Eingewanderter Fisch Allesfresser aus dem Osten erobert deutsche Flüsse

Überraschender Fang im südlichen Rhein: Die Kesslergrundel, eigentlich in Südosteuropa heimisch, breitet sich jetzt auch in deutschen Gewässern aus. Heimischen Fischen droht ein harter Konkurrenzkampf - und Anglern eine Plage.
Neuankömmling im südlichen Rhein: Die Kesslergrundel

Neuankömmling im südlichen Rhein: Die Kesslergrundel

Foto: DDP / Frank Hartmann

Im südlichen Rhein ist offenbar eine neue Fischart eingezogen. Südlich von Mannheim sei eine Kesslergrundel (Neogobius kessleri) ins Netz gegangen, sagt der Fischereireferent Frank Hartmann von der Abteilung Landwirtschaft des Regierungspräsidiums Karlsruhe. Durch den zugewanderten Fisch, der im Rhein nicht heimisch sei, drohten erhebliche ökologische Konsequenzen.

Rund 50 Fischarten leben im Rhein. Mancher droht nun ein harter Konkurrenzkampf mit dem Neuankömmling. Hartmann geht davon aus, dass sich die Kesslergrundel in wenigen Jahren in Baden-Württemberg stark ausbreiten wird. Andere Fischarten komplett verdrängen werde die Kesslergrundel aber wohl nicht. "Doch wir erwarten eine Gesamtverschiebung im ganzen Fischbestand", sagte Hartmann.

Die heimische Mühlkoppe beispielsweise sei bedroht: Sie besetze die gleiche ökologische Nische wie die Kesslergrundel. Zwangsläufig würde die Mühlkoppe daher Lebensräume einbußen, befürchtet der Fachmann. Außerdem sei zu erwarten, dass der Allesfresser mit dem großen Maul außer Krebsen und Insektenlarven auch auf Laich und kleinere Fische aus sei.

Der kleine Fisch schnappt nach jedem Köder

Der Fisch mit hellen Flecken auf dunklem Grund und verwachsenen Bauchflossen stammt aus Küstengewässern und Flussmündungen im Schwarzen Meer und Kaspischen Meer. 1994 wurde er in der österreichischen Donau entdeckt, wohin er wahrscheinlich mit dem Ballastwasser von Frachtschiffen verschleppt worden ist. Danach breitete sich die Kesslergrundel massenhaft in der Donau aus, seit etwa 1999 auch in der deutschen Donau und im Main.

Weshalb sich der Fisch vom Schwarzen Meer aus über die Donau aufwärts durch den Rhein-Main-Donau-Kanal und dann über den Main in den Rhein ausgebreitet habe, sei noch nicht geklärt, sagt Hartmann.

Im Oktober 2006 wurde die Kesslergrundel schließlich erstmals im nordrhein-westfälischen Rhein gesichtet. Dort habe sie sich in den vergangenen Jahren so stark ausgebreitet, dass die Angelfischerei stark beeinträchtigt sei, sagt Hartmann. Die Kesslergrundel schnappe nach jedem Köder, der ihr angeboten werde. Dabei ist der Fisch nach Angaben Rheinfischerei-Genossenschaft in Nordrhein-Westfalen aufgrund seiner geringen Größe von etwa 20 Zentimetern für Angler eigentlich uninteressant.

boj/ddp
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