Umweltpolitik Trump will Klimaseite der Umweltbehörde schließen

Der neue US-Präsident macht Ernst mit seiner konservativen Umweltschutzpolitik. Offenbar will Trump Internetseiten des Umweltamtes schließen. Und ein Nationalpark hat getwitterte Klimainformationen wieder gelöscht.
Klimawandel? Gibt's doch gar nicht, sagt Trump

Klimawandel? Gibt's doch gar nicht, sagt Trump

Foto: SAUL LOEB/ AFP

Es ist gar nicht lange her, da hatten Klimaforscher in Nordamerika Angst davor, dass der neue Präsident Donald Trump ihnen ihre Daten wegnimmt. Deshalb hatten sie angefangen, die riesigen Datensätze, mit denen die Klimaforschung arbeitet, auf andere Server zu kopieren. "Was uns bislang paranoid vorgekommen wäre, erscheint nun realistisch", sagte ein Klimaforscher im Dezember.

Zwar ist Trump als Gegner der anerkannten Theorie vom anthropogenen Klimawandel bekannt. Aber dass er bestehendes Wissen so massiv angreift oder gar den Informationsfluss in diesem Bereich versucht einzuschränken, konnte man zumindest mit einer optimistischen Haltung nicht unbedingt erwarten.

Doch die Optimisten haben sich getäuscht. Denn Trump plant offenbar, die Webseiten zum Klimawandel der US-Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) oder zumindest Teile davon zu schließen. Das haben zwei Mitarbeiter der Einrichtung der Nachrichtenagentur Reuters mitgeteilt. Sie wollen namentlich nicht genannt werden, da es ihnen verboten sei, mit Vertretern der Presse zu reden, meldete die Agentur.

Informationsfluss eindämmen

Laut der Reuters-Quelle soll die Trump-Administration die Kommunikationsabteilung der EPA am Dienstag angewiesen haben, die Unterseiten mit Informationen zum Klimawandel zu schließen. Sie enthalten Links zu wissenschaftlichen Arbeiten über die globale Erwärmung sowie detaillierte Daten zu Emissionen. Den Informanten zufolge könnten die Seiten bereits am Mittwoch (Ortszeit) vom Netz genommen werden.

Klima-Seite der US-Umweltschutzbehörde EPA

Klima-Seite der US-Umweltschutzbehörde EPA

"Dann würde die Arbeit von Jahren über den Klimawandel einfach verschwinden", werden die EPA-Mitarbeiter zitiert. Auf Reuters-Anfrage hat sich das Weiße Haus bisher nicht zu der Sache geäußert.

Derzeit wird die EPA von einem Transition-Team unter der Leitung von Myron Ebell gesteuert, der den Umbau der Behörde vorantreiben soll - ein normaler Vorgang nach einem Amtswechsel im Weißen Haus. So liegen derzeit Verträge und Zuschüsse für die Behörde auf Eis. Ebell ist ebenfalls als Klimawandel-Skeptiker bekannt. Doch selbst der von der Trump-Administration eingesetzte Übergangschef sagte in der "Washington Post",  dass die Maßnahmen diesmal weiter reichen würden als in vergleichbaren Fällen. Er vermute, das einige Seiten zwar geschlossen werden, aber die Informationen nicht verloren gehen würden.

Zukünftig wird die Behörde von Scott Pruitt geleitet. Ihm wird große Nähe zur Kohle- und Ölindustrie nachgesagt, und er gilt als Gegner von alternativer Energiegewinnung. Zudem hatte der Jurist die Behörde einst sogar verklagt.

Protest unter #Badasslands

Die Schließung von Internetseiten könnte Teil einer Strategie sein, mit der die Trump-Administration den Informationsfluss von verschiedenen Behörden eindämmen will, die mit Umweltschutzthemen befasst sind. So soll letztlich die Politik seines Vorgängers Barack Obama in Sachen Klimaschutz in Vergessenheit geraten. Denn auch die Verbreitung von Pressemitteilungen oder Informationen über soziale Netzwerke ist der EPA bis auf Weiteres untersagt.

Doch daran halten sich nicht alle. Der Badlands-Nationalpark im Südwesten von South Dakota setzte plötzlich Tweets mit Klimafakten ab  - offenbar aus Protest gegen Trump. Der Park ist dem National Park Service unterstellt, einer Bundesbehörde, die über 50 Nationalparks verwaltet und die zum Innenministerium der Vereinigten Staaten gehört.

In einem Twitter-Feed hieß es ursprünglich: "Heute ist der Kohlendioxidanteil in der Atmosphäre so hoch wie nie zuvor in den letzten 650.000 Jahren." Am Dienstag ist der Beitrag dann zusammen mit einigen anderen gelöscht worden.

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Einige Twitter-Nutzer hatten die Tweets aber kopiert und sie weiterverbreitet. Unter dem Hashtag #Badasslands waren die Nachrichten schnell auf Twitter geteilt worden, wodurch sich der Park große Aufmerksamkeit sicherte.

Nach einem Bericht der "Washington Post"  sollen die Tweets von einem ehemaligen Mitarbeiter stammen, der immer noch Zugang zu dem Twitter-Account des Parks hatte. Inzwischen setzt der Park aber wieder Bilder von Tieren und Landschaftsaufnahmen ab und hat sich für die Klima-Tweets entschuldigt.

Immerhin: Gegen Ende der Woche soll das Kommunikationsverbot für die EPA-Mitarbeiter wider aufgehoben werden, sagte Doug Ericksen aus Trumps Transition-Team.

joe/Reuters/AP
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