Eckernförder Bucht 800-Kilo-Messstation von Meeresgrund verschwunden

Wissenschaftler stehen vor einem Rätsel: Eine Station, die in der Ostsee Umweltdaten sammelte, ist verschwunden. Waren Diebe am Werk?
Teil des Unterwasserobservatoriums des Geomar Helmholtz-Zentrums

Teil des Unterwasserobservatoriums des Geomar Helmholtz-Zentrums

Foto: Forschungstauchzentrum der Uni Kiel/ DPA

Als Geoforscher rechnet man mit vielem: dass plötzlich kein Geld mehr da ist, um die Arbeit zu finanzieren, beispielsweise. Und dass das Wetter mal nicht mitspielt, ist auch keine Seltenheit.

Aber dass einem eine Messstation abhanden kommt, die mehr als eine halbe Tonne wiegt und am Meeresgrund steht?

Genau das ist nun Wissenschaftlern des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung in Kiel passiert. Ein sogenanntes Unterwasser-Observatorium ist verschwunden. Die Anlage gilt seit dem 21. August als verschollen - an dem Tag war die Datenübertragung plötzlich abgebrochen. Inzwischen ermittelt die Polizei. Doch auch die Beamten hätten bisher keine plausible Erklärung für das Verschwinden, sagte ein Polizeisprecher.

Taucher konnten die etwa einen Meter hohen Geräte nicht finden. Entdeckt wurde nur ein zerfasertes Anschlusskabel. Wegen des Gewichts der Gestelle und der massiven Kabelverbindungen schließt das Geomar Stürme, Strömungen oder Meerestiere als Ursache für das Verschwinden aus. Waren Diebe am Werk?

"Wir können uns nicht vorstellen, dass Diebe gezielt das in 22 Meter Tiefe auf dem Meeresboden stehende Observatorium gefunden und dann mit schwerem Gerät entwendet haben", sagte ein Geomar-Sprecher.

"Zudem war die Anlage aus zwei 550 und 220 Kilo schweren Gestellen in einem Sperrgebiet für Sportboote und Berufsschifffahrt - und der genaue Standort war öffentlich nicht bekannt", hieß es weiter. Auch Fischerboote dürften dort nicht fahren. Nun solle geklärt werden, ob Schiffe am 21. August in dem Sperrgebiet unterwegs waren.

300.000 Euro Kosten, unbezahlbare Daten

Das Observatorium stand etwa eine Seemeile vor der Küste auf dem Meeresgrund am Ausgang der Eckernförder Bucht. Die Ende 2016 installierte Anlage hat einen Wert von etwa 300.000 Euro. Sie erfasste Temperatur, Salz- und Sauerstoffgehalt und Nährstoffmengen. Eines der Geräte ist für die Stromversorgung der Anlage verantwortlich und über ein Kabel mit der Küste verbunden. Das andere Gestell trägt die eigentlichen Sensoren.

"Geradezu unbezahlbar sind die Daten, die wir damit erheben", sagte Projektleiter Hermann Bange. "Sie helfen der Forschung, Veränderungen in der Ostsee zu registrieren und eventuell Gegenmaßnahmen zu ergreifen."

Der Wissenschaftler hofft nun auf Hinweise aus der Bevölkerung. "Vielleicht hat ja jemand am Morgen des 21. August beim Sperrgebiet Hausgarten in Höhe des Campingplatzes Hökholz etwas beobachtet", sagt Bange. Der Campingplatz liegt nordöstlich von Eckernförde nahe der Ortschaft Waabs.

joe/dpa
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