Wilderei Dramatisches Elefantensterben in Afrika

Einst lebten 20 Millionen Elefanten in Afrika, jetzt sind es noch 350.000 - deutlich weniger als vermutet. Ursache ist die Wilderei.
Afrikanischer Elefant

Afrikanischer Elefant

Foto: TONY KARUMBA/ AFP

Um die Afrikanischen Elefanten steht schlechter als gedacht. Beim ersten fast kontinentweiten Zensus der bedrohten Tiere kamen Forscher nur noch auf 352.271 Elefanten in 18 afrikanischen Staaten.

Bisher wurde der Gesamtbestand auf 400.000 bis 630.000 Exemplare geschätzt - je nach Quelle und Methode. Forscher hatten zwei Jahre lang Herden und Skelette von Flugzeugen aus gezählt. Gut vier Fünftel davon leben in Reservaten.

Den Zählungen zufolge sank in den 15 Staaten, aus denen historische Vergleichsdaten vorliegen, die Zahl der Afrikanischen Elefanten (Loxodonta africana) zwischen 2007 und 2014 um 30 Prozent - oder 144.000 Tiere.

Im Schnitt schrumpfen die Bestände derzeit um acht Prozent pro Jahr, berechneten die Forscher. Grund dafür sei vor allem Wilderei.

Einer anderen neuen Studie zufolge leiden auch Waldelefanten (Loxodonta cyclotis) - die zweite und wesentlich seltenere Elefanten-Spezies in Afrika - an den Folgen der Wilderei. Das wiegt besonders schwer, weil Waldelefanten seltener Nachwuchs bekommen.

"Unglaublich entmutigend"

Beide Studien werden auch auf der Weltnaturschutzkonferenz (IUCN) Thema sein, die am Donnerstag in Honolulu beginnt. Die Versammlung will sich unter anderem für ein Binnenhandelsverbot mit Elfenbein einsetzen.

Bevor Europäer den afrikanischen Kontinent besiedelten, lebten dort Schätzungen zufolge bis zu 20 Millionen Elefanten. 1979 waren es noch etwa 1,3 Millionen. Nach dem Inkrafttreten eines internationalen Handelsverbots für Elfenbein 1989 erholten sich die Bestände vielerorts, doch seit 2005 dezimieren Wilderer sie erneut drastisch.

"Die Ergebnisse des Großen Elefanten-Zensus zeigen ganz klar, dass Wilderei immer noch in ganz Afrika Elefantenherden dezimiert", sagte der stellvertretende Chef des Uno-Umweltprogramms Unep, Ibrahim Thiaw. Das sei auf jeder Ebene sinnlos - auf moralischer, ökonomischer und politischer.

"Wenn man daran denkt, wie viele Elefanten in manchen Gebieten vor zehn oder 20 Jahren noch lebten, dann ist das unglaublich entmutigend", sagte Forscher Michael Chase von der Organisation Elefants Without Borders  in Botswana. "Früher versorgten diese Ökosysteme Tausende von Elefanten, wo wir nur Hunderte oder Dutzende zählten."

Hoffnung Tourismus

Im Babile-Elefanten-Schutzgebiet in Äthiopien etwa entdeckten die Forscher noch eine einzige Elefantenherde mit 36 Mitgliedern - die letzte im gesamten Horn von Afrika. In Angola, Kamerun und Mosambik wurden besonders viele alte und jüngere Elefanten-Kadaver gesichtet. Auch insgesamt mehr als 200 Wildererlager entdeckten die Forscher von den Flugzeugen aus.

Am dichtesten mit Afrikanischen Elefanten besiedelt sind dem Zensus zufolge Botswana (130.451) und Simbabwe (82.304). Namibia, das ebenfalls über größere Bestände verfügt, hat seine privat finanzierten Zählungen dem Zensus nicht zugänglich gemacht. Zusammen mit Simbabwe möchte Namibia den Handel mit Elfenbein wieder legalisiert sehen.

Kenia hingegen, dessen Elefantenbestände (25.959) sich tendenziell erholen, setzt auf Elefantenschutz, weil er Geld im Tourismus bringt. Auch Thiaw plädiert für diesen Ansatz: "Staaten in Afrika entdecken, dass wildlebende Tiere lebendig mehr Wert bringen als tot, und dass sie helfen, Einkünfte zu erzielen, um Bildung, Gesundheitssysteme und Infrastruktur zu finanzieren."

Wenig Nachwuchs

Noch sensibler reagieren die Waldelefanten auf die Bedrohung ihres Lebensraums und die Wilderei. Einer im "Journal of Applied Ecology" veröffentlichten Studie der Wildlife Conservation Society (WCS, New York) zufolge sind Waldelefanten eine der sich am langsamsten fortpflanzenden Spezies.

Die Bestände haben sich der Studie zufolge zwischen 2002 und 2013 um 65 Prozent dezimiert. Es würde ein Jahrhundert dauern, bis sie sich erholt haben, sagte Andrea Turkalo, WCS-Forscher in der Zentralafrikanischen Republik.

Von 1990 bis 2013 beobachtete er fast täglich Waldelefanten in der Dzanga Bay (Zentralafrikanische Republik) und sammelte Daten. "Weibliche Waldelefanten in der Dzanga Population bekommen das erste Junge erst mit 23 Jahren, das ist bemerkenswert spät", sagte Turkalo.

Die Afrikanischen Elefanten pflanzten sich bereits mit 12 Jahren fort und zudem auch häufiger - alle drei bis vier Jahre. Waldelefantenkühe seien nur alle fünf bis sechs Jahre trächtig.

boj/dpa