Klimaphänomen 2020 droht wieder Extremwetter durch El Niño

Kommendes Jahr könnte ein El Niño wieder das Wasser im Pazifik aufheizen und der Welt neue Temperaturrekorde bescheren. Forscher spekulieren, ob das Phänomen in Zukunft auch im Indischen Ozean auftritt.
Hitze im Pazifik beim letzten El Niño (2015): "Extremereignisse werden noch extremer"

Hitze im Pazifik beim letzten El Niño (2015): "Extremereignisse werden noch extremer"

Foto: AFP / NOAA

Es passiert alle zwei bis sieben Jahre, oft um die Weihnachtszeit. Dann erwärmt sich im heißen Südsommer das sonst vergleichsweise kühle Wasser vor der Pazifikküste Südamerikas. Die Fischer können kaum noch etwas fangen, weil sich ihre Beute in andere Meeresgebiete verzogen hat - oder aus Nahrungsmangel gestorben ist.

El Niño, das Kind, nennen sie das Phänomen und spielen damit auf das Christkind an, das in diesen Jahren schlimme Geschenke bringt:

  • Neben dem fehlenden Fisch haben die Menschen in Südamerika oft auch mit massiven Niederschlägen zu kämpfen, mit Überschwemmungen und Erdrutschen.
  • An der Ostküste Afrikas können Dürren entstehen.
  • In Australien und Indonesien gibt es ebenfalls Trockenheit, die das Risiko verheerender Waldbrände steigen lässt.
  • In Indien kann sich der Verlauf des Monsuns ändern, was Hungersnöte zur Folge haben kann.
  • Die Hitze im Pazifik treibt traditionell auch die globale Durchschnittstemperatur noch einmal in die Höhe.

Warum genau es zu einem El Niño kommt, ist nicht ganz klar. "Es sind noch nicht alle Prozesse verstanden", sagt Josef Ludescher vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Das Phänomen ist aber Teil eines riesigen Wechselspiels, das Ozean und Atmosphäre im Pazifik bestimmt.

Los geht es, wenn sich die in der Region normalerweise von Ost nach West wehenden Passatwinde abschwächen. Dann gelangt das warme Oberflächenwasser nicht mehr wie sonst in die Gegend um Indonesien, sondern staut sich vor Südamerika. Damit kann dort auch das kalte Wasser des Humboldtstroms nicht mehr aus den Tiefen des Ozeans an die Oberfläche gelangen. Die Wassertemperaturen legen massiv zu.

El Niño mit 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit im kommenden Jahr

"Es ist schwierig vorherzusagen, wann der nächste El Niño auftritt", sagt Pedro DiNezio von der University of Texas in Austin. Normalerweise liegt die Vorwarnzeit entsprechender Computersimulationen bei etwa einem halben Jahr. Für die Modelle werden möglichst viele der Prozesse in Ozean und Atmosphäre so realitätsnah wie möglich nachgebildet.

Ein deutsch-israelisches Forscherteam, zu dem auch PIK-Wissenschaftler Ludescher gehört, hat nun ein Vorhersageverfahren vorgestellt , das auch länger gültige Prognosen ermöglichen soll. Dabei werden im Gegensatz zu den sonst gebräuchlichen Modellen die physikalischen Prozesse nicht nachgebildet. Stattdessen analysiert ein Computer die Wetterdaten eines Messnetzwerks im tropischen Pazifik mit statistischen Methoden. "Wir werten die Lufttemperaturen aus und schauen, ob es Zusammenhänge zwischen dem Gesamtpazifik und dem El-Niño-Kerngebiet gibt", sagt Ludescher.

Die Forscher sagen, dass sich ein kommender El Niño im Zusammenspiel der Daten erkennen lasse, etwa wenn bestimmte Temperaturwerte in weit entfernten Regionen gleichzeitig in die Höhe gehen. Die Gruppe vergleicht diesen Fall mit dem Zusammenspiel von Instrumenten in einem Orchester. Agierten verschiedene Gegenden im Pazifik dagegen eher wie einzelne Solisten unabhängig, entwickle sich kein El Niño.

Basierend auf dem statistischen Modell geht die Gruppe davon aus, dass es im Winter 2020 mit 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit einen El Niño geben wird.

Temperaturunterschiede im Meer verstärken sich

Eigentlich wollten die US-Wissenschaftler DiNezio und Jessica Tierney von der University of Arizona in Tucson auf dem Jahrestreffen der American Geophysical Union (AGU) in San Francisco in der vergangenen Woche eine neue Arbeit vorstellen, wonach sich bis zum Ende des Jahrhunderts auch im Indischen Ozean ein El Niño entwickeln könnte. Doch die Begutachtung des Fachartikels durch Kollegen ist noch nicht abgeschlossen, die Veröffentlichung steht noch aus. Daher konnten sie ihre Ideen nur grob skizzieren.

Bisher, so beschrieben sie, sei der Indische Ozean aus Klimasicht der ruhigste Bereich der Tropen. Zwar gibt es bereits heute leichte zyklische Schwankungen bei den Wassertemperaturen der Region. Aktuell ist es dadurch im westlichen Teil des Meeresgebiets wärmer als normal, im östlichen dagegen kühler. Doch Klimamodelle zur Entwicklung der Ozeantemperaturen legten bei hohen CO2-Emissionen in der Zukunft nahe, dass sich der Temperaturunterschied in verschiedenen Teilen des Meeresgebiets noch merklich verstärken würde, sagte Tierney.

Das bedeutet: Durch den Klimawandel würde ein El Niño im Indischen Ozean wahrscheinlicher. Zu den Folgen vor Ort dürften verstärkte Trockenheit in Südostasien und Australien gehören. In ostafrikanischen Ländern wie Kenia, Tansania, Ruanda und Burundi könnte es dagegen mehr Starkregenereignisse geben, die Überflutungen und Erdrutsche zur Folge hätten.

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