Aktiver Vulkanismus Die Eifel hebt sich einen Millimeter pro Jahr

Forscher haben herausgefunden, dass nach oben strömendes Magma den Boden in der Eifel jedes Jahr ein kleines Stück anhebt. Der Effekt reicht bis nach Luxemburg, Belgien und in die Niederlande.
Schalkenmehrener Maar: Landschaft vulkanischen Ursprungs

Schalkenmehrener Maar: Landschaft vulkanischen Ursprungs

Foto: Thomas Frey/ dpa

In der Eifel hebt sich die Erde. Nur ganz wenig, um einen Millimeter pro Jahr - aber bereits seit Längerem. Gleichzeitig bewegt sich die Erdoberfläche horizontal auseinander, als ob etwas von unten nach oben drückt. Das haben US-Wissenschaftler erstmals belegt.

In einer Studie werteten sie Messdaten von Tausenden von GPS-Antennen in Westeuropa aus, die über 20 Jahre gesammelt worden waren. Dabei stießen sie auf neue Belege für einen noch aktiven Vulkanismus in der Eifelregion.

"Die Eifel ist die einzige Region in der Studie, in der die Bodenbewegung signifikant größer als erwartet war", sagt Corné Kreemer von der University of Nevada in Reno. "Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass aufsteigendes Gesteinsmaterial die Bewegung des Bodens verursachen könnte."

Wenn man alle Punkte betrachte, "dann scheint klar zu sein, dass sich unter dem Herzen von Nordwesteuropa etwas zusammenbraut". Eine akute Gefahr für die Region sehen Forscher derzeit aber nicht.

Es sei davon auszugehen, dass sich unter der Eifel Magma in einer Tiefe von rund 50 Kilometern ansammele, schreiben die Wissenschaftler im "Geophysical Journal International" . Das Hebungsgebiet mit dem Zentrum Eifel umfasst auch Luxemburg, Ostbelgien und den Süden der Niederlande.

Der letzte Vulkanausbruch in der Eifel liegt knapp 13.000 Jahre zurück. Er hatte laut Forschern eine Wucht wie der philippinische Vulkan Pinatubo, der 1991 fünf Milliarden Kubikmeter Asche und Staub in die Luft katapultierte.

Erdbeben in bis zu 45 Kilometer Tiefe

Dass die Eifel nach wie vor ein aktives vulkanisches System ist, hatten deutsche Wissenschaftler erst Anfang 2019 belegt. Sie stellten seit 2013 unter dem Laacher See acht Serien von niederfrequenten Erdbeben in zehn bis 45 Kilometer Tiefe fest. Dies seien Anhaltspunkte dafür, dass magmatische Fluide aus dem oberen Erdmantel in die Erdkruste aufsteigen, schrieben sie damals im "Geophysical Journal International" .

Die neue US-Untersuchung sei "eine schöne Bestätigung" dafür, dass es in der Eifel Aktivität gibt, sagt Torsten Dahm vom Deutschen Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam, der an der deutschen Studie beteiligt war. "Es ist zum ersten Mal gelungen, aktuelle Hebungen in einem größeren Gebiet zu messen." Die neuen Erkenntnisse passten zu der Annahme, dass es im oberen Erdmantel eine Aufwärtsbewegung von Mantelgestein gibt.

Einschätzung der vulkanischen Gefährdung bleibt wie gehabt

Bisher habe man aus Sedimenten an der Oberfläche geschätzt, dass der Boden sich dadurch um 0,3 oder 0,1 Millimeter pro Jahr hebe. Nun zeige sich, dass die Rate wahrscheinlich höher sei. Die Ergebnisse bedeuteten aber nicht, dass ein Vulkanausbruch bevorstehe, sagt Dahm. "An unseren Einschätzungen der vulkanischen Gefährdung ändern die Untersuchungen nichts."

Laacher See: Serie von Erdbeben ausgewertet

Laacher See: Serie von Erdbeben ausgewertet

Foto: Thomas Frey/ dpa

Die Wahrscheinlichkeit sei da, dass es in der Eifel wieder einen Maar-Ausbruch oder einen kleinen Schlackenkegel geben könnte. Ein größerer Ausbruch sei irgendwann in der Zukunft "am ehesten wieder in der Osteifel am Laacher See" zu erwarten, schätzt der Geophysiker.

Es sei wichtig, die Aktivität im Untergrund genauer zu untersuchen. Das Magma-Reservoir müsse kartiert werden, um besser beurteilen zu können, wie groß die vulkanische Gefährdung ist.

Die Messungen in der Eifel müssten weiter ausgebaut werden, sagt auch Thomas Dreher vom rheinland-pfälzischen Landesamt für Geologie und Bergbau in Mainz. Der Erdbebendienst sei in diesem Jahr bereits verstärkt, das Mess-Set in der Eifel intensiviert worden. "Wir möchten aber noch genauer werden", sagt er.

Eine Gefährdung von Menschen oder Infrastruktur sieht Dreher nicht. "Auch nicht in den nächsten tausend Jahren."

jme/dpa
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