Eingebauter Gehörschutz Zirpende Grillen schalten ihre Ohren ab

Das eigene Zirpen ist für Grillen ohrenbetäubend laut. Doch das Nervensystem der Tiere verfügt, wie britische Forscher jetzt entdeckt haben, über einen raffinierten Schutzmechanismus.

Der Gesang, mit dem Grillenmännchen Weibchen anlocken und Rivalen abschrecken, ist für sie selbst so laut wie ein Presslufthammer. Warum die Tiere vom Zirpen dennoch nicht schwerhörig werden und in den Pausen problemlos ihre Artgenossen wahrnehmen können, haben James Poulet und Berthold Hedwig von der University of Cambridge herausgefunden. Seine Ergebnisse veröffentlicht das Duo im Fachmagazin "Nature".

Das Zirpen der Mittelmeerfeldgrille, lateinisch Gryllus bimaculatus, gehört zu den Hintergrundgeräuschen eines lauen Sommerabends in südlichen Ländern. Für die Sänger selbst aber wäre es eigentlich ohrenbetäubend: An den Vorderbeinen, wo Grillen ihre Ohren haben, herrscht während des Gesangs ein Schalldruck von mehr als 100 Dezibel. Das ist etwa so viel Lärm wie auf der Tanzfläche einer Disco und lauter als ein Presslufthammer in sieben Metern Entfernung.

Poulet und Hedwig untersuchten die Aktivitäten verschiedener Nervenzellen während des Grillengesangs, der von den Männchen durch rhythmisches Aneinanderreiben der Deckflügel hervorgebracht wird. Dabei stellten sie fest: Die Neuronen, die das Zirpen steuern, senden nicht nur Signale zu den Flügeln, die dann Töne erzeugen. Parallel werden auch Nervenzellen des Gehörsystems gereizt, die so genannten Omega-1-Neuronen.

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  • Diese Nervenzellen hemmen die Lautwahrnehmung - wenn die Grille zirpt, schalten ihre Ohren daher auf Durchzug. In den kurzen Pausen dazwischen ist das Insekt dann wieder ganz Ohr. Deshalb bleibt zum einen trotz des selbst erzeugten Lärms die Empfindlichkeit des Gehörs erhalten. Zum anderen kann die Grille so besser zwischen eigenem und fremdem Gesang unterscheiden.

    Dieser Trick des Nervensystems spielt womöglich nicht nur bei Insekten eine Rolle, schreibt der Neurobiologe Ron Hoy von der Cornell University in einem begleitenden Kommentar in "Nature". Ein ähnlicher Mechanismus könnte zum Beispiel auch dafür verantwortlich sein, dass man sich nicht selbst kitzeln kann - auch in diesem Fall ist das Nervensystem für selbst erzeugte Reize unempfindlich.

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