E-Mail-Skandal Gutachten spricht Klimaforscher von Datenmanipulation frei

Analyse geklauter Forscher-Mails: Ein britischer Untersuchungsausschuss spricht Klimaforscher davon frei, ihre Daten unerlaubt verändert zu haben. Manche Vorgänge allerdings rügten die Gutachter.

Treibhausgase: Warnungen vor einer Erwärmung bleiben bestehen
REUTERS

Treibhausgase: Warnungen vor einer Erwärmung bleiben bestehen


London - Als Unbekannte im vergangenen November mehr als tausend E-Mails britischer Klimaforscher stahlen und im Internet veröffentlichten, schien sich ein gigantischer Skandal anzukündigen: "Climategate" wurde die Affäre getauft, in Anlehnung an den Watergate-Skandal, der einst zum Rücktritt von US-Präsident Richard Nixon geführt hatte. Die E-Mails, so behaupteten Kritiker, würden enthüllen, dass die Klimaprognosen auf windigen Berechnungen beruhten. Doch nun entlastet eine britische Untersuchung im Auftrag der University of East Anglia die Wissenschaftler: Das Gutachten spricht die Forscher der eigenen Universität und anderer Institute vom Vorwurf der Datenmanipulation frei. Es gebe keinen Hinweis auf Unredlichkeit oder Verfälschungen in den E-Mails, heißt es in dem Bericht unter Leitung von Muir Russell.

Russell, ein ehemaliger schottischer Regierungsbeamter und Rektor der University of Glasgow, kritisierte die Wissenschaftler aber dafür, ihre Daten Kritikern nicht zur Verfügung gestellt zu haben. "Ihre Gründlichkeit und ihre Ehrlichkeit stehen nicht in Zweifel", erklärte Russell. "Aber es gab ein beständiges Muster, nicht das rechte Maß an Offenheit an den Tag zu legen." Seine Untersuchung war bereits die dritte zu dem Skandal, der kurz vor der Klimakonferenz in Kopenhagen all jenen Auftrieb gab, die einen menschlichen Einfluss auf das Klima bestreiten.

Im April hatte eine Kommission keine Hinweise auf absichtliches wissenschaftliches Fehlverhalten in den Arbeiten der Klimaforscher der University of East Anglia gefunden. Ein anderes Gutachten hatte die Forscher zwar für das Zurückhalten von Informationen gerügt, aber ansonsten ebenfalls weitgehend entlastet. Im Januar war eine britische Regierungsbehörde allerdings zu dem Schluss gekommen, die britischen Klimaforscher hätten gegen geltendes Recht verstoßen, indem sie Daten zurückhielten.

Der teils harsche Ton in den E-Mails sei hingegen keiner Rüge wert, befand nun die Russel-Kommission. "Normative und extreme Sprache" sei in normaler Kommunikation üblich.

SPIEGEL ONLINE hatte nach der Analyse aller E-Mails einen Grabenkrieg unter Klimaforschern dokumentiert: Führende Wissenschaftler hatten sich unter teils heftigen Angriffen von außen in einen erbitterten und folgenschweren Grabenkrieg verstrickt, in den auch Medien, Umweltverbände und Politiker hineingezogen wurden. Diese Verwicklungen wurden von der Russel-Kommission großteils nicht untersucht. Ihr ging es um mögliche Manipulationen wissenschaftlicher Daten.

boj



insgesamt 185 Beiträge
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Seite 1
Klo, 07.07.2010
1. Damit ist die Diskussion auch schon beendet.
Zitat von sysopAnalyse geklauter Forscher-Mails: Ein britischer Untersuchungsausschuss spricht Klimaforscher davon frei, ihre Daten unerlaubt verändert zu haben. Manche Vorgänge allerdings rügten die Gutachter. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,705207,00.html
Für Insider bestand nie ein Zweifel daran, dass die Daten keineswegs gefälscht wurden. Die Fälschung von Klimadaten ist faktisch unmöglich.
Baracke Osama, 07.07.2010
2. ---
Zitat von sysopAnalyse geklauter Forscher-Mails: Ein britischer Untersuchungsausschuss spricht Klimaforscher davon frei, ihre Daten unerlaubt verändert zu haben. Manche Vorgänge allerdings rügten die Gutachter. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,705207,00.html
Die Daten sind also nicht unerlaubt, sondern "erlaubt" verändert worden oder wie darf man diese Aussage bewerten? Dann hoffen wir doch, dass der Untersuchungsausschuss nicht aus "Experten" besteht die an der East Anglia University unterrichten/forschen. Manus Manum Lavat!
Ben Major 07.07.2010
3. Wen wundert's...
Wenn man weiß wer in dem Ausschuss saß, ist es nicht verwunderlich, das immerhin ein Freispruch zweiter Klasse herausgekommen ist. Wer sich in den letzten Jahren mit den umfangreichen Manipulationen und Fälschungen von Mann, Jones und anderen auseinandergesetzt hat, weiß was davon zu halten ist. Der CO2 Handel soll schließlich bald mehr Umsatz machen als die NYSE, da dürfen Fakten nicht im Wege stehen und auch die schönen Subventionen für Photovoltaik und Windkraft wären dahin, wenn die wissenschaftliche Vernunft sich durchsetzen würde, also lieber Herrn Schellnhuber nochmal ein paar Millionen rüberschieben für ein neues Klimainstitut. Der deutsche Klimapapst wird's schon richten. Wer mehr Wissen will: wattsupwithat.com
Baracke Osama, 07.07.2010
4. --
Zitat von KloFür Insider bestand nie ein Zweifel daran, dass die Daten keineswegs gefälscht wurden. Die Fälschung von Klimadaten ist faktisch unmöglich.
Sind Sie ein Insider? Wieso ist die Fälschung von Daten faktisch unmöglich?
Bokurano 07.07.2010
5. Diskussion nicht beendet
Also was mioch stutzig macht ist, das "Gutachten spricht die eigenen(!!!) Forscher der Manipulation frei" AHA Das soll glaubwürdig sein? Man forscht selber nach ob man selber Manipuliert hat? Wäre ungefähr so wenn ein Mörder sich ein Gutachten von seiner Familie schreiben lassen würde, dass er nicht gemordet hat. Das ist unglaubwürdig. @ #2: Klar Daten können an sich nicht gefälscht werden. Aber man kann die Erhebung verfälschen indem man bewusst nur Daten von Messgeräten in Städten, neben Flughäfen etc miteinberechnet, Daten aus relativ abgelegenen Gegenden aber nicht. Desweiteren ist das Ergebnis auch immer abhängig von der verwendeten statistischen Auswertungsmethode, denn für eine Sache gibt es meist mehrere Mittel, die Ergebnisse liefern können die verschieden gedeutet werden können. Die Daten an sich mögen nicht gefälscht sein, aber die Darstellung kann "zurechtgebogen" sein, durch sehr selektives Auswählen. Das was hier wohl festgestellt wurde heist lediglich nur, dass alles im wissenschaftlich erlaubten Rahmen verlaufen ist. Also keine Methoden angewandt wurden die grob gegen das normale wissenschaftliche Verhalten laufen, wie es derzeit üblich ist.
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