Eingeschleppte Arten Ratten übernehmen Rolle ausgerotteter Bestäuber

Ratten, Katzen und andere von menschlichen Siedlern eingeschleppte Tiere haben die Fauna Neuseelands dramatisch verändert. Doch inzwischen erledigen die Invasoren auch nützliche Aufgaben im Ökosystem, haben Forscher festgestellt. 
Ratte: Im Ökosystem können auch eingeschleppte Arten relevante Aufgaben übernehmen

Ratte: Im Ökosystem können auch eingeschleppte Arten relevante Aufgaben übernehmen

Foto: DPA/ Zoologische Staatssammlung

Hamburg - Nachdem Siedler Ratten und andere Tiere nach Neuseeland mitgebracht hatten, veränderte sich die Tierwelt dort deutlich. Diverse Arten starben aus, weil sie von den Neuankömmlingen verdrängt wurden - darunter Fledermäuse, Geckos und Vögel, die als Blütenbestäuber eine wichtige Rolle im Ökosystem hatten.

Doch eine Studie zweier Forscher von der Princetown University, New Jersey, zeigt nun, dass eingeschleppte Tiere diese Aufgabe zumindest zum Teil übernommen haben.

David Pattemore und David Wilcove verglichen die Bestäubung dreier einheimischer Waldpflanzen in zwei Regionen Neuseelands: auf der von invasiven Arten unberührten Little-Barrier-Insel sowie auf der Nordinsel, wo viele einheimische Bestäuberarten ausgestorben sind.

Im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B"  berichten die Wissenschaftler, dass auf der Nordinsel die von europäischen Siedlern Mitte des 19. Jahrhunderts mit Schiffen eingeschleppten Ratten (Rattus rattus) und ein erst kürzlich angekommener Brillenvogel (Zosterops lateralis) zumindest teilweise die Bestäubung der drei Waldpflanzen übernehmen.

Damit sei der Beweis erbracht, dass eingeschleppte Arten die ursprünglichen Bestäuberarten zumindest teilweise ersetzen können, folgern die Wissenschaftler. Die Neuankömmlinge spielten damit eine wichtige Rolle für den Erhalt von Ökosystemen.

Diese Erkenntnis solle bei Programmen berücksichtigt werden, die darauf zielen, eingeschleppte Arten wieder auszurotten, schreiben die Forscher. Zwar könnten invasive Arten niemals komplett die einheimischen Bestäuber ersetzen, die im besten Fall wieder eingeführt werden sollten. Aber vor dem Hintergrund des weltweiten Rückgangs der Bestäuberpopulationen sei man zunehmend auf Ersatz durch neue Arten angewiesen.

Seit mehreren Jahren bereitet ein vermehrtes Sterben von Bienenvölkern Forschern weltweit Sorgen. Noch immer ist nicht vollständig geklärt, wodurch es ausgelöst wird - höchstwahrscheinlich kommen mehrere Faktoren zusammen, welche die Insekten schädigen.

wbr/dpa

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