Dungfliegen Wählerische Weibchen schaffen neue Spezies

Indem sie aufdringliche Bewerber abweisen, könnten Weibchen die Entstehung neuer Arten vorantreiben. Die folgenreiche Verweigerung beobachteten Forscher bei Dungfliegen-Völkern.

Auch Dungfliegenweibchen sind sich für manches zu schade: Wenn sie von Scharen mittelmäßiger Kuhfladen-Casanovas bedrängt werden, bekommen sie leicht zu viel. Doch ausgerechnet dieses abweisende Verhalten könnte, wie Forscher aus Zürich jetzt im Fachmagazin "Nature" berichten, die Bildung neuer Spezies vorantreiben.

Dass der Geschlechterkampf enorme evolutionäre Energien freisetzt, vermuten Biologen schon länger. Der Interessenkonflikt ist einfach zu groß, um folgenlos zu bleiben: Während das Männchen, unbelastet von der Bürde der Schwangerschaft, sein Erbgut so breit wie möglich zu streuen versucht, ist das Weibchen vor allem auf Qualität bedacht - weil das Kinderkriegen viel Kraft kostet, soll der Nachwuchs vom Richtigen stammen.

Diesen ständig schwelenden Streit haben David Hosken und Oliver Martin vom Zoologischen Museum der Universität Zürich bei der Dungfliege Sepsis cynipsea untersucht. Die beiden Forscher interessierte dabei vor allem, wie sich das Abwehrverhalten der Weibchen in kleinen und großen Populationen unterscheidet - und welche Folgen das wiederum für die Entwicklung der Fliegenvölker hat.

Hosken und Martin hielten verschieden große Dungfliegen-Populationen über mehrere Generationen hinweg in Containern. Drei der Behälter waren mit 250 Männchen und 250 Weibchen extrem dicht bevölkert, drei weitere enthielten jeweils nur 25 Männchen und 25 Weibchen. In drei Kontrollgruppen waren je 20 Fliegenpaare auf einzelne Gefäße verteilt - der monogame Lebenswandel schloss einen Interessenkonflikt aus.

Wie sich zeigte, legten die Weibchen aus der Massenhaltung weniger Eier - vermutlich verbrachten sie mehr Zeit damit, sich Männchen vom Leib zu halten. Um das Paarungsverhalten genauer vergleichen zu können, sperrten die Forscher nach zweieinhalb Jahren und 35 Generationen jeweils ein Weibchen und ein Männchen aus derselben Population oder verschiedenen Gruppen für 30 Minuten zusammen in einen Container.

Die Wissenschaftler notierten dabei, wie oft es zur Kopulation kam und wie oft Fliegendamen den Bewerber durch heftiges Schütteln wieder abwarfen. Das Ergebnis: Gerade Weibchen aus den dichten Populationen zeigten sich besonders paarungsunwillig. Zwar gaben sie sich noch leidlich oft Männchen aus dem eigenen Container hin, doch Bewerber aus fremden Populationen hatten so gut wie keine Chance mehr.

Der fehlende sexuelle Austausch mit anderen Fliegenvölkern hat möglicherweise Folgen. "Werden Paarungen zwischen den Populationen auf diese Art vermindert, könnte das schließlich zu einem völligen Verschwinden von Kreuzungen führen, womit aus den zwei Gruppen unterschiedliche Spezies geworden wären", schreibt der Evolutionsbiologe Tom Tregenza von der britischen University of Leeds in einem "Nature"-Kommentar.

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