Trotz Energiewende Deutschlands Treibhausgas-Ausstoß steigt

Deutschlands Treibhausgas-Ausstoß ist im vergangenen Jahr gestiegen - trotz des starken Ausbaus erneuerbarer Energien. Ein schwacher Trost: Das im Kyoto-Protokoll festgelegte Ziel wird dennoch erreicht.
Braunkohlekraftwerk in Grevenbroich-Neurath: Deutschlands CO2-Ausstoß steigt wieder

Braunkohlekraftwerk in Grevenbroich-Neurath: Deutschlands CO2-Ausstoß steigt wieder

Foto: DPA

Die Energiewende, in Deutschland umstritten, wird in anderen Industrieländern mit Erstaunen verfolgt. Allerdings sind die Treibhausgas-Emissionen im vergangenen Jahr trotz des Ausbaus erneuerbarer Energien nicht gesunken. Im Gegenteil: Der Ausstoß von Kohlendioxid und anderen Gasen stieg im Vergleich zum Vorjahr um 1,6 Prozent, wie vorläufige Zahlen des Umweltbundesamts besagen.

Insgesamt entsprach der Treibhausgas-Ausstoß demnach 931 Millionen Tonnen Kohlendioxid, 14 Millionen Tonnen mehr als 2011. Die CO2-Emissionen stiegen laut UBA um zwei Prozent. Der Grund sei zum einen ein kalter Winter, wodurch mehr Erdgas zum Heizen eingesetzt worden sei. Zum anderen sei für die Stromerzeugung mehr Braun- und Steinkohle verbrannt worden.

Emissionen um mehr als ein Viertel gesenkt

Der Ausbau der erneuerbaren Energien dämpfte den Anstieg allerdings. Insgesamt hat Deutschland seine Verpflichtung zur Kappung des Treibhausgas-Ausstoßes aus dem Vertrag von Kyoto mehr als erfüllt. Die Emissionen gingen bis Ende 2012, dem Auslaufen des Vertrages, um mehr als ein Viertel (25,5 Prozent) im Vergleich zu 1990 zurück. Zugesagt hatte Deutschland ein Minus von 21 Prozent.

Der "verschiedentlich herbeigeredete starke Anstieg der Klimagas-Emissionen" durch den Atomausstieg sei vor allem dank des Ausbaus der erneuerbaren Energien ausgeblieben, sagte UBA-Präsident Jochen Flasbarth. "Sorgen macht mir dennoch der Trend, wieder mehr Kohle zu verstromen."

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) bezeichnete die bisher erreichte Ausstoßsenkung als "wichtigen Meilenstein" auf dem Weg, die anspruchsvollen Minderungsziele für 2020 zu erreichen. "Es zeigt sich aber auch, dass für den gewünschten klimafreundlichen Umbau der Energieversorgung weitere Weichenstellungen notwendig sind", erklärte Altmaier laut einer Mitteilung des UBA.

"Das Finanzloch ist schon da"

Kohle dränge infolge der Ausweitung der Gasförderung in den USA durch die umstrittene Fracking-Methode auf die Weltmärkte. Man müsse aufpassen, dass Kohle nicht die klimafreundlichere Energiegewinnung in Gaskraftwerken verdränge, so Altmaier. Flasbarth betonte, eine Reform des EU-weiten Handels mit CO2-Verschmutzungsrechten sei unerlässlich, um der Entwicklung entgegenzuwirken. Durch den Preisverfall bei den Zertifikaten auf teils unter fünf Euro je ausgestoßener Tonne CO2 lohnt sich derzeit vor allem die klimaschädliche Kohleverstromung, so Flasbarth. Ohne eine Verknappung der CO2-Zertifikate sei das Problem nicht zu lösen.

Die EU-Kommission will 900 Millionen Zertifikate zurückhalten, um den CO2-Preis wieder zu steigern. Altmaier unterstützt den Kommissionsvorschlag, Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) ist dagegen, im März soll eine Entscheidung der 27 EU-Staaten fallen. Altmaier räumte ein, dass wegen der fehlenden Einnahmen, die den milliardenschweren Energie- und Klimafonds (EKF) des Bundes speisen, die Finanzierung von Energiewendeprojekten schwierig werden könnte: "Das Finanzloch ist schon da."

mbe/dpa