Vertragsentwurf für Uno-Gipfel Ein Drittel der Erdoberfläche soll geschützt werden
Strand in Neuseeland: Weltweit soll die Zahl der Schutzgebiete steigen
Foto: imago/ SchwörerEs soll ein historischer Gipfel werden. Im Oktober kommen in der südchinesischen Millionenstadt Kunming die Vertragsstaaten der Uno-Biodiversitätskonvention zusammen. Bei dem Treffen soll ein Fahrplan für den Schutz der biologischen Vielfalt in diesem Jahrzehnt verabschiedet werden. Das Abkommen soll eine ähnliche Tragweite haben wie das Klimaabkommen von Paris aus dem Jahr 2015.
Erste Entwürfe der Gipfeldokumente von Kunming sind gerade veröffentlicht worden. Demnach sollen bis zum Jahr 2030 unter anderem rund ein Drittel der Land- und Meeresflächen der Erde als Schutzgebiete ausgewiesen werden. Zu den insgesamt 20 vorgeschlagenen Punkten gehört außerdem eine bessere Kontrolle invasiver Arten sowie die Verringerung von Plastikmüll und Nährstoffeintrag ins Meer, etwa durch Überdüngung, um 50 Prozent.
Der Entwurf sieht außerdem vor, dass indigene Völker und lokale Vertreter bei allen Entscheidungen beteiligt werden sollen, die Einfluss auf die Biodiversität haben.
"Ein globales Abkommen in diesem Jahr voranbringen"
Umweltschützer lobten die Pläne. "Dieser erste Entwurf zum Erhalt der Artenvielfalt durch den Schutz von mindestens 30 Prozent des Planeten greift endlich die dringenden Empfehlungen führender Wissenschaftler auf", sagte etwa Georg Schwede von der Campaign for Nature. Die Organisation setzt sich, unterstützt durch eine Milliardenspende des Schweizer Unternehmers Hansjörg Wyss, für das 30-Prozent Ziel bei den Schutzgebieten ein. Klimaschutz und Artenschutz seien zwei Seiten derselben Medaille, so der Schwede. Natürliche Land- und Meeresökosysteme seien als Kohlenstoffspeicher unverzichtbar.
Enric Sala, einer der Initiatoren des Aufrufs "Global Deal for Nature", der eigentlich sogar 50 Prozent aller Flächen zum Schutzgebiet erklären möchte, lobte den Entwurf ebenfalls. Er bilde allerdings eine Unter-, nicht eine Obergrenze. “Nun muss jede Regierung der Welt dieses große Ziel unterstützen und durch ein globales Abkommen in diesem Jahr voranbringen”, forderte Sala.
Der Weltbiodiversitätsrat (IPBES) hatte in einem Bericht im vergangenen Jahr Alarm geschlagen, dass eine Million Arten in den kommenden Jahren und Jahrzehnten vom Aussterben bedroht seien, wenn es nicht zu grundlegenden Änderungen bei der Landnutzung, beim Umweltschutz und der Eindämmung des Klimawandels komme. Der Bericht ist die wissenschaftliche Grundlage für die Verhandlungen von Kunming. "Die globale Rate des Artensterbens ist mindestens um den Faktor zehn bis Hunderte Male höher als im Durchschnitt der vergangenen zehn Millionen Jahre, und sie wächst", hieß es in dem Dokument.
Wenn die Temperatur im Zuge des menschengemachten Klimawandels zwei Grad über den vorindustriellen Werten läge, seien insgesamt fünf Prozent aller Arten auf der Welt gefährdet, so die Experten. 99 Prozent der Korallenriffe würden in diesem Fall mit großer Wahrscheinlichkeit absterben. Rund die Hälfte aller Korallenriffe seien seit dem 19. Jahrhundert bereits jetzt verschwunden.