Eindringling Wanze aus Asien erstmals in Europa gesichtet

Eigentlich befällt sie Obstbäume in Ostasien, doch nun ist eine Baumwanzen-Art auch bis nach Europa vorgedrungen. In der Schweiz haben Forscher die Insekten gleich an fünf Standorten nachgewiesen. Vermutlich wurden sie mit Zierpflanzen eingeschleppt.


Birmensdorf/Schweiz - Es muss ein fröhliches Hallo gewesen sein, als Vertreter der Marmorierten Baumwanze in der Schweiz kürzlich über fünf verschiedene Pflanzenarten herfielen. Denn sowohl die Wanzen als auch ihr Futter sind eigentlich in Asien zu Hause. Zum ersten Mal fand die Fresserei nun auf europäischem Boden statt.

Marmorierte Baumwanze: neuer Import aus Ostasien
WSL / B. Wermelinger

Marmorierte Baumwanze: neuer Import aus Ostasien

Die für Pflanzen schädliche Wanze (Halyomorpha halys) ist damit erstmals in hiesigen Breiten nachgewiesen worden. Wie die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) mitteilte, wurde das Insekt im vergangenen Jahr an fünf Standorten im Raum Zürich entdeckt. Die gefundenen Wanzen besiedelten acht verschiedene Pflanzenarten, von denen fünf, wie die Wanze selbst, ursprünglich aus Ostasien stammten. In einem Fall führte der starke Befall sogar zum Absterben eines Zierstrauchs.

Nach Angaben der Schweizer Forscher ist es wie bei vielen neu auftretenden Insektenarten auch bei der Marmorierten Baumwanze nicht bekannt, wie sie in den Raum Zürich gekommen ist. Es wird aber vermutet, dass sie mit Zierpflanzen aus Asien eingeschleppt wurde.

Generell verbreiteten sich Insektenarten heute infolge der zunehmenden Globalisierung und Mobilität schneller und unkontrollierter als früher. Allein im vergangenen Jahr wurden in der Schweiz fünf neue Insektenarten auf Zierhölzern gefunden. Die steigenden Temperaturen, vor allem aber die milderen Winter, dürften die Überlebenswahrscheinlichkeit dieser und anderer einwandernder Insektenarten erhöhen.

Die Marmorierte Baumwanze hat in mehreren Ländern Ostasiens erhebliche Schäden an Obstbäumen und Gartenpflanzen verursacht. Sie befällt vor allem Ziergehölze und Obstbäume, aber auch Waldbäume.

Im Vergleich zu anderen Insektenarten vermehrt sich die zwölf bis 17 Millimeter große Baumwanze nicht besonders schnell. Das Wanzenweibchen deponiert im Sommer an der Unterseite von Blättern maximal 150 Eier, in Gruppen zu etwa 20. Obwohl die geschlüpften Larven sich noch vor dem Winter bis zum erwachsenen Tier entwickeln, beginnt die Eiablage erst wieder im nächsten Sommer.

Die Wissenschaftler erwarten aber, dass die Baumwanze ihr Verbreitungsgebiet vergrößern wird. Aus Ostasien und Amerika sei bekannt, dass die Baumwanze häufig auch in Siedlungen auftritt. Besonders im Herbst finde sie sich oft massenweise an den Wänden und Fenstern von Häusern, wo sie einen Ort zum Überwintern suchen.

hda/AP

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