"Deepwater Horizon" Bakterien fraßen Methan nur unvollständig

Bakterien fraßen das Methan, das bei der Havarie der Ölplattform "Deepwater Horizon" ausgetreten ist - das zumindest dachte man bisher. Nun zeigt sich: Der Hunger der Mikroorganismen ließ schlagartig nach, noch während das Treibhausgas ins Meer strömte.
Ölteppich nach "Deepwater Horizon"-Havarie: 500.000 Tonnen Gas gelangten ins Meer

Ölteppich nach "Deepwater Horizon"-Havarie: 500.000 Tonnen Gas gelangten ins Meer

Foto: Christopher Berkey/ dpa

Das Unglück der Ölplattform "Deepwater Horizon" im April 2010 hat offenbar noch gravierendere Umweltfolgen verursacht als bisher bekannt. Messungen eines US-Forscherteams im Golf von Mexiko zeigen, dass Bakterien das ausgetretene Methan - entgegen bisheriger Erkenntnisse - bei Weitem nicht vollständig abgebaut haben. Demnach dürfte mehr Methan in die Atmosphäre gelangt sein als bislang gedacht.

Nach dem Unglück am 20. April 2010 strömten bis zum 15. Juli neben großen Mengen Öl bis zu 500.000 Tonnen Gas in den Golf von Mexiko - vor allem das Treibhausgas Methan. Bisher gingen Forscher davon aus, dass Meeresbakterien das meiste Methan bis August zersetzt hatten. Dass dies ein Irrtum ist, zeigt eine aktuelle Studie im Fachmagazin "Nature Geoscience" .

Ein Team um Samantha Joye von der University of Georgia in Athens hat auf mehreren Expeditionen bis Dezember 2010 die Entwicklung des Methangehalts auf einer Fläche von gut 100.000 Quadratkilometern um den Unglücksort erfasst. Die Forscher dokumentierten Methanwerte, den Methanabbau durch Oxidation sowie genetische Spuren von Methan-abbauenden Organismen.

Demnach gipfelte der Abbau des Gases überraschenderweise Ende Mai und Anfang Juni - viel früher als bisher vermutet. Zu diesen Zeitpunkten lag die tägliche Abbaurate bei 5900 Nanomol pro Liter, einhergehend mit einem deutlichen Anstieg von Bakterien. Diese Zersetzungsrate hätte ausgereicht, um das ausgetretene Methan binnen zwei Monaten abzubauen, schreiben die Meeresforscher.

Und plötzlich war der Hunger weg

Doch schon Ende Juni - also noch während weiterhin Gas ausströmte - brach der Abbau drastisch auf 50 Nanomol pro Liter ein, bis Dezember sank er sogar auf 3 bis 5 Nanomol. In dieser Zeit fanden die Forscher auch kaum noch genetische Spuren von Methan-zersetzenden Bakterien. Der Rückgang lag nicht an einem Mangel an Methan: Zeitweilig übertraf dessen Konzentration die Normalmenge noch etwa um das 5000fache. Die Werte blieben bis mindestens Dezember erhöht - dem Ende der Messungen.

Warum die bakterielle Methan-Oxidation plötzlich einbrach, ist rätselhaft. Neben Methan war auch Sauerstoff reichlich vorhanden, ebenso wichtige Nährstoffe wie Stickstoff oder Phosphor. Die Forscher vermuten als Ursache physiologische Gründe oder Umweltfaktoren, etwa das Absterben von Bakterien durch virale Infektionen oder Einflüsse anderer Kleinlebewesen, etwa von Protisten oder Zooplankton.

In einem Kommentar schreibt Evan Solomon  von der University of Washington in Seattle, das Methan habe sich in der Wassersäule verteilt. Ein Teil davon sei wohl in die Atmosphäre gelangt.

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Golf von Mexiko: Die Mega-Ölpest der USA

Foto: REUTERS/ U.S. Coast Guard
jme/dpa
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