Eingriffe in Flüsse Staudämme beeinflussen Körperbau von Fischen

Das Aufstauen von Flüssen verändert die Körperform von Fischen. Das haben Forscher in den USA beobachtet. In stehenden Gewässern bewegen sich die Tiere anders als in fließenden - der Körper passt sich daran an.

Staudamm südlich von Krasnojarsk (Russland): Vom fließenden zum stehenden Gewässer
REUTERS

Staudamm südlich von Krasnojarsk (Russland): Vom fließenden zum stehenden Gewässer


London - Strom aus Wasserkraft schützt das Klima. Der dafür nötige Bau von Staudämmen ist jedoch oft umstritten, weil er in der Regel mit einem tiefgehenden Einschnitt in die Landschaft verbunden ist. Doch Staudämme haben auch Konsequenzen für das aquatische Ökosystem: Das Aufstauen des Wassers verwandelt einen Fluss in ein stehendes Gewässer - eine vollkommen neue Herausforderung für die Wasserlebewesen. Die gewohnte Strömung fehlt plötzlich.

Wissenschaftler von der Tulane University in New Orleans haben nun untersucht, welche Auswirkungen Dämme auf die karpfenartigen Fische der Art Cyprinella venusta haben. Travis Haas und seine Kollegen stellten dabei fest, dass in Stauseen lebende Fische über mehrere Generationen ihre Körperform verändert haben.

Die Wissenschaftler hatten in Gewässern des Mobile River Basins im Südosten der USA geforscht, ein 113.000 Quadratkilometer umfassendes Gebiet mit 34 im Areal verteilten Dämmen. Um natürliche Unterschiede im Körperbau auszuschließen, die desto häufiger auftreten, je weiter die Populationen geografisch voneinander entfernt sind, studierten die Forscher immer nur jeweils Fische von benachbarten Flüssen und Reservoirs.

Von ihren in Fließgewässern lebenden Artgenossen unterschieden sich die in Stauseen lebenden Fische in mehreren Punkten: Besonders auffällig war der kleinere Kopf der Fische aus dem Reservoir sowie ihr schmalerer Körper im Gegensatz zu den breiteren Flussfischen. Darüber hinaus befand sich die Rückenflosse weiter vorne am Körper und war zudem an der Basis weitaus kürzer, berichten die Forscher im Fachblatt "Proceedings of the Royal Society B". Die Augen saßen etwas tiefer und mehr in Richtung des Bauchs. Darüber hinaus konnten die Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen der Größe des Stausees und der Körpergröße von Cyprinella venusta feststellen.

Für die Forscher stellen die Änderungen in der Körpermorphologie eine direkte Antwort auf die neue Umgebung dar. Sie vermuten, dass das Aufstauen von Gewässern einen starken evolutionären Druck auf aquatische Lebewesen ausübt. Die Veränderungen der Körperform haben einen direkten Einfluss auf die Fitness der Fische. So beeinflussen die von den Forschern als morphologische Verschiebungen bezeichneten Veränderungen beispielsweise die Art der Fortbewegung der Wasserbewohner. Auch Veränderungen der Populationen der Beutetiere seien ein Auslöser für die körperliche Umgestaltung.

hda/ddp



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