Drama im Eismeer Australier wollen gefangene Walschützer befreien

Im eisigen Südpolarmeer vor der Küste der Antarktis spielt sich ein Drama ab: Radikale Walschützer bedrängen seit Tagen Japans Fangflotte - nun wurden zwei von ihnen an Bord eines Harpunenschiffes festgesetzt. Die australische Regierung hat ein Schiff zu ihrer Befreiung geschickt.


"Wir sind keine Protestorganisation", sagte der Kapitän der "Steve Irwin" in einem Gespräch mit dem Fernsehsender CNN, "wir intervenieren gegen illegale Aktivitäten". Er ist der Präsident von Sea Shepherd, einer radikalen Walschützer-Organisation. Die japanische Fischereibehörde sieht die Dinge anders. Die Aktivisten von Sea Shepherd verhielten sich "terroristisch".

Den gleichen Vorwurf erheben die radikalen Walschützer nun ihrerseits: Man sei zum Opfer eines "terroristischen Aktes" geworden, sagte der "Steve Irwin"-Kapitän Paul Watson. Denn er hat zwei Crewmitglieder an die Walfänger verloren - vorläufig. Inzwischen ist aus dem Ringen um den Walfang im Eismeer ein internationaler Zwischenfall zwischen Japan und Australien geworden.

An einen GPS-Mast gefesselt

Watsons Vorwurf: Zwei seiner Crewmitglieder, die am 15. Januar in einer überraschenden Aktion von einem Schlauchboot aus an Bord des japanischen Fangschiffes "Yushin Maru 2" geklettert waren, werden - sagt Watson - nun an Bord des Schiffes festgehalten. Das japanische Institute of Cetacean Research, unter dessen Ägide der japanische Walfang abläuft, stellte die Ereignisse erwartungsgemäß anders dar: Die beiden Männer seien "human behandelt und mit warmen Mahlzeiten versorgt" worden. Sie hätten sogar ein "schönes warmes Bad" bekommen und "auf bequemen Betten mit weißen, sauberen Laken gut geschlafen". Gewalt sei ihnen nicht angetan worden.

Auf einem Video, das die Mannschaft des Sea-Shepherd-Schiffes aufgenommen hat, sieht man allerdings, wie die beiden Aktivisten, der Australier Benjamin Potts, 28, und der Brite Giles Lane, 35, an Bord der "Yushin Maru 2" zunächst mit Seilen an einer Reling an Deck festgebunden wurden. Ein Sprecher des japanischen Außenministeriums sagte CNN, die Männer seien aber nur "10 oder 15 Minuten" gefesselt gewesen. Watson sagte, die beiden hätten nur einen Brief der australischen Regierung übergeben wollen, in dem ein Fangstopp gefordert werde. Die Japaner veröffentlichten daraufhin Fotos von zerbrochenen Flaschen, die von den Aktivisten an Bord der "Yushin Maru 2" geworfen worden seien und Säure enthalten hätten. Sea Shepherd ließ daraufhin mitteilen, es habe sich lediglich um Stinkbomben gehandelt.

Freilassung "ohne jegliche Vorbedingung" gefordert

Inzwischen beschäftigt der Zwischenfall auf See auch hohe Regierungsvertreter. Die australische Regierung, die traditionell extrem kritisch mit den japanischen Walfang-Ambitionen umgeht, hat sich eingeschaltet - nicht zuletzt deshalb, weil einer der beiden Aktivisten an Bord der "Yushin Maru 2" Australier ist. Japan sieht seine Walfang-Aktivitäten durch eine Klausel im internationalen Moratoriumsvertrag gedeckt, der Walfang zu "wissenschaftlichen Zwecken" gestattet. Mit dieser Begründung jagen die Japaner Jahr für Jahr Wale, in dieser Saison sollten es etwa 1000 werden. Kritiker, auch die australische Regierung, halten das für kommerziellen Walfang unter einem dünnen Deckmäntelchen.

Australiens Außenminister hat sich persönlich eingeschaltet, Premierminister Kevin Rudd drängte heute beide Seiten, "die sichere Rückkehr dieser beiden Personen sicherzustellen". Die Mannschaft eines Zollschiffes namens "Oceanic Viking" ist angewiesen worden, zu vermitteln. Außenminister Stephen Smith steht in ständigem Kontakt mit der japanischen Regierung, um eine sofortige Übergabe der beiden Männer zu organisieren. Die "Ocean Viking" war bereits zuvor abgestellt gewesen, um die japanische Fangflotte zu beobachten, um Fotos und Videos von den Aktivitäten zu machen. Rudds kürzlich gewählte Regierung will demonstrieren, dass sie Ernst macht mit dem Widerstand gegen den Walfang.

Rabiate Methoden der radikalen Tierschützer

Unterdessen fahren die Walfänger und der Kapitän der "Steve Irwin" munter fort, einander zu beschimpfen. Watson sagte, seine Männer seien "gekidnappt" worden, die Japaner hätten gefordert, Sea Shepherd solle alle Störungs-Aktivitäten sofort einstellen, sonst würden die Männer mit nach Japan genommen und dort wegen Piraterie vor Gericht gestellt. Die stellvertretende Premierministerin Australiens Julia Gillard hatte daraufhin gesagt, die Freisetzung der Aktivisten müsse "ohne jegliche Vorbedingung" vonstatten gehen.

Das Institute of Cetacean Research veröffentlichte daraufhin auf seiner Webseite einen Brief, der angeblich an die "Steve Irwin" gefaxt worden sei. Darin werden für die Übergabe zwar Bedingungen aufgestellt - etwa, dass der Hubschrauber von Sea Shepherd dabei nicht in der Luft sein dürfe und dass die "Steve Irwin" zehn Seemeilen Abstand halten müsse, bis die Übergabe vorüber sei. Die Übergabe müsse so vonstatten gehen, wie die Männer auch an Bord gekommen seien: mit einem kleinen Schlauchboot. Watson lehnte dies als zu gefährlich ab. Dass die Organisation sich zurückzieht, wird in dem veröffentlichten Schreiben nicht gefordert.

Die Japaner wiederum geben an, man habe mehrere Male versucht, mit Sea Shepherd telefonisch Kontakt aufzunehmen, während Watson erklärte, es habe keinerlei Anrufe der Walfänger gegeben. In einem Gespräch mit CNN sagte Watson, man habe Angst um die eigenen Leute, weil die Fangschiffe "bewaffnete Beamte der Küstenwache" an Bord hätten. Die australische Marine solle deshalb "hier unten sein, um für Ordnung zu sorgen", so der Aktivist.

Gefragt, ob die eigene Handlungsweise denn erfolgreich sei, antwortete Watson: "Sicher ist sie erfolgreich. Die haben seit sieben Tagen keine Wale mehr gefangen." Watson hält die Walfänger für "Wilderer", die ihm ihrerseits vorwerfen, seine Mannschaft verhalte sich wie "Piraten". Dass die Japaner eine gewisse Sorge im Umgang mit Watson haben, ist, wie auch immer man die Umstände bewertet, verständlich: Im Februar 2007 hat Watson mit einem Schiff schon einmal einen Walfänger auf hoher See gerammt - er beschädigte damals allerdings vor allem sein eigenes Schiff.

cis/AP



insgesamt 79 Beiträge
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a2d2 17.01.2008
1. ...endlich japanische Waren boykottieren
...das war diesmal mit dem Anketten an der Aussenwand ein "kriegerischer Akt", tierisch wie die Walfresser nun mal sind. Uns reichts nun auch, damals haben wir noch für Kobe dick gespendet, heute spielen die kleinen Jappis verrückt - jetzt reichts... Wir fahren seit 15 jahren Toyota, damit ist dies Jahr Schluß - es wird wieder VW gekauft. Und von den Aussies hoffen wir, daß sie Fregatten auf die Fänger hetzen und im Ernstfall versenken - vielleicht kommt dann ja Moby Dick zurück und holt sich seine Rache persönlich ab...die kleinen Sushi-Fresser sollen ja vorzüglich munden... konnichiwa --- guten Tag
Seemann, 17.01.2008
2. Piraterie
Hallo, bei allem guten Willen der Walschützer , ich bin auch gegen jeglichen Walfang , aber das Entern eines Schiffes kann als Piraterie bezeichnet werden , daß Schiff ist japanisches Hoheitsgebiet .
Der Pragmatist 17.01.2008
3. Piraten auf der Nordsee
Zitat von sysopIm eisigen Südpolarmeer vor der Küste der Antarktis spielt sich ein Drama ab: Radikale Wahlschützer bedrängen seit Tagen Japans Fangflotte - nun wurden zwei von ihnen an Bord eines Harpunenschiffes festgesetzt. Die australische Regierung hat ein Schiff zu ihrer Befreiung geschickt. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,529292,00.html
Ws fuer eine "Befreiung" ist das denn? Wenn Piraten ein Schiff angreifen und kapern, dann hat doch die Besatzung nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, diese Piraten festzusetzten. Was ist der naechste Schritt von Greenpeace? Piraten kapern einen Fischkutter in der Nordsee, weil sie mit dem Fang von Heringen nicht einverstanden sind?
toytuu, 17.01.2008
4. Gut gemacht!
Rechtlich bedenklich Moralisch richtig. Das Schiff gehört den Japanern. Das Entern wird ein rechtliches Nachspiel haben. Seis drum. Die Wale gehören der Menschheit. Gegen Diebe muss man sich verteidigen. Der Zweck heiligt die Mittel. Weiter so Greenpeace. Ich werde mal wieder etwas spenden.
dbalzert, 17.01.2008
5. Die tollen Aussie....das ich nicht lache
Zitat von a2d2...das war diesmal mit dem Anketten an der Aussenwand ein "kriegerischer Akt", tierisch wie die Walfresser nun mal sind. Uns reichts nun auch, damals haben wir noch für Kobe dick gespendet, heute spielen die kleinen Jappis verrückt - jetzt reichts... Wir fahren seit 15 jahren Toyota, damit ist dies Jahr Schluß - es wird wieder VW gekauft. Und von den Aussies hoffen wir, daß sie Fregatten auf die Fänger hetzen und im Ernstfall versenken - vielleicht kommt dann ja Moby Dick zurück und holt sich seine Rache persönlich ab...die kleinen Sushi-Fresser sollen ja vorzüglich munden... konnichiwa --- guten Tag
So,so... Mal ganz abgesehen von den recht beleidigenden Bezeichnungen fuer Japaner, haben Sie ja dann sicher auch nix dagegen, wenn man Ihnen ein paar Stickbomben in Ihren dann neuen VW wirft...Nur weil ich VW nicht mag. Moralisch vielleicht korrkt, aber rechtlich dennoch strafbar. Aber ganz abgesehen davon, sollten die Aussies mal schoen die Klappe halten, wenn es zum Thema Umweltschutz kommt - auch Walschutz steht nicht so ganz oben auf der Liste. Wer Millionen von qkm an Feuchtbiotopen in den letzten Jahren zerstoert hat, nur um Zuckerrohrplantagen anzubauen, wer das Great Barrier Reef voellig ueberfischt, keine Sperrzonen fuer Gefahrguttransporter dort einrichtet, wer Raubbergbau ohne Ruecksicht auf Umwelt, historische Staetten und Ureinwohner (auch wenn erst Ende der 60er als Menschen anerkannt) betreibt, wer trotz Platz und Moeglichkeiten kaum in erneuerbare Energien investiert, sondern aus rein witschaftlichen Gruenden Kohle verbrennt, wer sich fast 10 Jahre geweigert hat Kyoto nicht zu unterschreiben, wer die Abwaesser einer Millionen Metropole wie Sydney immer noch ungefiltert ins Meer leitet und auf dem trockensten Kontinent kein Wassermanagement betreibt, etc,etc, pp. sollte sich wirklich nicht ueber ein paar tote Wale aufregen. MfG David
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