Eingeschlossen in Bernstein Forscher findet ältestes Spinnennetz der Welt

Blick in die Welt vor 140 Millionen Jahren: Ein britischer Forscher hat in einem Bernstein das älteste bekannte Spinnennetz der Welt entdeckt. Der Fund offenbart, wie Spinnen ihre Netze zu Zeiten der Dinosaurier bauten.


Hamburg - Er lag angespült an der Südküste Englands - und ist eine Zeitkapsel aus der Welt der Dinosaurier: In dem Bernstein, den ein Amateur-Fossiliensammler bereits vor zwei Jahren gefunden hat, ist wohl das älteste bekannte Spinnennetz der Welt eingeschlossen.

Der Paläobiologe Martin Brasier von der Universität Oxford schätzte das Alter des Fundes nun auf 140 Millionen Jahre. Damit sei es älter als ein ähnlicher Fund aus dem Libanon - dessen Netz, so Brasier, sei 130 Millionen Jahre alt. Vor zwei Jahren hatten US-amerikanische Forscher 110 Millionen Jahre alte Spinnenfäden gefunden.Unter dem Mikroskop untersuchte Brasier die etwa einen Millimeter langen Fäden. Das fossile Spinnennetz habe eine ähnliche Struktur gehabt wie die heutigen Spinnennetze, sagte Brasier. Die Fäden seien in einer runden Struktur miteinander verknüpft, wie man sie von heutigen Spinnennetzen her kenne. "Die Details des Netzes können sie mit denen der Netze in meinem Garten vergleichen", sagte Brasier. Dies beweise, dass Spinnentiere schon seit dem Zeitalter der Dinosaurier ihre Beute in Netze einsponnen.

Auch Paläobiologe Simon Braddy von Universität Bristol bestätigte die Schlussfolgerungen aus dem Fund: "Es ist kein perfektes Netz, aber es scheint so zu sein, dass Spinnen runde Netze seit der frühen Kreidezeit bauen." Die Kreidezeit dauerte von 145 bis 65 Millionen Jahre vor unserer Zeitrechnung - es war die Zeit, als Dinosaurier die Erde beherrschten.

Zwar glauben Spinnenexperten, dass Spinnen Netze auch schon früher bauten - beweisen ließ sich das bislang aber nicht, denn normalerweise hinterlassen die feinen Seidenfäden keine fossilen Spuren. In Bernstein hingegen können Netze überstehen.

Bernstein ist fossiles Baumharz. Wenn sich vor Jahrmillionen in den klebrigen Harztröpfchen beim Aushärten Tiere oder Pflanzen verfingen, entstanden die Bernstein-Inklusen. Immer wieder machen Forscher in Bernstein interessante Entdeckungen. Neueste Techniken wie hochauflösende Computertomografie erlauben es sogar, die eingeschlossenen Tiere digital zu sezieren - sogar Spinnen (siehe Fotostrecke).

lub/AP



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