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SPIEGEL

Manfred Dworschak

Medizin Warum E-Zigaretten die beste Ausstiegshilfe für Raucher sind und eine breite Förderung verdienen

Liebe Leserin, lieber Leser,

E-Zigaretten werden immer besser. Neuere Geräte verfügen etwa über eine chipgesteuerte Elektronik, die den Dampfausstoß selbstständig reguliert; die Kundschaft kann die Zufuhr von Nikotin damit unkompliziert auf die eigenen Vorlieben einstellen: Soll es im Hals ein wenig kratzen, wie ehedem bei der Kippe? Oder ist eher ein mildes Anfluten des Wirkstoffs erwünscht?

Früher war dafür oft Gefummel an den Geräten nötig, das Dampfen wollte gelernt sein. Aber selbst die Technik von dazumal half vielen Rauchern beim Ausstieg. Das ergab jetzt eine Zwischenbilanz des renommierten Netzwerks Cochrane, das medizinische Studien auf ihre Stichhaltigkeit hin überprüft. Das Ergebnis: Mit E-Zigaretten kommen rund doppelt so viele Raucher (zehn Prozent) vom Tabak weg wie beim Entwöhnen mithilfe von Nikotinkaugummis oder ähnlichen Ersatzprodukten. Einzelne Studien deuteten bereits darauf hin, jetzt darf der Befund als erhärtet gelten. Vor allem aber merken die Forscher an, dass die Technik heute weiter ist als zu jener Zeit, als die Studien erstellt wurden. Gut möglich also, dass die Erfolgsquote mit weiter op­timierten Dampfmaschinchen noch zu steigern wäre. 

Nach den Regeln der Vernunft müsste es Gerätschaften und Liquids für umstiegswillige Raucher längst auf Rezept geben. Stattdessen kommt die Gesundheitspolitik seit Jahren nicht aus ihrem Eiertanz um eventuelle Restrisiken des Dampfens heraus.

Dampferin in Los Angeles (2014)

Dampferin in Los Angeles (2014)

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© Mario Anzuoni / Reuters/ REUTERS

In England empfehlen Gesundheitsbehörden und Ärzte das Dampfen seit Jahren als weniger schädliche Alternative zum Tabakkonsum. Auch sonst gibt es dort vielerlei Unterstützung für Menschen, die das Rauchen aufgeben wollen. So gelang es, den Anteil der Raucher auf 15 Prozent zu senken. Hierzulande liegt die Quote immer noch bei gut 26 Prozent. Kein Wunder, dass beim Kampf gegen die Tabaksucht der europäische Vergleich beschämend ausfällt: Auf der Rangliste "Tobacco Control Scale" belegt Deutschland - weit hinter Österreich, Russland oder Bulgarien - den letzten von 36 Plätzen.

Bleiben Sie gesund!

Manfred Dworschak

(Feedback & Anregungen? ) 

Abstract 

Meine Leseempfehlungen in dieser Woche:

  • Letzte Chance vor dem Shutdown: Reichen die von Bund und Ländern vereinbarten Maßnahmen, um die Pandemie einzudämmen? Experten mahnen, es blieben nur ein bis zwei Wochen, um den Trend zu stoppen.

  • Wer in Deutschland künftig getestet wird: Am Donnerstag tritt die neue Corona-Testverordnung in Kraft. Neu sind darin die Antigen-Schnelltests. Wann kommen sie zum Einsatz? Und wer kann sich testen lassen? Die Übersicht.

  • Japan will radioaktiv verseuchtes Wasser ins Meer leiten: Die Reaktorkatastrophe von Fukushima hat Millionen Tonnen kontaminiertes Wasser verursacht. Nun werden die Lagerkapazitäten knapp. Laut japanischen Medien gerät das Abwasser deshalb bald in die Umwelt.

  • Sonde sendet Bild von der Venus: Eigentlich ist "BepiColombo" auf dem Weg zum Planeten Merkur, doch auf ihrem Weg machte die Sonde nun Stippvisite bei der Venus. Das Manöver soll das Raumfahrzeug abbremsen.

Quiz*

1. Die Sonde "BepiColombo" ist gerade an der Venus vorbeigeflogen. Warum tat sie das?

  • a) Eigentlich ist sie auf dem Weg zum Mars, aber um einem gefährlichen Sonnensturm auszuweichen, fliegt sie den Umweg an der Venus vorbei.

  • b) Die Sonde benutzt die Venus für ein Bremsmanöver, um auf eine stabile Bahn zum Merkur zu gelangen.

  • c) Eigentlich war sie auf dem Weg in Richtung Pluto, aber nach der überraschenden Mehrheitsentscheidung bei einer Onlineabstimmung musste das Kontrollzentrum in Darmstadt das über eine Milliarde teure Raumfahrzeug umlenken.

2. Ein Forscherteam hat die Tracker-Daten von 14.000 Läufern ausgewertet und berichtet darüber in der Wissenschaftszeitschrift "Nature Communications". Ihnen fiel dabei auf, dass die schnellsten Läufer bei Sportwettkämpfen...

  • a) ...am gleichmäßigsten ihr Tempo halten ("Clockwork strategy").

  • b) ...ihr Lauftempo langsam steigern in dem Maße, wie auch ihre Körpertemperatur steigt ("Negative split").

  • c) ...wiederholt kurze Zwischensprints einlegen ("Fartlek").

3. Blauwale tauchen regelmäßig über 150 Meter tief. Der Puls der Meeressäuger...

  • a) ...verfünffacht sich dabei teilweise auf über 300 Schläge pro Minute ("Tachykardie").

  • b) ...setzt dabei teils 6,2 Minuten lang aus ("Arrhytmie").

  • c) ...senkt sich dabei teils auf bis zu zwei Schläge pro Minute ab ("Bradykardie").

*Die Antworten finden Sie ganz unten im Newsletter.

Bild der Woche 

Walhai

Walhai

Foto: Evans Baudin / Scuba Diving

Ein Walhai gleitet majestätisch durch die Gewässer vor der mexikanischen Halbinsel Baja California, das Maul weit aufgerissen, um Krebstiere oder kleine Fische zu verschlingen. Drinnen reiten blinde Passagiere mit: sogenannte Schiffshalter, Fische, die vom Hai als "Kommensalen" geduldet werden und möglicherweise für Hygiene sorgen. Der Fotograf Evans Baudin schoss das preisgekrönte  Bild bei einer Tauchexpedition, die das Ziel hatte, die Stille der Ozeane durch den Corona-bedingt reduzierten Schiffsverkehr zu dokumentieren.

Fußnote  

36 Kilometer pro Sekunde, schneller kann Schall nie werden. Schallwellen breiten sich je nach Medium mit unterschiedlicher Geschwindigkeit aus. Dieses theoretisch mögliche Tempo, rund einhundert mal schneller als die für uns gewohnte Schallgeschwindigkeit, wäre nur in sogenanntem metallischen Wasserstoff möglich, bei einem Druck von ungefähr sechs Millionen Atmosphären. Das hat ein internationales Forscherteam in "Science Advances" vorgerechnet.

SPIEGEL+-Empfehlungen aus der Wissenschaft 

  • Altertum : Das Geheimnis des Neferhotep - was ein Beamtengrab über eine Revolution im Alten Ägypten verrät

  • Pandemie: Die Virologin Sandra Ciesek über ihren NDR-Podcast und das Verhältnis von Wissenschaft und Öffentlichkeit 

  • Botanik : Welche Stadtbäume sind fit für die Treibhaus-Zukunft?

*Quizantworten  

1. b) Die Sonde "BepiColombo" ist auf dem Weg zum Merkur und benutzt den "Flyby" an der Venus, um abzubremsen und so auf eine stabile Umlaufbahn zum Merkur einzuschwenken.
2. a) Die schnellsten Läufer fielen durch ihr gleichmäßiges Tempo auf. Das Paper befindet sich hier .
3. a) Der Puls von Blauwalen sinkt teilweise bei Tauchgängen auf zwei Schläge pro Minute. Ein Paper dazu lässt sich hier nachlesen .

Sie haben sich durchgeknobelt? Respekt! Wir hätten da vielleicht ein Angebot genau für neugierige Menschen wie Sie! Einfach hier klicken!

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