Klimakrise Deutscher Wetterdienst warnt vor Temperaturanstieg um bis zu vier Grad

Der Klimawandel lässt global die Temperaturen steigen, zeigen neue Analysen des Deutschen Wetterdiensts. Das Ziel des Pariser Klimaabkommens ist kaum noch erreichbar.
Ausgetrocknetes Elbufer in Dresden: 2019 waren acht von zwölf Monaten in Deutschland zu trocken

Ausgetrocknetes Elbufer in Dresden: 2019 waren acht von zwölf Monaten in Deutschland zu trocken

Foto: Robert Michael / dpa

Nach Einschätzung des Deutschen Wetterdiensts (DWD) reichen die Klimabemühungen nicht aus, um die selbst gesteckten Ziele zu erreichen. Der Anstieg der Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre gehe ungebremst weiter, »damit werden wir die im Paris-Abkommen vereinbarte Temperaturerhöhung von deutlich unter zwei Grad über dem vorindustriellen Niveau bis zum Jahr 2100 nicht erreichen. Leider sieht es im Moment sogar nach einem Plus von drei bis vier Grad aus«, sagte DWD-Präsident Gerhard Adrian.

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Der Einfluss des Klimawandels auf das Wetter in Deutschland und weltweit zeigt sich immer deutlicher: So war das Jahr 2020 nach Angaben des DWD nicht nur das zweitwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Deutschland, sondern auch weltweit. Die Meereisfläche in der Arktis erreichte im September 2020 nach 2012 ihren zweitniedrigsten Wert.

Doppelt so viele Stürme im Nordatlantik

Wetterextreme nehmen weltweit zu. In der Sahel-Region, um das Horn von Afrika sowie in Indien, Pakistan und China hat es im Jahr 2020 besonders viel geregnet. In einigen Regionen lag die Niederschlagsmenge um 500 Prozent über dem vieljährigen Mittel. Vom 1. Januar bis 17. November 2020 wurden zudem weltweit 96 tropische Stürme registriert. Im Nordatlantik waren es mit 30 Stürmen mehr als doppelt so viele wie dort typisch sind.

In Deutschland ist das Jahr 2020 in acht Monaten zu trocken und in vier Monaten zu nass gewesen, bilanzierte der DWD-Klimaexperte Thomas Deutschländer. Wie schon 2019 waren elf der zwölf Monate zu warm – verglichen mit der Referenzperiode zwischen 1961 und 1990. »Insgesamt betrachtet verstärken die vergangenen drei Jahre die Befürchtungen der Klimaforschung, dass wir künftig immer öfter mit Wetter- und Klimaextremen rechnen müssen«, sagte Deutschländer.

Temperaturen in Deutschland im Schnitt schon um 1,6 Grad gestiegen

Trotz der Auswirkungen der Coronapandemie auf die Weltwirtschaft und das globale Verkehrsgeschehen ist die CO2-Konzentration in der Atmosphäre im vergangenen Jahr weiter gestiegen, zeigen Analysen. Seit Ende des 19. Jahrhunderts ist die globale Mitteltemperatur außerdem bereits um 1,1 Grad gestiegen, in Deutschland sogar um 1,6 Grad.

Der Weltklimarat habe diese Entwicklung bereits in den Neunzigerjahren erstaunlich genau prognostiziert, sagte DWD-Präsident Adrian. Heute lägen deutlich verbesserte wissenschaftliche Szenarien vor. Diese sollten sehr ernst genommen werden.

koe/dpa/AFP
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