Emissionshandel Pleite für Ozeandünger Planktos

Das Unternehmen Planktos, das mit Eisendüngung Algenwuchs in den Ozeanen anregen wollte, stellt seine Aktivitäten vorerst ein. Planktos wollte mit dem Verkauf von CO2-Zertifikaten Geld verdienen - nun gingen dem Unternehmen die Mittel aus. Schuld sollen aber die anderen sein.

Für das Management von Planktos sind die anderen Schuld. Eine "höchst effektive Desinformationskampagne" sei von "Anti-Ausgleichs-Kreuzfahrern" gegen das eigene Unternehmen durchgeführt worden. Deshalb habe man nun "ernste Schwierigkeiten", das notwendige Kapital zusammenzubringen, um die eigenen Pläne fortzuführen. Planktos wollte, verkürzt gesagt, mit der Düngung der Ozeane Geld verdienen: Mit Eisenspänen, die von Schiffen ins Meer geworfen werden sollten, wollten die Betreiber das Algenwachstum anregen. Algen atmen, wie andere Pflanzen auch, CO2 ein. Das so aus der Atmosphäre entfernte CO2 wollte man sich auf dem internationalen Markt für Ablass-Zertifikate vergüten lassen.

Die Anteile des Unternehmens hatten schon im Verlauf des vergangenen Jahres ständig an Wert verloren. Nun müsse man die eigenen Pläne "auf unbestimmte Zeit" vertagen, so die Mitteilung auf der Unternehmenswebseite . Schuld daran seien "ideologische Feindseligkeit" und "Fehldarstellungen" der eigenen Pläne - so die Vorwürfe des Unternehmens. Da halfen offenbar auch öffentlichkeitswirksame Aktionen nichts - wie die, dem Vatikan einen Wald in Ungarn zu schenken, damit sich der Zwergstaat nun "klimaneutral" nennen kann.

Weniger CO2 - oder vielleicht mehr?

Tatsächlich hatte es an dem Vorhaben, in großem Stil Algendüngung zu betreiben, von verschiedenen Seiten teils heftige Kritik gegeben. Wissenschaflter, etwa die Mitglieder des europäischen Forschernetzwerks "Euroceans", warnten, die Auswirkungen solcher Aktionen seien längst nicht ausreichend erforscht

Ein solcher Eingriff in ein sensibles Ökosystem könne unabsehbare Folgen haben. Manche Forscher glauben sogar, die Folge einer großflächigen Eisendüngung könne letztendlich sogar eine CO2-Zunahme sein - weil mehr Phytoplankton (Algen) auch zu einem steigenden Wachstum von Zooplankton (Kleinst-Tieren) führen kann. Derzeit laufen mehrere Forschungsprojekte, die ebensolche Auswirkungen untersuchen sollen, unter anderem am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven.

Kritik an den Planktos-Plänen kam aber auch von Umweltschutzverbänden und Organisationen wie Greenpeace. Die als radikal geltende Sea Shepherd Conservation Society, die sich auch in sehr offensiver Weise gegen den Walfang engagiert, hatte im vergangenen Jahr gedroht, einen Planktos-Testlauf in der Nähe der Galapagos-Inseln zu verhindern.

Es gibt weitere Unternehmen, die mit ähnlichen Konzepten den Ozean zur CO2-Falle ausbauen wollen. Das US-Unternehmen Climos  will frühestens im kommenden Jahr mit Feldversuchen zur Algendüngung beginnen, wie das Fachmagazin "Nature" in seiner Online-Ausgabe berichtet. Die in Australien ansässige Ocean Nourishment Corporation  will Harnstoff ins Meer einleiten, ebenfalls um die Algenblüte anzuregen. Die Regierung der Philippinen hat dem Unternehmen die Erlaubnis erteilt, vor der eigenen Küste entsprechende Versuche durchzuführen. Auch diese Pläne stoßen auf die Kritik von Umweltschützern .

cis

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