiel auch Methan, Lachgas oder Fluorkohlenwasserstoffe - 2018 um 4,5 Prozent gedrückt hat. Als Gründe gelten unter anderem der milde Winter, in dem weniger geheizt wurde, und der sonnige Sommer mit einer großen Produktion von Sonnen- und Windstrom.

Auch Eurostat wies darauf hin, dass unter anderem klimatische Bedingungen, Konjunktur, Industrie, Bevölkerungsgröße und Verkehr den CO2-Ausstoß beeinflussen. Zudem gibt es statistische Besonderheiten. Wird zum Beispiel Kohle importiert und verbrannt, schlägt das im Importland zu Buche; führt dasselbe Land hingegen Strom ein, werden die Emissionen dem Exportland zugerechnet.

brt/AFP/dpa

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Freier.Buerger 08.05.2019
1.
"...Zudem gibt es statistische Besonderheiten. Wird zum Beispiel Kohle importiert und verbrannt, schlägt das im Importland zu Buche; führt dasselbe Land hingegen Strom ein, werden die Emissionen dem Exportland zugerechnet." Das gilt auch für Stahl, Zement und chemische Grunderzeugnisse und sonstige Produkte bei deren Herstellung viel Energie verbraucht wird. Wenn wir also Energie teuer so machen, dass Industrie abwandert und wir die Produkte einführen, haben wir zwar eine weiße Weste, aber die Welt nicht ein Gramm CO2 eingespart.
mopsfidel 08.05.2019
2. War es nun das Wetter oder die EU?
Insgesamt eine etwas verwirrende Meldung. Und Klimawandlerleugner könnten sogar sagen: ist doch prima, regelt sich alles von selber. Mildere Winter führen dazu, dass weniger geheizt werden muss und dies reduziert das CO2 fast schon von alleine.
hup 08.05.2019
3. Der schöne Schein vom Sein
"Wird zum Beispiel Kohle importiert und verbrannt, schlägt das im Importland zu Buche; führt dasselbe Land hingegen Strom ein, werden die Emissionen dem Exportland zugerechnet." Auf genau diese Tour kann sich z.B. Norwegen als "Sauberland" präsentieren. Während Exporte fossiler Energiträger 70% der gesamten Wirtschaftsleistung ausmachen nutzt Norwegen intern fast nur Wasserkraft und hat eine hohen Anteil an e-Autos. Würden sie ihr Gas- und Öl selbst verbrennen und den Strom exportieren, dann wären sie der schlimmste Umweltsünder der EU. Es ist also alles nur eine Frage der Richtigen Präsentation: Vorzeigemodell oder Klimasünder von Vorgestern - es liegt eng beieinander. Macht es einen Unterschied für das Klima? Nope. Jedes Gramm CO2 das emitiert wird ist das Problem, egal ob das in Norwegen oder Deutschland passiert. CO2 macht nicht halt an der Grenze. Das muss alles globaler gedacht werden: Wo auf der Welt erhält man den meisten "Bang for the Buck", wo kann man mit wenig Aufwand viel CO2-Emission verhindern? Dort muss das Geld hin fließen. Das Deutschland sich teuer selbst ein bischen sauberer macht, damit man moralisch gut da steht hilft der Welt nicht.
steveleader 08.05.2019
4. Jedes Land muss einfach...
mal anfangen. Wenn Deutschland klimaneutral wäre. Müssten andere Länder dem Beispiel folgen. Irgendwann würde man dann nur noch in klimaneutralen Ländern kaufen oder auch Importzölle von allen Ländern verlangen die nicht klimaneutral sind. Das Problem wäre schnell vom Tisch.
Nonvaio01 08.05.2019
5. wieso das denn?
Zitat von steveleadermal anfangen. Wenn Deutschland klimaneutral wäre. Müssten andere Länder dem Beispiel folgen. Irgendwann würde man dann nur noch in klimaneutralen Ländern kaufen oder auch Importzölle von allen Ländern verlangen die nicht klimaneutral sind. Das Problem wäre schnell vom Tisch.
Wenn Deutschland klimaneutral wäre. Müssten andere Länder dem Beispiel folgen. So ein schwachsinn, als wenn deutschland das vorbild der Welt ist. Geld verdienen ist wichtig, schliesslich haben wir das Kapitalistische system, solange wir das haben ist Klimaschutz toll, darf aber nichts kostenm, was sich wiederspricht.
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