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17. Juli 2018, 12:47 Uhr

Geologie

Forscher entdecken zehn Billiarden Tonnen Diamanten

Sie gehören zu den wertvollsten Mineralen der Welt und könnten deutlich häufiger vorkommen, als bisher gedacht: Wissenschaftler haben im Inneren der Erde einen riesigen Vorrat an Diamanten gefunden.

Diamanten sind der härteste natürliche Stoff der Welt und sehr begehrt. Ein riesiger Rohdiamant aus Lesotho brachte beispielsweise vor wenigen Monaten satte 40 Millionen Dollar bei einer Versteigerung. Nun haben Forscher herausgefunden: Das wertvolle Mineral kommt offenbar tausendmal häufiger in der Erdkruste vor, als bisher angenommen. Demnach verbergen sich in etwa 145 bis 241 Kilometern Tiefe mehr als zehn Billiarden Tonnen Diamanten.

Ein internationales Forscherteam hatte das Vorkommen über die Analyse seismischer Wellen entdeckt. Demnach liegen die Diamanten innerhalb der sehr alten Kerngebiete der Kontinente, den sogenannten Kratonen. Wie umgekehrte Berge reichen diese Hunderte Kilometer tief in den Erdmantel hinein. Es handelt sich um die ältesten und unbeweglichsten Gesteinsschichten, die unter dem Zentrum der meisten Kontinentalplatten liegen. Den tiefsten Abschnitt bezeichnen Geologen als "Wurzel".

"Nicht so exotisch wie angenommen"

Genau diese Wurzeln bestehen vermutlich zu ein bis zwei Prozent aus Diamanten, schreiben die Forscher in einer Studie, die im "AGU Journal Geochemistry, Geophysics, Geosystems" erschienen ist. In Anbetracht des Gesamtvolumens der Kratone schätzen die Forscher, dass mehr als zehn Billiarden Tonnen Diamanten in ihnen vorkommen.

"Das beweist, dass Diamanten nicht so exotisch sind, wie bisher angenommen, sondern ziemlich gewöhnlich - zumindest auf einer geologischen Skala", sagt Ulrich Faul vom Massachusetts Institute of Technology (MIT), der an der Studie mitgearbeitet hat. Die Forscher haben die Diamanten als Ursache vermutet, nachdem sie lange über Anomalien in seismischen Daten gerätselt hatten.

Seismische Empfänger auf der ganzen Welt zeichnen Wellen auf, die beispielsweise durch Erdbeben, Explosionen oder Tsunamis entstehen. Je nach Temperatur, Dichte und Zusammensetzung des Gesteins bewegen sich die seismischen Wellen unterschiedlich schnell. Dadurch können Forscher rekonstruieren, durch welches Gestein sie sich bewegt haben müssen und haben so eine ungefähre Vorstellung, wie der Erdmantel aussehen muss.

Forscher entschlüsseln Kuriosität

Eine Kuriosität konnten Forscher jedoch bislang nicht erklären: Wenn seismische Wellen durch Wurzeln von Kratonen führen, sind sie deutlich schneller. Die Kratone sind zwar häufig kälter und weniger dicht als der umgebende Mantel. Das allein konnte die schnelleren Wellen jedoch nicht erklären.

"An diesem Punkt haben wir angesetzt", sagt Faul. Die Forscher berechneten, welches Gestein die seismischen Wellen passieren müssten, um die Messergebnisse zu erklären. Sie fanden heraus, dass ein Anteil von ein bis zwei Prozent Diamanten genau ausreichen würde.

Abbauen kann man die wertvollen Minerale jedoch nicht. Mit bis zu 241 Kilometern liegen sie viel zu tief unter der Erdoberfläche, als dass ein Bohrer sie mit der heutigen Technik erreichen könnte.

koe

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