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10. April 2017, 17:16 Uhr

Gefahr auch für Deutschland

Gefährliche Tropenmücke breitet sich in Nordeuropa aus

Sie übertragen Gelbfieber, Zika und Dengue: Tropenmücken können zur echten Gefahr werden. Durch die milden Winter schaffen es immer mehr nach Deutschland. Für 2017 erwarten Experten eine Plage.

Die Asiatische Tigermücke Aedes albopictus gehört zu den hundert schlimmsten invasiven Arten. Einige der exotischen Insekten haben bereits Baden-Württemberg und Thüringen erreicht. Experten rechnen damit, dass sich die Mückenart noch weiter Richtung Nordeuropa ausbreiten wird.

Bisher verhindern niedrige Temperaturen während der Wintermonate in Nord- und Osteuropa meistens, dass sich die Tiere vermehren können, wie Wissenschaftler des Senckenberg Forschungsinstituts und der Goethe-Universität Frankfurt am Main berichten. Die Mücken, die beispielsweise mit Reisenden nach Nordeuropa gelangen, können Kälte zwar bis zu einem gewissen Grad aushalten. Liegen die Temperaturen aber unter einer kritischen Grenze, überleben ihre Eier nicht, so die Forscher.

Klimamodelle hätten nun jedoch gezeigt, dass sich diese Grenzen aufgrund steigender Temperaturen nach Norden verschieben werden, so die Forscher. In Südeuropa werde die Tigermücke dagegen aufgrund der zunehmenden Sommertrockenheit dann nicht mehr so häufig sein.

Doch nicht alle Mücken profitieren von steigenden Temperaturen: Die Asiatische Buschmücke Aedes (Hulecoeteomyia) japonicus ist an kühlere Bedingungen angepasst. Sie ist eine Verwandte der Tigermücke und bereits heimisch in Deutschland. Ihr Verbreitungsgebiet wird sich der Studie zufolge verkleinern. "Dieser Mücken-Art wird es bei uns zukünftig schlicht zu warm", sagte der Frankfurter Parasitologe Sven Klimpel.

Generell könnte 2017 jedoch ein günstiges Jahr für Mücken in Deutschland werden. Aufgrund guter Witterungsbedingungen sind bereits die ersten Insekten unterwegs - zwei bis drei Wochen früher als sonst. Bei feuchtem und warmem Wetter drohe eine regelrechte Plage, schätzt Biologin Doreen Walther, Mückenexpertin im Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg.

Südliche Bundesländer besonders betroffen

Die Expertin und ihr Team bestimmen und kartieren Mücken, die ihnen Bürger zuschicken. In diesem Jahr gab es bereits 300 Einsendungen. Eine Asiatische Tigermücke war bisher nicht dabei, im vergangenen Jahr wurden allerdings 25 Exemplare des exotischen Insektes eingeschickt. "Es bleibt abzuwarten, ob die in Baden-Württemberg und Thüringen entdeckten Populationen den teilweise doch sehr kalten Winter überstanden haben", so Walther.

Insgesamt sind in Deutschland nach ihren Angaben 28 Mückenfamilien heimisch, drei davon sind für Menschen echte Plagegeister: Stech- und Kriebelmücken sowie Gnitzen. "Blut saugen allerdings nur die Weibchen, weil sie das Protein für die Bildung ihrer Eier brauchen." Bei den Stechmücken sind laut Walther derzeit Exemplare unterwegs, die in Kellern überwintert haben.

Es gibt vor allem in den südlichen Bundesländern wie Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz aber auch schon seit März junge, gerade geschlüpfte Mücken, die die kalte Jahreszeit als Ei in Brutstätten wie Regentonnen oder Pfützen überstanden haben und die normalerweise erst Mitte April ausschwärmen.

Kriebelmücken

Demnächst könnten nach Untersuchungen der Müncheberger Wissenschaftlerin auch die an Flussläufen beheimateten Kriebelmücken etwas früher als sonst aktiv werden. "Larven sind beispielsweise in der Oder genügend vorhanden, so dass es zu einem massenhaften Auftreten kommen könnte, so lange es nicht plötzlich kühl und regnerisch wird", sagt sie.

Berüchtigt sind die eher Fliegen ähnelnden Kriebelmücken vor allem, weil sie bei Menschen unter die Kleidung kriechen und große, stark juckende Wunden hinterlassen, die schlecht heilen. Die Biologin hat in Mückenfallen auch schon Gnitzen entdeckt, die eigentlich erst ab Mai vor allem Kleingärtnern das Leben schwer machen.

koe/dpa/AFP

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