Klimawandel in Deutschland »Wir erleben Hitzeperioden, die wir eigentlich erst in ein paar Jahrzehnten erwartet hätten«

Seit den Sechzigern war jede Dekade wärmer als die vorherige – und das Tempo nimmt weiter zu, mahnt der Deutsche Wetterdienst. Das Klima müsse auch aus Kostengründen besser geschützt werden.
Edersee bei Waldeck im Spätsommer 2022: Weitestgehend ausgetrocknet

Edersee bei Waldeck im Spätsommer 2022: Weitestgehend ausgetrocknet

Foto: Jochen Tack / IMAGO

Es wird heißer in Deutschland – und der seit Jahrzehnten beschleunigte Erwärmungstrend wird sich dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zufolge fortsetzen. »Wir erleben inzwischen Hitzeperioden und -intensitäten, die wir aus den Klimamodellen eigentlich erst in ein paar Jahrzehnten erwartet hätten«, sagte Andreas Becker, Leiter der Abteilung Klimaüberwachung des DWD, am Montag anlässlich der finalen Klimabilanz für das vergangene Jahr.

»Seit dem Jahr 1881 haben wir nun einen Anstieg der Jahresmitteltemperatur in Deutschland von 1,7 Grad«, sagte Becker. Dieser Anstieg lasse sich nur durch den menschengemachten Klimawandel erklären. »Seit Anfang der Siebzigerjahre hat sich dieser Erwärmungstrend deutlich beschleunigt, und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass er sich in den nächsten Jahren verlangsamen wird.«

2022 war zu warm und zu trocken

Der finalen Bilanz zufolge war 2022 das sonnenscheinreichste und gemeinsam mit 2018 wärmste Jahr in Deutschland seit Beginn der systematischen Wetteraufzeichnungen 1881. Die Jahresmitteltemperatur lag bei 10,5 Grad. Vor 2014 habe es in Deutschland nie eine Jahresdurchschnittstemperatur von mehr als 10 Grad gegeben. Dabei sei das vorangegangene Jahr einmal mehr nicht nur zu warm, sondern auch deutlich zu trocken gewesen – mit teils gravierenden Auswirkungen für Landwirtschaft und Wälder (eine Übersicht zu regionalen Unterschieden beim Herbstwetter finden Sie hier).

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Seit den Sechzigerjahren ist in Deutschland jede Zehnjahresperiode wärmer als die vorherige gewesen, so der DWD. Die Jahre 2013 bis 2022 waren demnach die bisher wärmste Zehnjahresperiode seit Auswertungsbeginn.

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»Dies alles muss für uns eine starke Motivation sein, den Klimaschutz in Deutschland und global bedeutend stärker voranzutreiben, denn Anpassung ist viel teurer und selbst bei uns nur begrenzt möglich«, betonte Becker.

Anmerkung der Redaktion: In der Bildunterschrift hieß es zunächst, der Edersee sei völlig ausgetrocknet. Richtig ist, dass der See weitestgehend ausgetrocknet war. Wir haben die Stelle korrigiert.

ani/dpa
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