Cosmic Crisp Hype um Super-Apfel

Jahrzehntelang tüftelten US-Wissenschaftler an einem Apfel, der ein Jahr lang haltbar sein soll. Nun kommt das begehrte Obst auf den US-Markt.
Cosmic Crisp: Die Wunderäpfel sollen noch in dieser Woche auf den Markt kommen

Cosmic Crisp: Die Wunderäpfel sollen noch in dieser Woche auf den Markt kommen

Foto: Cosmic Crisp

Unzählige Schlagzeilen, eine Baum-Lotterie und ein Werbebudget von mehr als zehn Millionen Dollar: Selten wurde eine Frucht so gehypt wie der Cosmic Crisp. Die neue Apfelsorte soll gekühlt bis zu einem Jahr haltbar sein, kaum braun anlaufen, wenn man sie aufschneidet, und süß schmecken.

Entwickelt wurde der Apfel an der Washington State University (WSU). Für jeden verkauften Baum bekommt die Universität eine Lizenzgebühr. Über 20 Jahre hinweg tüftelten die Forscher an der perfekten Kreuzung zwischen den Sorten "Honeycrisp" und "Enterprise".

Heraus kam der sogenannte Cosmic Crisp, der auf reiner Züchtung basiert, Gentechnik kam nicht zum Einsatz. Der Apfel bekam den Namen, weil seine tiefrote Schale von weißen Punkten gesprenkelt sei wie der Nachthimmel. Der Zusatz "crisp" verspricht, dass die Frucht besonders frisch und knackig bleibt. Der wissenschaftliche Name lautet "WA38".

Kritiker sehen Apfel als Marketing-Gag

2017 wurden die ersten kommerziellen Cosmic-Crisp-Bäume gepflanzt. Die Nachfrage war damals so groß, dass die begehrten Bäume verlost wurden. Seitdem sind laut "BBC"  zwölf Millionen Exemplare gepflanzt worden, alle ausschließlich im US-Bundesstaat Washington.

Der US-Bundesstaat ist der größte Apfelproduzent in den USA und hat bekannte Sorten wie den Golden Delicious hervorgebracht. In den vergangenen Jahren wuchs jedoch die Konkurrenz durch andere Sorten wie Pink Lady und Royal Gala. Daher musste eine neue Apfelsorte her. Der Sortenschutz gilt noch bis 2027.

In dieser Woche wird die erste kommerzielle Ernte in US-Supermärkten zu kaufen sein. 450.000 Kisten werden dafür ausgeliefert, 2020 sollen es schon 2,1 Millionen sein. Mit umgerechnet neun Euro pro Kilogramm wird der Apfel jedoch deutlich teurer sein als andere Sorten.

Ob das Wunder-Obst hält, was es verspricht, muss sich erst noch zeigen. Kritiker wittern vor allem einen Marketing-Gag. Allein die Werbekampagne für den neuen Apfel kostete mehr als zehn Millionen Dollar.

Laut "Financial Times"  sei es geradezu absurd, ausgerechnet in einer Zeit einen neuen Apfel zu züchten, in der sich viele nach authentischen Lebensmitteln direkt vom Erzeuger sehnten. Wie wichtig Marketing für einen Apfel sein kann, zeigt jedoch das Beispiel Pink Lady. Der weltweit verkaufte Apfel hat seinen Ursprung in Australien und löste einen ähnlichen Hype aus, als er auf den Markt kam.

In Europa wird die neue Apfelsorte erst im kommenden Jahr zu kaufen sein. Gerade der Markt in Deutschland könnte lukrativ werden. Der Apfel ist hierzulande das beliebteste Obst. Statistisch betrachtet isst jeder Mensch in Deutschland 30 Kilogramm Äpfel pro Jahr.

koe
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