Dritter Primat im Club Erbgut des Rhesusaffen entziffert

Der Rhesusaffe ist das wichtigste Versuchstier in der Aids-Forschung und ein evolutionärer Cousin des Menschen. Jetzt wurde sein Erbgut entschlüsselt. Forscher hoffen auf ein besseres Verständnis vieler Krankheiten - und Hilfe bei der Frage, was den Menschen menschlich macht.


Er ist der Dritte in der Familie: Nach dem Menschen (Homo sapiens) und dem Schimpansen (Pan troglodytes) ist der Rhesusaffe (Macaca mulatta) der dritte Primat, dessen Erbgut komplett sequenziert wurde. Zu 97,5 Prozent stimmten seine Gene mit jenen von Mensch und Schimpanse überein, berichten Forscher im Wissenschaftsmagazin "Science" (Bd. 316, Nr. 13).

Rhesusaffe: Forscher haben sein Genom vollständig entziffert
Science/Joshua Moglia

Rhesusaffe: Forscher haben sein Genom vollständig entziffert

Rund 170 Wissenschaftler von 35 Institutionen waren an der Erbgut-Entzifferung beteiligt. Es ist Teil des größeren Mammalian Genome Project, in dem die DNA ausgewählter Säugetiere sequenziert wird. Eines Tages, so hoffen die Forscher, könnte sich aus der genetischen Differenz der Verwandten ein grobes Bild des letzten gemeinsamen Vorfahren aller Säugetiere rekonstruieren lassen. Bei sieben weiteren Primatenarten ist eine Sequenzierung momentan in Arbeit.

Von der Kenntnis des Rhesusaffen-Erbguts versprechen sich die Wissenschaftler unter anderem ein besseres Wissen über Krankheiten des Menschen. Der Rhesusaffe gilt als wichtigstes Versuchstier in der Aidsforschung, könnte aber auch Einblicke in Herzkreislauf-, Hormon- und Infektionskrankheiten ermöglichen. Verhaltens- und Evolutionsbiologen sind ebenfalls auf den Vergleich zwischen dem Menschen und seinem evolutionären Vetter gespannt.

"Wir wollen wissen, was uns zu Menschen macht", erläuterte Richard Gibbs vom Baylor College, der Projektleiter des Rhesusaffen-Genomkonsortiums. Die Wege von Rhesusaffe und Mensch trennten sich ersten Analysen zufolge vor etwa 25 Millionen Jahren. Der Makake ist damit ein relativ alter Verwandter. Schimpanse und Mensch, die am nächsten miteinander verwandten heute noch lebenden Primaten, entwickelten sich erst vor etwa sechs Millionen Jahren auseinander. Sie teilen sich rund 99 Prozent ihrer DNA.

"Die Entzifferung des Makaken-Erbguts - kombiniert mit dem Schimpansen- und Menschengenom - liefert ein weiteres mächtiges Werkzeug, um unser Verständnis der Biologie des gesunden und kranken Menschen voranzubringen", sagte Francis Collins, Leiter des Humangenomprojekts.

Auch viele Krankheiten könnten durch den Vergleich von Genen des Menschen und anderer Primaten besser erforscht werden: Möglicherweise sind viele Gene, die für erbliche Erkrankungen mitverantwortlich sind, ursprünglich ungefährliche Genvarianten, die erst durch eine Änderung der Ernährungsweise oder Umweltbedingungen im Laufe der Evolution eine schädliche Wirkung entfaltet haben.

stx/dpa



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