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09. November 2018, 14:23 Uhr

Globale Wetterwende

Was eine Rückkehr von El Niño bedeutet

El Niño bringt Dürren, Stürme und Überschwemmungen - zuletzt wütete das Wetterphänomen in den Jahren 2015 und 2016. Klimaforscher sehen erste Anzeichen für seine Rückkehr.

Das Japanische Wetterbüro und die amerikanische Ozeanbehörde NOAA sind sich einig: Das Wetterphänomen El Niño steht bevor. Demnach entwickelt es sich in rund acht von zehn Fällen, wenn die Bedingungen so sind wie derzeit. Noch im Winter 2018/19 könne El Niño in der nördliche Hemisphäre auftreten.

Wenn sich das Wasser im östlichen und zentralen Pazifik aufheizt, ist das ein klares Zeichen für El Niño. Dann kommt es zum Beispiel in Mittel- und Südamerika, Südafrika, Südasien und Australien zu Dürren, an anderer Stelle drohen Überflutungen und tropische Wirbelstürme (siehe Grafik).

In der letzten Wochenbilanz lag die Temperatur in mehreren wichtigen Pazifikregionen fast ein Grad über dem langjährigen Mittel, schreibt die NOAA. Ab einem Wert von 0,5 Grad sprechen Experten von einem El Niño. Die Grenze muss mindestens auf Monatsbasis überschritten werden, das ist noch nicht überall der Fall. Die Temperatur liegt aber in allen wichtigen Regionen über dem langjährigen Mittelwert.

Gigantische Warmwassermengen im Pazifik

Gesichert ist das Auftreten von El Niño zudem erst, wenn Experten davon ausgehen, dass die Temperatur auch erhöht bleibt und die Atmosphärenluft auf das wärmere Wasser reagiert. Die meisten Prognosen sagen das derzeit voraus.

El Niño hat folgende Auswirkungen: Normalerweise blasen Passatwinde entlang des Äquators im Pazifik von Osten nach Westen. Sie drücken auch das Wasser in diese Richtung und spülen so warmes Oberflächenwasser in die Region um Indonesien. Um Südamerika dringt gleichzeitig kaltes Wasser aus den Tiefen des Ozeans an die Oberfläche.

Flauen die Winde bei einem El Niño ab, schwappen die warmen Wassermassen aus Ostasien zurück. Innerhalb von ein paar Monaten bewegen sich gigantische Mengen warmen Wassers durch den Pazifik und gelangen vor Südamerika an die Oberfläche. Das Wasser gibt dort Wärme an die Luft ab.

Zuletzt wütete El Niño in den Jahren 2015 und 2016 und führte damals zu Ernteausfällen, Waldbränden und Überschwemmungen (mehr dazu lesen Sie hier).

Hinweis der Redaktion: Die Temperaturanomalie der letzten Wochenwerte lag bei knapp einem Grad, statt wie zunächst im Text angegeben bei 0,7. Zudem erwarten Experten, dass die Lage in nächster Zeit so bleibt. Wir haben den Fehler korrigiert.

jme

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