Fisch-Erbgut Forscher entziffern Karpfen-Genom

Forscher haben das Genom des Karpfens entziffert. Das Ziel: Ihre Ergebnisse sollen helfen, aus den Fischen das ideale Mastvieh für die Aquakultur zu züchten.

NPG/ Nature Genetics

Der Karpfen ist beliebt. Vor allem auf dem Teller - über 20 Millionen Tonnen Karpfen werden jährlich für den Verzehr gezüchtet. Forscher haben jetzt sein Genom entschlüsselt und wollen ihr Wissen in die Zucht stecken. Ihre Ergebnisse sollen helfen, wertvolle Merkmale genetisch zu verbessern, schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin "Nature Genetics".

Die Meere werden leer gefischt, viele beliebte Fischarten stehen nicht nur auf den Speisekarten der Restaurants, sondern auch auf den Listen der bedrohten Arten. Aquakulturen helfen bereits dabei, wilde Fischbestände zu entlasten. Schon heute kommt jeder dritte Fisch auf dem Teller aus Aquakulturen. Bis zum Jahr 2024 steigt nach Aussage der Vereinten Nationen der Anteil auf 60 Prozent - mehr als 100 Millionen Tonnen.

Zu den beliebten Speisezuchtfischen zählen Zander, Welse wie der Pangasius und - der Karpfen. In Deutschland ist er nach dem Pangasius und der Forelle der drittbeliebteste Süßwasserfisch. Weltweit sind 40 Prozent der in Aquakulturen gezüchteten Fische Karpfen, in der Süßwasserzucht sind es sogar 70 Prozent.

Das Schwein aus dem Tümpel

Der Karpfen ist prädestiniert für die Aquakultur: Er ist ein genügsamens Tier, frisst alles, was ihm beim Wühlen auf dem Seegrund so ins Maul gerät: Pflanzen, Würmer, Schnecken. Trotz seiner Größe ist er nicht so gefräßig wie Lachse oder Garnelen.

Das Forscherteam um Xiaowen Sun von der Chinese Academy of Fishery Sciences im chinesischen Beijing entschlüsselte jetzt das Genom des Gemeinen Karpfens Cyprinus carpio. Es besteht aus 52.610 Genen, damit hat der Karpfen mehr als doppelt so viele Gene wie der Mensch. Viele der Gene sind für die Pigmentierung und das Schuppenwachstum zuständig. "Mit der Entzifferung des Genoms haben wir die notwendige Grundlage an der Hand, um für die Zucht wertvolle Merkmale zu verbessern", schreiben die Forscher.

Die opulente genetische Ausstattung des Karpfens ermöglichte es ihm, zahlreiche Arten auszubilden und viele ökologische Nischen zu besiedeln. Seit mehr als 2000 Jahren ist die Art domestiziert.

Wer ihn nicht essen mag, kann ihn sich auch nur anschauen - zumindest eine Karpfenart ist dafür optisch entsprechend ausgestattet: Der Koi-Karpfen schwimmt weltweit in Aquarien von Zahnarztpraxen und Gartenteichen.

khü



insgesamt 13 Beiträge
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DanielDüsentrieb 22.09.2014
1. kleine Fehler
es haben sich ein paar kleine Fehler eingeschlichen. Der Zander ist zwar ein beliebter Speisefisch - jedoch stammen fast alle Zander aus Wildfang. Nachdem es in Mitteleuropa kaum noch welche gibt, werden sie z.Z. meist im Baltikum und Rußland gefangen. Die Produktion von Zander in der Aquakultur ist noch ganz am Anfang. Es ist ein Raubfisch der nicht ganz einfach zu vermehren ist und daher ist die Versorgung mit Satzfischen für eine kontinuierliche Produktion in der Aquakultur noch nicht ausreichend. Bei den Karpfen muß man natürlich berücksichtigen, daß es viele verschiedenen Arten gibt, die unter diesem Begriff zusammen gefasst werden. Dies sind z.B. Big Head Carp, Gras-, Silber- und Marmorkarpfen etc. die mit unserem "gemeinem" Karpfen nicht identisch sind. Unser Karpfen Cyprinus carpio liegt in der FAO Statistik nur auf Platz 5 - gleichauf mit Tilapia, die hier im Artikel gar nicht erwähnt werden, weltweit aber eine ganz wichtige Rolle in der Aquakultur von Süßwasserfischen spielen. Jedenfalls bezieht sich die veröffentlichte Sequenzierung des Genoms nur auf den "gemeinen Karpfen" Cyprinus Carpio. Fraglich ist auch, ob die Merkmale unseres Karpfens wirklich verbessert werden können. Durch die Zucht der Möche über hunderte von Jahren, hat der Karpfen schon lange ein Selektionsplateau erreicht, wo durch klassische Tierzucht kaum noch Fortschritte erreichbar sind. Insbesondere die Zwischenmuskelgräten des Karpfens verleiden vielen Fischessern den Genuss. Doch diese weg zu züchten, daran ist schon Meske et. al. gescheitert. Schon der deutsche Begriff "Edelfisch" - zu dem der Karpfen nicht zählt - zeigt, daß die Verbraucher heute grätenarme Fische wie Forelle, Welse und Tilapia bevorzugen. Es bleibt abzuwarten, ob die Sequenzierung des Karpfens wirklich eine Verbesserung des Endproduktes bewirkt.
mr.ochmonek 22.09.2014
2. Vielen Dank
DanielDüsentrieb, vielen Dank für den interessanten Kommentar! Schade das sowas von einem user ergänzt werden muss, aber super das es solcher user gibt!
hausi_gdr 22.09.2014
3. Nichts hat der Mensch begriffen...
das ideale Mastvieh zu züchten. Optimiert mal weiter und spielt den lieben Gott, dann gehts bergauf mit dem Menschen.
DanielDüsentrieb 22.09.2014
4. wer satt ist hat gut kritisieren
konventionelle Tierzucht hat mit Gott spielen nichts gemein. Schon mal was von den 4 apokalyptischen Reitern gehört? Hungersnöte kamen so regelmäßig vor, daß sie neben Krieg, Pest und Tod am meisten gefürchtet waren. Nur die Tier- und Pflanzenzucht hat es ermöglicht, daß aus Gräsern leistungsstarke Getreide wurden und das Wildtiere nicht mehr geschossen werden müssen. Es ist also durchaus angebracht die Errungenschaften der Landwirtschaft einmal zu würdigen. Für den Mensch der westlichen Welt ist es eine selbstverständlichkeit gut ernährt zu sein - dies war aber nicht immer so. Um 1900 gab der Mensch ca. 60% seines Einkommens für die Ernährung aus - heute sind es nur noch ca. 15%. Dies verdanken Sie nicht der Fa. Apple oder Google, sondern der Landwirtschaft. Allerdings - und da gebe ich ihnen recht - ist es fraglich, ob wir Gentechnik brauchen um die Leistung weiter zu steigern. Konventionelle Tierzucht hat mit Gentechnik nichts zu tun - dies wird immer wieder verwechselt. Wenn wir irgendwann mal einen Landwirtschaftsminister/ministerin haben, die von der Materie auch was verstehen, dann wäre es vielleicht möglich Rahmenbedingungen zu schaffen, die den Einsatz der Gentechnik klar regeln.
Celegorm 22.09.2014
5.
Muss eigentlich selbst in Artikeln, die mit mariner Fischerei nichts zu tun haben, immer die absurde Phrase angefügt werden, dass "die Meere leer gefischt" würden/wären? Das wird auch durch die tausendste Wiederholung weder richtig noch sinnvoller. Mit dem Ergebnis, dass mittlerweile wohl die ganze Bevölkerung von diesem Mythos überzeugt ist, entsprechend schwierig fällt eine vernünftige, differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema Fischerei.
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