Ausgefeilte Klopftechnik des Spechts Dieser Vogel ist der Hammer

Wie schafft es der Specht, keine Gehirnerschütterung zu bekommen? Ein Forschungsteam hat nun eine gängige Annahme widerlegt: Es liegt zumindest nicht an einem Stoßdämpfer-Mechanismus in seinem Schädel.
Der Specht ist einer der wichtigsten Baumeister des Waldes – in die Höhlen, die er hinterlässt, ziehen andere Tiere als Nachmieter ein

Der Specht ist einer der wichtigsten Baumeister des Waldes – in die Höhlen, die er hinterlässt, ziehen andere Tiere als Nachmieter ein

Foto: Martin Pelanek / Getty Images

Tausende Male pro Tag schlägt der Specht seinen Schnabel ins Holz alter Bäume, wenn er sich eine Schlaf- oder Nisthöhle baut, oder wenn er mit Artgenossen kommuniziert. Denn statt zu singen, trommelt dieser Vogel.

Doch die Frage, wieso er das eigentlich kann, ohne sich jedes Mal ein gehöriges Schädel-Hirn-Trauma zuzuziehen, stellt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler seit Langem vor ein Rätsel.

Ein Forschungsteam aus Deutschland, Belgien, Frankreich und Kanada hat nun in der Fachzeitschrift »Current Biology«  eine Studie veröffentlicht, die zumindest einen Teil des Rätsels löst. Nach Angaben der beteiligten Fachleute kann die Arbeit die gängige Annahme widerlegen, dass der Schädel des Spechts wie ein stoßdämpfender Helm funktioniert. Im Gegenteil: Der Spechtschädel wirke beim Picken wie ein massiver Hammer.

Ein Stoßdämpfer wäre hinderlich

Um das herauszufinden, untersuchten die Forscherinnen und Forscher mehr als 100 High-Speed-Videoaufnahmen von drei Spechtarten, von zwei Schwarzspechten, Helmspechten und Buntspechten. Zudem berechneten sie die Kräfte, die auf den Spechtschädel wirken, in biomechanischen Modellen.

Diese Berechnungen zeigten nicht nur, dass es keine stoßdämpfende Wirkung der Spechtköpfe gebe, sondern auch, dass eine solche abfedernde Funktion dem Specht sogar hinderlich wäre. Würde die Kraft eines einzelnen Schlags zu einem Teil absorbiert, nähme die Schlagleistung jedes einzelnen Hiebs ab – und der Vogel müsste für dasselbe Ergebnis seinen Kopf noch ausdauernder in das Holz hämmern. Die Ergebnisse widersprächen »der derzeit vorherrschenden Auffassung von der adaptiven Evolution der Schädelfunktion«, heißt es in der Studie.

Und offenbar zieht sich das Spechthirn bei all dem Gehämmer keinen Schaden zu. Die Belastung, die sich beim Klopfen für das Gehirn der Vögel feststellen ließe, liege unter dem bekannten Schwellenwert, bei dem man bei Primaten von einer Gehirnerschütterungen ausgehe.

Warum das so ist, konnten die Fachleute allerdings noch nicht beantworten.

vki/dpa
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