Nach Maulkorb für US-Behörden Twitter-Revolte gegen Trump

Nach kritischen Tweets zu Donald Trump sind mehrere Twitter-Konten von US-Behörden verstummt. Nun entstehen inoffizielle Accounts - und posten ununterbrochen wissenschaftliche Fakten.
Donald Trump vor dem Weißen Haus

Donald Trump vor dem Weißen Haus

Foto: Pablo Martinez Monsivais/ AP

Es hat sich etwas hochgeschaukelt in der Fehde zwischen der Trump-Regierung und den Nationalparks und Wissenschaftlern des Landes. Zunächst hatte ein Nationalpark-Account auf Twitter die Menschenmengen bei Donald Trumps Amtseinführung mit denen von Barack Obama verglichen. Dann hatte ein anderer Park Fakten zum Klimawandel getwittert - die kurz darauf wieder gelöscht wurden.

Nun rufen zahlreiche inoffizielle Accounts zum digitalen Widerstand gegen den neuen US-Präsidenten auf. Den Anfang machte AltUSNatParkService - eine Abkürzung für "Ersatz-US-National-Park-Service".

Die Organisatoren dahinter schrieben: "Diesen Account sollte es nicht geben müssen, und wir entschuldigen uns für alle Probleme, die wir Kollegen bereiten. Aber wir haben nicht angefangen. #resist"

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Schnell entstanden weitere "Ersatz-Accounts", etwa für die US-Weltraumbehörde Nasa, die Wetterbehörde NOAA oder die Umweltschutzbehörde EPA. Eine Übersicht  zeigt bereits mehr als 40 Protest-Accounts. Ob dahinter tatsächlich Mitarbeiter dieser Behörden stecken, lässt sich nicht verifizieren. Die Nutzer verraten ihre Identität nicht.

Alle Accounts werben für mehr Natur- und Klimaschutz - und fürchten, dass die neue US-Regierung in diesen Punkten Regulierungen zurückdrehen und Verträge aufkündigen könnte. Die Tweets sind eine Mischung aus reinen Fakten und Meinungsäußerungen. So forderte der Account "U.S. Science Service", eine Mauer um Florida zu bauen:

"Ehrlich, wenn wir schon Mauern bauen, Florida könnte gut eine entlang der gesamten Küste gebrauchen", heißt es dort mit dem Verweis, dass der Klimawandel real sei.

Wie sieht Wissenschaft unter Trump aus?

Der digitale Aufstand ist eine Folge der Diskussion darüber, inwieweit die neue Trump-Regierung die wissenschaftliche Freiheit von Forschern in staatlichen Einrichtungen beschneiden will:

  • Die Mitarbeiter der Umweltbehörde EPA dürfen laut internen E-Mails keine Informationen mehr in sozialen Medien verbreiten  und nicht mit Reportern sprechen. Doug Ericksen, Chef des EPA-Übergangsteams, kündigte zudem im Radiosender NPR an , dass Wissenschaftler ihre Ergebnisse vor einer Veröffentlichung einer internen Überprüfung unterziehen lassen müssen. "Wir werden uns das anschauen, sodass die Stimme der EPA die neue Regierung widerspiegelt", sagte Ericksen. Ob diese Vorschrift dauerhaft gelten soll, sagte Ericksen nicht.
  • Zudem sollen Teile der Website der EPA offenbar gelöscht werden; vor allem jene mit Ergebnissen zum Klimawandel.
  • Auch die Mitarbeiter des US-Landwirtschaftsministeriums sollen nichts mehr in sozialen Medien posten.
  • Die Accounts der Nationalparks waren ebenfalls kurzzeitig offline, nachdem ein Account Fotos von Barack Obamas und Donald Trumps Amtseinführung verglichen hatte.
  • Aus Furcht vor Angriffen auf ihre Institutionen hatten bereits im Dezember Klimaforscher damit begonnen, wissenschaftliche Daten auf externen Servern zu sichern, auf die staatliche Behörden keinen Zugriff haben.

In der Zeit der Amtsübergabe an Donald Trump und sein Team ist noch unklar, inwieweit der neue Präsident die Wissenschaftler mehr einschränken will als seine Vorgänger. Behörden üben zumeist erst einmal Zurückhaltung in ihrer Kommunikation. "Das ist das, was bei jedem Regierungswechsel passiert", sagte der Sprecher des Landwirtschaftsministeriums laut "Scientific American". "Es ist nur eine Pause."

Auch andere Präsidenten in der Kritik

Auch andere Regierungen haben schon Einfluss auf die Wissenschaftler in ihren Behörden genommen. So hatte die Regierung von George Bush im Jahr 2003 versucht, Passagen in einem EPA-Bericht zum Klimawandel streichen zu lassen. Und auch unter Obama gab es Kritik, die Presse habe keinen ausreichenden Zugang zu EPA-Wissenschaftlern.

Doch Michael Halpern vom Verband besorgter Wissenschaftler sagte laut "Scientific American" , es handle sich um eine neue Qualität. "Andere Regierungen haben vorgegeben, wie die Politik kommuniziert wird - aber nie die Wissenschaft." Die Politik dürfe sich bei wissenschaftlichen Ergebnissen nicht einmischen - egal ob in wissenschaftlichen Fachmagazinen oder anderen Kommunikationskanälen.

sep
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