Dürre Ban Ki Moon sieht Klimawandel als Kriegstreiber in Darfur

200.000 Tote, zwei Millionen Vertriebene - der Bürgerkrieg im Südsudan ist mehr als ein ethnischer Konflikt. Dass Dürre und Eskalation der Gewalt zusammenfielen, ist für den Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon kein Zufall. Er hält den Völkermord für eine Folge des Klimawandels.


New York - Für arme, strukturschwache und instabile Länder kann eine der Folgen des Klimawandels Krieg sein. Im Sudan ist dies nach Ansicht von Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon bereits geschehen. In einem Gastbeitrag für die Zeitung "Washington Post" schreibt er, der Völkermord von Darfur sei auch der globalen Erwärmung geschuldet.

Vertrieben aus Darfur: Ein sudanesisches Kind in einem Flüchtlingscamp in Djabal (Tschad)
Getty Images

Vertrieben aus Darfur: Ein sudanesisches Kind in einem Flüchtlingscamp in Djabal (Tschad)

Die Gewalt sei nämlich ausgerechnet in jenem Jahr eskaliert, in dem der Regen im Südsudan komplett ausgeblieben sei. "Wir diskutieren Darfur immer als einen ethnischen Konflikt zwischen den arabischen Reiterstaffeln, den Rebellen und den Bauern, aber wir müssen auf die Wurzeln schauen", schreibt Ban.

Und diese Wurzeln müssten auch als Folge der Erderwärmung verstanden werden. Seit den achtziger Jahren habe der Regen im Südsudan kontinuierlich nachgelassen. Wissenschaftler hätten dies zuerst mit einer Laune der Natur erklärt, nun aber seien immer mehr Anzeichen dafür zu finden, dass die Erwärmung des indischen Ozeans für die Dürre mitverantwortlich sei. Die damit einhergehende Verknappung der Ackerfläche habe den Konflikt zwischen den ethnischen Gruppen ausgelöst. Hauptsächlich wegen des Bürgerkriegs im Süden des Landes haben Politikwissenschaftler des Washingtoner Fund for Peace den Sudan auf den traurigen ersten Platz ihres Index gescheiterter Staaten gesetzt.

Eskalation der Gewalt "kein Zufall"

"Es ist kein Zufall, dass die Gewalt während der Dürre ausgebrochen ist", so der Uno-Generalsekretär. Der Kampf um Wasser, um fruchtbaren Boden und um Rohstoffe als Resultat einer vom Menschen mitverursachten Klimaänderung habe in Darfur ein fürchterliches Ausmaß angenommen. Mehr als zwei Millionen Menschen sind seither aus diesem Gebiet geflüchtet. Solche Ströme klimabedingt Heimatloser werden von einigen Forschern als mögliches Szenario für viele Regionen der Welt angesehen.

"Der Klimawandel ist das größte Sicherheitsrisiko in der Welt", sagte Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) erst Anfang Juni. Nach Einschätzung der Bundesregierung sind die Folgen des Klimawandels ein größeres globales Sicherheitsrisiko als Kriege und Terrorismus - schon in den nächsten 30 Jahren drohen demnach wegen Dürre und Wassermangel in instabilen Regionen Konflikte.

Im April sorgte eine US-Studie mit dem Titel "The National Security Implications of Global Climate Change" für Aufsehen. Experten warnten darin vor Kriegen, die durch den Klimawandel in instabilen Ländern eskalieren könnten. Wegen fehlender Infrastruktur und instabiler politischer Systeme könnten die Folgen der globalen Erwärmung dort nicht abgefangen werden. Auch die US-Experten fürchten: Zunehmende Dürre könnte zu massiven Flüchtlingsbewegungen, zu Kämpfen und sogar zum weiteren Erstarken des Terrorismus führen.

atr/AFP



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