Fortbewegung pflanzenfressender Dinos Der einzigartige Gang der Sauropoden

Wie stapften die Dinosaurier über die Erde? Dieser Frage haben sich zwei Forscher aus Liverpool mit einer neuen Methode gewidmet. Und herausgefunden: Der Gang der großen Pflanzenfresser war energiesparend – und speziell.
Ein bekannter Vertreter der Gruppe der Sauropoden ist der Brachiosaurus: Er erreichte eine Körpergröße von mehr als zehn Metern

Ein bekannter Vertreter der Gruppe der Sauropoden ist der Brachiosaurus: Er erreichte eine Körpergröße von mehr als zehn Metern

Foto: Allvision / iStockphoto / Getty Images

Elefanten, die größten Landwirbeltiere, setzen die Vorder- und Hinterbeine einer Seite gleichzeitig in Bewegung, erst die Beine rechts, dann die Beine links, dann rechts, dann links. Diese schaukelnde Gangart, die auch bei Kamelen oder Giraffen zu beobachten ist, nennt man Passgang.

Weil auch viele pflanzenfressende Dinosaurier sehr groß wurden, hatte man bislang angenommen, dass sie sich ebenfalls im Passgang fortbewegten. Doch nun haben zwei Forscher aus Liverpool herausgefunden: Das stimmt vermutlich nicht. Die Sauropoden, die gewaltigen Pflanzenfresser der Urzeit, hatten wahrscheinlich einen ganz eigenen Gang – wie ihn heute kein Lebewesen auf der Erde mehr zeigt. Die Arbeit der Wissenschaftler ist in der Zeitschrift »Current Biology«  erschienen.

Das Timing der Fußtritte sei entscheidend

Die Wissenschaftler errechneten, dass es die großen pflanzenfressenden Dinosaurier der Sauropoden-Gruppe wegen ihrer enormen Größe sehr viel Energie gekostet hätte, wie ein Elefant im Passgang zu laufen, dabei aber nicht umzukippen. Zu den bekanntesten Vertretern dieser Gruppe zählen der Brontosaurus, der Diplodocus und der Brachiosaurus – riesige Tiere mit langem Hals, langem Schwanz und kleinem Kopf. Die Sauropoden waren die größten Landtiere, die jemals die Kontinente besiedelten.

Die Wissenschaftler untersuchten zudem versteinerte Abdrücke. Allerdings lässt sich allein anhand der fossilen Spuren der Dinosaurier kein vollständiges Bild ihres Ganges ermitteln, das hatten frühere Forschungen ergeben: Unterschiedliche Bewegungsmuster können zu denselben Abdrücken führen.

Die beiden Biologen von der John Moores University entwickelten eine neue Methode zur Untersuchung der Fährten. Bei dieser Methode sollte neben den Abdrücken auch die zeitliche Abfolge berücksichtigt werden, mit dem ein Tier seine Gliedmaßen fortbewegte. Sie analysierten die Fährten von drei Sauropoden aus einer Unterkreide-Formation in Arkansas in den USA. Dafür maßen sie den Abstand zwischen den Fußabdrücken und hielten fest, ob die Spuren von einem Vorder- oder einem Hinterfuß stammten, von der linken oder der rechten Seite. Dann schätzten sie, wie die sogenannten Phasen der Gliedmaßen – das Timing der Fußtritte – zu den gemessenen Spuren passten. Und konnten so eine spezifische Sauropoden-Gangart ermitteln. Im folgenden Video ist sie zu sehen.

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Um die Güte ihres Ansatzes zu prüfen, testeten die Forscher ihre Methode mit den Gangarten verschiedener Tiere, die aktuell auf der Erde leben – wie den Elefanten. Die Berechnungen passten.

Für die Sauropoden bedeutet das: Womöglich bewegten sich die pflanzenfressenden Saurier mit einer speziellen Art des Diagonalgangs fort. Die Tritte der diagonalen Gliedmaßenpaare – etwa der rechten Hinterbeine und der linken Vordergliedmaßen – waren zeitlich enger miteinander verbunden als die Tritte auf der gleichen Körperseite. »Eine solche Gangwahl ermöglicht effizientes Gehen bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der diagonalen Gliedmaßenunterstützung während des gesamten Schrittzyklus«, heißt es in der Untersuchung. Das sei für ein »riesiges, breitschultriges« Tier wichtig. Die Sauropoden wankten also nicht.

vki