Drohender Artentod Chinesische Flussdelfine werden umgesiedelt

Die letzten Chinesischen Flussdelfine sollen vom Jangtse-Strom in ein Schutzgebiet umziehen. Ob die seltenen Süßwasser-Säuger durch die Aktion gerettet werden können, ist jedoch höchst ungewiss.


Flussdelfin Qi Qi
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Flussdelfin Qi Qi

Mit einer groß angelegten Umsiedlungsaktion wollen chinesische Biologen eine der seltensten Tierarten der Welt vor dem sicheren Artentod bewahren: die Chinesischen Flussdelfine. Berufsfischer sollen mit Netzen die letzten Exemplare aus dem dreckigen Wasser des Jangtse holen und in einem neu geschaffenen Natur-Reservat in der Provinz Hubei wieder aussetzen, bevor auch noch die letzten der seltenen Süßwasser-Säuger an Industrieabwässern zu Grunde gehen oder in Schiffsschrauben geraten.

Seit rund 20 Millionen Jahren bevölkern die Delfine Chinas längsten und betriebsamsten Fluss. Noch um 1950 schwammen rund 6000 Tiere im Fluss, heute sind es weniger als 100. Die Rettungsaktion, bei der 50 Boote 1700 Flusskilometer nach ihnen absuchen sollen, wird um die sechs Millionen Dollar verschlingen.

Experten von der Whale and Dolphin Conservation Society (WDCS) warnen jedoch vor dem Einsatz: "Fang und Transport bedeuten tödlichen Stress für die Tiere", sagt WDCS-Sprecher Nicolas Entrup, "die Gefahr, dass die Tiere dabei ertrinken oder sich verletzen, ist hoch."

Ob sie sich überhaupt an eine neue Heimat gewöhnen können, erscheint zweifelhaft. In Gefangenschaft hatte bisher nur ein Flussdelfinmännchen namens Qi Qi längere Zeit überlebt. Alle Versuche, die Art mit seiner Hilfe zu züchten, scheiterten: In der vergangenen Woche starb der Hoffnungsträger im Hydrobiologischen Institut in Wuhan. Zuvor hatte er dort mehr als 22 Jahre lang einsam seine Runden in einem 300 Quadratmeter großen Becken gedreht.



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