Dinosauriersterben Lavastrom riss Urzeitriesen in den Tod

Der Forscherstreit um die Ursache für das Aussterben der Dinosaurier tobt weiter: Italienische und indische Geologen präsentieren nun eine Studie, der zufolge Vulkanismus der entscheidende Auslöser für das Sauriersterben vor 65 Millionen Jahren gewesen sein soll.

Tief aus dem Innern der Erde steigt die Blase geschmolzenen Gesteins herauf. Bis sie schließlich hervorbricht: Zischend und dampfend kriecht ein zwei Kilometer dicker Lavastrom mit 1200 Grad aus dem Boden. Innerhalb eines erdgeschichtlichen Augenblicks werden Tonnen von Schwefelgasen in die Atmosphäre geblasen, die die Luft verpesten und fast alles Leben vernichten: 90 Prozent der Meeresbewohner sterben aus, alle Landtiere über 25 Kilogramm verschwinden vom Erdboden.

Anne-Lise Chenet vom Pariser Institut für Erdphysik ist von diesem düsteren Szenario vor 65 Millionen Jahren überzeugt. Denn sie und ihre Kollegen halten den Vulkanismus für den entscheidenden Auslöser des Saurier-Massensterbens - die Meteoriten-Theorie lehnen sie ab. Demnach verursachte der Einschlag eines bis zu 15 Kilometer großen Asteroids auf der Halbinsel Yukatan im heutigen Golf von Mexiko den Untergang der Riesenechsen.

Dabei bestreiten die Forscher nicht den Einschlag selbst. Chenet hat ihn in ihre Vulkanismus-Theorie eingearbeitet: "Bei Analysen in Indien hat man die Überreste des Asteroiden-Einschlags eingeschlossen zwischen Lava-Schichten gefunden", erklärte Chenet auf der Tagung "Earth System Processes 2" im kanadischen Calgary. Das lege nahe, dass der Vulkanismus schon vor dem Meteoriteneinschlag eingesetzt hätte.

Die bizarren Felsformationen der Dekkan-Hochebene in Indien sollen der Schauplatz des urzeitlichen Armageddons gewesen sein. Das aufgetürmte Basaltgestein gehört zweifelsohne zu den größten Lavaströmen der Welt. Doch hatten sie auch das Potential, eine globale Klima-Katastrophe auszulösen?

Den Geochemikern Greg Ravizza und Bernhard Peucker-Ehrenbrink war es vor zwei Jahren erstmals gelungen, den genauen Zeitpunkt der Eruption in der Hochebene zu bestimmen. Dabei interessierte die Wissenschaftler vor allem, mit welcher Geschwindigkeit der feurige Strom weite Teile des indischen Subkontinents unter Lava-Massen begraben hatte. "Unsere Arbeitshypothese ist, dass der größte Teil des Lavastroms in einem Bruchteil von Jahrtausenden ausgestoßen wurde", sagte Chenet. In den Maßstäben der Erdgeschichte nicht mehr als ein Augenblick.

Lava-Archiv der Erdgeschichte

Denn nur so hätte die Eruption genug schwefeliges Gas auf einmal freisetzen können, das dann den Klimaschock verursachte. Um ihre Hypothese zu testen, kombinierten die Forscher bekannte radiometrische Messdaten mit Untersuchungen der Magnetfeld-Informationen, die im Basaltgestein der Hochebene eingeschlossen sind.

Vulkanisches Gestein speichert Informationen über das Magnetfeld der Erde in seinen Mineralien. Im zähflüssigen Lavastrom richten sie sich nach dem Magnetfeld der Erde aus, wie Millionen kleiner Kompasse. Wenn die Lava schließlich erkaltet und erstarrt, bleiben die Kompasse stehen. Ein erdmagnetisches Archiv.

Das Forscherteam berücksichtigte auch Informationen über die chemische Zusammensetzung der Lava. Sie schlossen auf die Flussrichtung des Stroms und analysierten die verwitterten roten Böden, die sich zwischen den Lava-Schichten gesammelt hatten, um den Zeitpunkt und die Zahl der Eruptionen abzuschätzen.

Alle Informationen wiesen nun darauf hin, dass etwa 600 Meter Lava innerhalb von weniger als 30.000 Jahren ausgestoßen worden seien. Damit wäre genug Schwefelgas in die Atmosphäre geblasen worden, um eine nachhaltige Klimaänderung zu bewirken, erklärte Chenet. Die Forscher arbeiten nun daran, die genaue Menge des Gases zu berechnen.

Im Streit um die bessere Theorie wähnen Chenet und ihre Kollegen auch die Statistik auf ihrer Seite. Tatsächlich seien die meisten Massenaussterben in den vergangenen 300 Millionen Jahren mit großen vulkanischen Aktivitäten zusammengefallen, sagt Chenet. Die generelle Regel sei, dass massiver Vulkanismus wie der in der Dekan-Hochebene mit allen großen Massenaussterben der Erdgeschichte übereinstimmen.

"In nur einem Fall gibt es sowohl Beweise für Vulkanismus als auch für einen Meteoriteneinschlag", sagt die Geologin: beim Aussterben der Dinosaurier. Deshalb leugnet das französische Forscherteam auch nicht, dass der Asteroid vor etwa 65 Millionen Jahren auf Yukatan eingeschlagen sein könnte - seine Bedeutung jedoch schon. "Der Meteoriteneinschlag hat höchstens etwas beschleunigt, was sowieso passiert wäre."

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.