Autoverkehr Deutsche Klimaziele nur noch mit Liste des Schreckens erreichbar

Das Gutachten ist 33 Seiten lang - und voller unpopulärer Maßnahmen: Experten des Umweltbundesamts listen nach SPIEGEL-Informationen auf, wie radikal Deutschland beim Autoverkehr umsteuern muss, um seine Emissionsziele noch zu erreichen.
Stau (in Berlin)

Stau (in Berlin)

Foto: Lino Mirgeler/ dpa

Versprochen, gebrochen: Zwei Worte genügen, um die deutsche Klimapolitik zusammenzufassen. Bereits vor zehn Jahren hat sich die Bundesregierung das Ziel gesetzt, die Emissionen bis 2020 im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent zu reduzieren. Damit wird sie krachend scheitern. Bislang sind es gerade einmal 28 Prozent.

Ein wesentliches Problem: Der Verkehrsbereich hat seine Emissionen kaum reduziert. So notwendig ein allgemeines Umsteuern beim Autoverkehr ist, so unpopulär sind die Maßnahmen im Einzelnen. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Experten des Umweltbundesamtes haben nach SPIEGEL-Informationen nun aufgelistet, was die Bundesregierung tun müsste, um die Klimaziele zumindest eines ferneren Tages zu erreichen. So halten die Experten die Einführung einer "fahrleistungsabhängigen Maut für alle Straßenfahrzeuge" für unabdingbar. Demnach müssten alle Autofahrer eine Gebühr zahlen, deren Höhe von den gefahrenen Kilometern abhängig wäre. Im Gutachten heißt es, dass ein Benziner auf der Autobahn 6,5 Cent pro Kilometer zahlen müsste. Eine Autofahrt von Berlin nach Köln würde dann rund 37 Euro kosten.

Nach Berechnung der Experten müssten bis zum Jahr 2030 zudem zwölf Millionen Elektroautos auf deutschen Straßen fahren. Um das ambitionierte Ziel zu erreichen, fordern die Autoren eine Mindestquote für Elektroautos nach chinesischem Vorbild. Sie läge 2020 bei drei Prozent und 2025 bereits bei 30 Prozent. Würde ein Hersteller die Quoten verfehlen, müsste er Strafzahlungen leisten.

Darüber hinaus sind die Experten davon überzeugt, dass die Klimaziele ohne kontinuierlich sinkende Verbrauchswerte für Benzin- und Dieselfahrzeuge nicht erreichbar sind, weil Verbrennungsmotoren "kurz- bis mittelfristig (mindestens bis 2030) die dominierenden Energieverbraucher im Verkehrssektor" bleiben. Die günstige Besteuerung von Diesel müsse genauso abgeschafft werden wie die Pendlerpauschale, heißt es weiter.

Die Chefin des Umweltbundesamtes Maria Krautzberger sagte dem SPIEGEL: "Im bisherigen Tempo können wir nicht weitermachen. Wenn wir unsere Ziele noch erreichen wollen, müssen wir auch über Maßnahmen nachdenken, die auf den ersten Blick unpopulär sind."

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