Dürre in Deutschland Waldbrandatlas zeigt aktuelle Risikozonen

Das Jahr 2020 ist bislang ungewöhnlich trocken, die Waldbrandgefahr ist hoch. Eine Karte zeigt das Risiko bundesweit - und berücksichtigt dabei auch Faktoren wie Windrichtung und aufziehende Regenwolken.
Screenshot des Waldbrandatlas

Screenshot des Waldbrandatlas

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Screenshot/ dpa

Wer dieser Tage im Wald wandert oder über einen Feldweg radelt, kann es kaum übersehen: Vielerorts ist der Boden knochentrocken. Der ungewöhnlich trockene April hat in diesem Jahr nicht nur die Bauern, sondern auch die Förster und Waldbesitzer alarmiert.

"Wir müssen uns auf ein größeres Ausmaß bei den Waldbränden einstellen", fürchtete Hans-Georg von der Marwitz, Präsident des Waldeigentümerverbandes AGDW. In mehreren Bundesländern galt die höchste Waldbrandstufe.

Waldbrand im Landkreis Wittenberg in Sachsen-Anhalt (Archiv)

Waldbrand im Landkreis Wittenberg in Sachsen-Anhalt (Archiv)

Foto: Jan Woitas/ dpa

Auch in diesem Jahr könnte es Brände an abgelegenen Orten geben oder mit einem solchen Ausmaß, dass die örtlichen Brandbekämpfer auf die Unterstützung weiterer Feuerwehren angewiesen sind.

Die Zusammenarbeit erleichtern soll ein neues Internetangebot des Bundesamts für Kartografie und Geodäsie, eine Behörde des Innenministeriums, die Geodaten sammelt und aufbereitet. Der "Waldbrandatlas" zeigt Deutschland in unterschiedlich gefärbten Gefahrenzonen.

Aktive Feuer lassen sich per Auswahl ebenso anzeigen wie Waldgebiete, Standorte von Berufsfeuerwehren, Rettungspunkte (die in Notlagen die Feststellung des Standorts erleichtern), Windrichtung, gefallene und erwartete Niederschläge, stehende Gewässer, Landeplätze etwa für Hubschrauber und Militärgelände. Erreichbar ist die Seite derzeit nur per Log-in.

Wichtige Wetterdaten

Die Idee des Waldbrandatlas geht auf Paul Becker zurück, seit rund einem Jahr Präsident des Bundesamts für Kartografie und Geodäsie. Der studierte Meteorologe wechselte vom Deutschen Wetterdienst, wo er den Posten als Vize hatte.

"Beim Deutschen Wetterdienst gibt es bereits seit vielen Jahren einen Gefahrenindex für Waldbrände", sagt er. Da habe es nahe gelegen, den Index um eine Auswahl der Vielzahl weiterer Daten zu ergänzen, über die das Bundesamt verfügt.

"Ob wir den Atlas später auch noch als App anbieten, wird sich zeigen. Wir warten nun erst einmal die Rückmeldungen der potenziellen Nutzer ab", sagt Becker. Nutzbar wäre die Seite bereits jetzt, das Innenministerium will sie nun bald im Kreis der Länder vorstellen.

Dürre hält an

Wenn der kommende Sommer so trocken wird wie in den Vorjahren und die Feuerwehren Interesse zeigen, könnte der "Waldbrandatlas" häufiger zum Einsatz kommen. "Dieses Jahr hat die Dürrephase extrem früh begonnen", sagt Becker. "Wir bräuchten einige Wochen mit viel konstantem 'Landregen', um die Grundwasserreservoire wieder aufzufüllen."

Im Jahresmittel falle zwar nicht unbedingt weniger Regen - aber in vielen Gegenden sei die jahreszeitliche Verteilung ungünstiger, mit mehr Niederschlägen im Winter und weniger im Sommer, so Becker. Hinzu komme: Vor allem im Sommer falle immer häufiger Starkregen, der aber wenig gegen die Dürre helfe. "Aufgrund der sehr großen Mengen, die in sehr kurzer Zeit fallen und häufig auf sehr trockene Böden fallen, besteht keine Chance zum Versickern."

hda/dpa
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