Dürre- und Sturmschäden in Deutschland Mehr als 110.000 Hektar Wald verloren gegangen

Im vergangenen Jahr sind in der Bundesrepublik riesige Waldflächen weggefallen - Stürme und die Trockenheit waren die Hauptgründe. Die Bundesregierung schätzt: Vermutlich wird es Jahre dauern, dies alles wieder aufzuforsten.

Forstarbeiter beseitigen in Sachsen Sturmschäden (Archivbild).
Jan Woitas/ DPA

Forstarbeiter beseitigen in Sachsen Sturmschäden (Archivbild).


Das Wetter im vergangenen Jahr hat dem deutschen Wald schwer zugesetzt. Nach Schätzungen der Bundesregierung müssen wegen Sturm- und Dürreschäden 114.000 Hektar neu aufgeforstet werden - eine Fläche etwa so groß wie Hamburg und Bremen zusammen. Das geht aus einer Regierungsantwort auf eine kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion hervor.

Ein Drittel der Baumschäden sei auf Stürme zurückzuführen, in zwei Dritteln der Fälle seien Borkenkäfer die Ursache. Die Trockenheit hat die Ausbreitung der Tiere stark verstärkt. Von den Käfern sind vor allem Fichten befallen. Die Insekten haben in den Wäldern von Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen und Thüringen große Schäden angerichtet. In diesen Bundesländern befinden sich Gebiete mit hohem Fichtenbestand.

Zudem haben gerade viele Neuanpflanzungen die Dürre nicht überstanden. Es werde mehrere Jahre dauern, bis durch Aufforstungen die Verluste ausgeglichen und junge Bäume groß geworden sind.

Da viele Käfer den Winter überlebt hätten, werden auch in diesem Jahr große Schäden erwartet. Eine genaue Prognose der Dürreschäden sei aber derzeit nicht möglich. Dafür müsse abgewartet werden, bis alle Bäume vollständig belaubt seien.

Von den betroffenen Flächen sind etwa 38.000 Hektar Staatswald. 76.000 Hektar gehören Gemeinden, Städten oder befinden sich im Privatbesitz. Bereits im vergangenen Jahr hatte Agrarministerin Julia Klöckner 25 Millionen Euro Hilfsgeld in den nächsten fünf Jahren in Aussicht gestellt.

Diese Summe reiche aber nicht aus, um eine solche Katastrophe für die Waldwirtschaft einzudämmen, sagte der FDP-Abgeordnete Karlheinz Busen. "Mehr als 50 Millionen Kubikmeter Schadholz sind seit Anfang 2018 in unseren Wäldern angefallen. Da sind die 25 Millionen Euro nur ein Tropfen auf den heißen Stein", so Busen. Er forderte steuerliche Erleichterungen für die Waldbauern, damit schneller in neue Maschinen und eine schnellere Behebung der Schäden investiert werden könne.

Bereits jetzt zeichnet sich eine Dürre für den kommenden Sommer ab. Das Umweltministerium in Brandenburg hat die höchste Waldbrand-Warnstufe fünf ausgerufen. Im Norden Sachsens dürfen wegen der teils sehr hohen Brandgefahr einige Wälder vorerst nicht mehr betreten werden. Die Böden sind schon jetzt viel zu trocken, weil die Niederschlagsmengen zu gering sind. Bis Ostern fielen in der Region im Schnitt gerade einmal 2,1 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Das langjährige Mittel für den April liegt bei 58,4 Litern.

Im Video: Unser Wald - Das Grüne Wunder

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joe/AFP



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