Embryo im Dino-Ei Mehr Terrorvogel als T-Rex

Mehr als 20 Jahre hielt man verblüffend große Dinosaurier-Eier aus China für Gelege eines Raubsauriers. Jetzt wurde klar: In den Eiern reiften gefiederte Giganten.

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Ein chinesisch-kanadisches Forscherteam stellt in der aktuellen Ausgabe von "Nature Communications" einen neu bestimmten Dinosaurier aus der Gruppe der Oviraptorosauria vor, der die größte bisher gefundene Art dieser Tiere repräsentieren dürfte. Die Artbestimmung basiert auf der Analyse eines in einem Ei gefundenen Embryos.

Das Gelege hatten Farmer bereits 1993 in Chinas Henan-Provinz gefunden. Allerdings wurden die ungewöhnlich großen, versteinerten Eier nach Nordamerika verkauft. 1996 berichtete "National Geographic" über die Funde, doch eine wissenschaftliche Analyse wurde durch die Eigentumsverhältnisse verhindert - der Embryo im Ei blieb ein zwar spektakuläres, aber nicht näher bestimmtes Fossil.

Erst 2013 wurde das Gelege an China zurückgegeben und im Rahmen einer internationalen Kooperation analysiert. Man kann sich die bis zu 45 Zentimeter messenden Eier nun im Geologischen Museum von Henan ansehen. Aber was ist darin verborgen? Lange hielt man die Eier für das Gelege eines Raubsauriers und ihre Größe deutete auf einen Giganten hin: Einen Räuber aus der Familie der Tyrannosaurier vielleicht?

Doppelt so schwer wie der bisher größte bekannte Oviraptor

Nun schauten Forscher den Dinosauriern mit modernen Methoden unter die versteinerten Schalen. Was die Forscher fanden: In einem Ei lag ein gut erhaltenes Skelett eines Dinosaurier-Embryos ganz besonderer Art - eines Tieres aus der Gruppe der Oviraptorosauria.

Louie heißt der nun einerseits, weil Personalisierung bei Presse und Öffentlichkeit zieht, und andererseits Beibeilong sinensis, weil das gefundene Gelege offenbar einer neuen, bisher nicht entdeckten Art der Oviraptorosauria angehört.

Und die hat Superlative zu bieten: Eigentlich gehören die Oviraptorosauria zu den eher kleinen bis mittelgroßen Vertretern der Raubsaurier. Sie waren gefiedert wie Vögel und auch ihr Kopf ähnelte eher Vögeln als Dinos: Statt über ein fürchterlich bezahntes Maul, verfügten sie über scharfschneidige Schnäbel.

Wer das für weniger bedrohlich hält als einen riesigen, echsenhaften Raubsaurier, stelle sich einen starkbeinigen Laufvogel mit mächtigen Krallen, einem Papageien-artigen Schnabel und drei Tonnen Gewicht vor: Auch mit so einem Tier will man sich unter keinen Umständen anlegen.

Die Körpermaße von Beibeilong sinensis ("Chinesischer Baby-Drache") sind besonders beeindruckend: Ein ausgewachsenes Fossil wurde bisher zwar nicht gefunden. Aus der Größe der Eier und Merkmalen des enthaltenen Embryos errechneten die Forscher aber eine mögliche Größe von bis zu acht Metern und ein Gewicht von drei Tonnen.

Wenn das stimmen sollte, wäre Beibeilong sinensis mehr als doppelt so schwer geworden wie der bisher als größter Oviraptor geltende Gigantoraptor erlianensis, der wenige Millionen Jahre nach Beibeilong lebte. Dessen Lebenszeit taxierten die Forscher auf ein Zeitfenster zwischen 100 und 89 Millionen Jahre vor unserer Zeit.

König der Eierdiebe

Der Name Oviraptor beruht übrigens auf einem Missverständnis: Oviraptor bedeutet so viel wie "Eierdieb". Verpasst bekamen die Dinosaurier den, weil eines der ersten Skelette inmitten teilweise zerbrochener Eier gefunden wurde. Lang hielt man sie darum für Räuber, die die Gelege anderer Saurier plünderten.

Inzwischen weiß man, dass sie brüteten - die Skelettfunde in der Nähe von Eiern bekamen eine neue Erklärung. Bonner Forscher entdeckten vor zwei Jahren sogar, welche Farbe ihre Gelege hatten. Die vogelähnlichen Oviraptoren gehören zu den sogenannten Maniraptoren - und das ist die Gruppe der Dinosaurier, aus denen auch die Vögel hervorgingen.

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