Düstere Prognose Pazifik sorgt für perfekte Dürre

Die Trockenheit, die zuletzt den Mittelmeerraum, Südasien und die USA überzog, geht offenbar auf einen besonders warmen Pazifik zurück. Sie könnte Experten zufolge eine noch stärkere Dürre ankündigen.


Dürre am Mittelmeer: Grüße vom Pazifik
REUTERS

Dürre am Mittelmeer: Grüße vom Pazifik

Auch wenn zuletzt vor allem Regen und Unwetter Schlagzeilen machten: Von 1998 bis ins vergangene Jahr wurden große Teile der Nordhalbkugel von extremer Trockenheit heimgesucht. In den USA und im Süden Europas regnete es genauso wenig wie in großen Teilen Südasiens - vom Irak bis nach Pakistan. Doch so weit die Regionen auch voneinander entfernt sein mögen, die weltweite Dürre hat anscheinend einen gemeinsamen Ursprung: Im westlichen Pazifik war das Wasser zuletzt so warm wie selten zuvor, berichten US-Klimaforscher im Fachmagazin "Science".

Der jetzt entdeckte Zusammenhang stellt die bedeutendste Verbindung zwischen Ozean und Klima seit der Entdeckung des El-Niño-Phänomens dar. Und wie bei El Niño, der warmen Strömung vor Südamerika, haben auch die warmen Tropengewässer entscheidende Folgen für das weltweite Klima.

Auf der Suche nach einer Beziehung zwischen Meerestemperatur und Regenmenge fütterten die US-Forscher unterschiedliche Klimamodelle mit den Wassertemperaturen der letzten vier Jahre. Dabei fielen ihnen neben den kalten Strömungen vor der Pazifikküste Südamerikas ("La Niña") besonders die überraschend warmen Gewässer im tropischen Westpazifik auf.

Überraschend gut stimmte das Ergebnis der Modellrechnungen mit den tatsächlichen Klimaverhältnissen überein: Die Computer sagten voraus, dass die starken Temperaturschwankungen im Pazifik die ideale Grundlage für unterdurchschnittliche Regenmengen und zu hohe Temperaturen in den mittleren Breiten darstellen. Sowohl die immer wiederkehrende Kälte im östlichen Pazifik als auch die bislang einmalige Wärme im Westen könnten für sich genommen kleinere Trockenperioden auslösen. Zusammen aber hätten sie die perfekte Dürre produziert, so die Forscher: "Die Beweise sind zwingend."

Dabei bereitet den Klimaforschern besonders der Westpazifik Sorgen. Seit den fünfziger Jahren sind die Wassertemperaturen dort kontinuierlich gestiegen - deutlich stärker als allein durch natürliche Effekte. Höchstwahrscheinlich hängen die steigenden Temperaturen, so die Vermutung der Experten, mit der Zunahme von Treibhausgasen in der Atmosphäre zusammen. Falls das der Fall sein sollte, dürfte die Dürre der vergangenen Jahre nur ein Verbote weiterer Trockenperioden gewesen sein.

Alexander Stirn



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