Debatte um El-Niño-Prognose Und jetzt zum Weltwetter

Das Wetterphänomen El Niño sorgt weltweit für Unwetter. Nun glauben deutsche Forscher, die gefährliche Witterung besser vorhersagen zu können. Doch wie nützlich ist die Prognose?

REUTERS/NOAA Environmental Visualization Lab

Hamburg - Alle paar Jahre erwärmt sich der tropische Pazifik in bedrohlichem Maße. Das sogenannte El-Niño-Phänomen ändert Wind und Wetter in der halben Welt: Mancherorts gibt es Dürre, anderswo Extremregen, oder es bleiben die Fische weg. Umso wichtiger erscheint es, die Witterung rechzeitig vorherzusagen. Doch El-Niño-Prognosen erweisen sich oft als falsch.

Nun melden deutsche Forscher nach eigenen Angaben einen "Durchbruch für die El-Niño-Vorhersage". Es sei gelungen, die Vorwarnzeit von sechs auf zwölf Monate zu erweitern, berichten Experten um Josef Ludescher und Armin Bunde von der Universität Gießen im Wissenschaftsblatt "PNAS".

Die statistische Analyse jahrzehntelanger Messungen an mehr als 200 Bojen im Pazifik habe gezeigt, dass es vor einem El Niño oft verräterische Signale gebe. Die Wassertemperatur an den Bojen verändere sich nicht zufällig, ihre Entwicklung stehe vielmehr in einem Zusammenhang, den die Forscher nun enthüllen konnten. Bereits ein Jahr im Voraus lasse sich Alarm schlagen, sofern eine Temperaturschwelle überschritten werde.

Wo regnet es?

"Um einige der schlimmsten Auswirkungen von El Niño zu vermeiden, ist eine längere Vorwarnzeit unglaublich wichtig, denn das gibt den Menschen in den betroffenen Regionen mehr Zeit zur Vorbereitung", erklärt Mitautor Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdam-Insitut für Klimafolgenforschung in einer Pressemitteilung.

Die Prognose sagt allerdings nichts über die Auswirkungen eines El Niños an einzelnen Orten, sondern lediglich sein Eintreten anhand eines Stärke-Index vorher. Das Verfahren sei mathematisch neu und interessant, sagt Martin Visbeck vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften in Kiel. "Leider wird es in der praktischen Anwendung nur eine untergeordnete Rolle spielen", glaubt der Ozeanograf. Jedes El-Niño-Ereignis sei etwas anders. "Am Ende wollen die Menschen wissen, wo es mehr regnet."

Verbesserungen der Prognosen wären gleichwohl erforderlich: Im vergangenen Jahr hatten Behörden vor einem El Niño gewarnt, der dann aber nicht eingetreten war. "Aufgrund unserer Methode hätten wir schon ein halbes Jahr vorher Entwarnung geben können", berichtet Armin Bunde.

Wirkung des Klimawandels

Ob die neue Methode auch in der Praxis überzeugt? Die beiden El Niños seit dem Jahr 2000 sind auch dem neuen System durch die Lappen gegangen. Die neue Methode wurde geeicht am Pazifik der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. "Leider haben fast alle statistischen Modelle das Problem mit der voranschreitenden Erwärmung des Klimas", gibt Visbeck zu bedenken. Im Laufe des Klimawandels müsse man ein statistisch verändertes Klima annehmen.

Eine neue Studie zeigt, dass sich El Niños in den vergangenen Jahrzehnten offenbar verstärkt haben. Forscher um Jinbau Li von der University of Hongkong haben 2222 Baumstämme aus allen Erdteilen im Umkreis des Pazifiks analysiert. Die Dicke der Jahresringe aus sieben Jahrhunderten kann Niederschläge und Temperaturen dokumentieren. El Niño war in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts so stark wie in 700 Jahren zuvor nicht, berichten Jinbau Li und Kollegen nun im Fachblatt "Nature Climate Change".

Möglicherweise habe die globale Erwärmung El Niño verstärkt, spekulieren die Studienautoren. Klimasimulationen hatten solch einen Wandel der pazifischen Witterung allerdings nicht auf der Rechnung. Ihre Analyse solle nun helfen, die Modelle zu verbessern, schreiben die Forscher.

boj

insgesamt 15 Beiträge
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vogtnuernberg 02.07.2013
1. Fazit...
Fazit... Nichts Genaues weiß man nicht und die letzten beiden El Ninos wären nicht vorhergesagt worden. Bisher wurde noch kein einziger El Nino vorhergesagt, sondern nur das Modell so gebaut, dass es die "alten" El Ninos im letzten Jahrhundert erklärt. Das ist jedoch wissenschaftlich kein korrektes Modell, geschweige denn eine Theorie. Peinlich, was heute als Wissenschaft verkauft wird - oder als Wissenschaftsjournalismus, denn oft werden ja wichtige Dinge auch verschwiegen, die zum Verständnis beitragen würden.
Holledauer 02.07.2013
2. Herr Schellnhuber: Meister der Anpassung
Wenn Herr Schellnhuber bei der Forschung um das El Nino-Phänomen ähnlich "gut" gearbeitet hat, wie in seinen Erd-Klimaprognosen bzw. Anpassung seiner Forschungsergebnisse an den politischen Mainstream (nachzulesen in "Die kalte Sonne", herausgegeben von den Herren Vahrenholt und Lüning), dann sollten seine Ergebnisse mit äußerster Vorsicht behandelt werden. Dass dieser Einwand durchaus auch bei der El-Nino Problematik berechtigt ist, zeigen die seit dem Jahr 2000 aufgetretenen Fehler.
raumzeit3000 02.07.2013
3. Interessant!
Bin optimistisch, dass die Prognose funktioniert. Der Test hat immerhin ein ganzes Jahrhundert umfasst. Ein Fortschritt ist es auf jeden Fall.
KlausErmecke 02.07.2013
4. Wenn "Schellnhuber" in der Autorenliste steht ...
... ist meist Scharlatanerie drin. Schellnhuber propagiert das Konzept einer CO2-getriebenen Erderwärmung - einem physikalisch längst entzauberten Märchen. Darauf baut er bombastische Aussagen auf, und apokalyptische politische Visionen, die unter dem Namen "Große Transformation" bis zu Umerziehungsfeldzügen führen, zu Planwirtschaft mit erzwungener Wohlstandszerstörung, und zu der praktischen Entmachtung des Parlaments. Nach den früher geltenden Maßstäben wäre dieser Herr ein Fall für den Verfassungsschutz. Nach den heute geltenden ist er Berater der deutschen Kanzlerin.
AndyH 02.07.2013
5. Voraussagbar schon lange
El-Ninos sind voraussagbar, allerdings durch Sonnenbeobachtungen und nicht durch CO2 blinden. Dr Theodor Landscheidt (1927-2004) Schroeter Institute for Research in Cycles of Solar Activity Nova Scotia, Canada Solar Activity Controls El Niño and La Niña
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