Energiebilanz des Planeten Die Erde speichert fast doppelt so viel Wärme wie 2005

Zwischen 2005 und 2019 hat die Erde wachsende Mengen Wärmeenergie gewonnen. Fachleute sprechen von einem »beispiellosen Anstieg«, der ungebremst deutliche Klimaveränderungen zur Folge haben dürfte.
Sonnentag in Kalifornien

Sonnentag in Kalifornien

Foto: Luis Sinco / Los Angeles Times via Getty Images

Die Energiemenge, die die Erde jährlich unterm Strich aufnimmt, hat sich in nur 14 Jahren fast verdoppelt, berichten Fachleute der amerikanischen Weltraum- und Ozeanbehörden Nasa und NOAA in einer Studie im Fachmagazin »Geophysical Research Letters« . Das verstärke den globalen Temperaturanstieg.

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Die Ursache sei wahrscheinlich eine Mischung aus menschengemachten Faktoren und natürlicher Variabilität, erklärte Nasa-Forscher Norman Loeb, der die Studie geleitet hat. Beide Faktoren hätten wohl eine Erwärmung begünstigt und so zu dem Ungleichgewicht in der Energiebilanz des Planeten beigetragen. Das Ausmaß des Anstiegs sei »beispiellos«.

Großteil der Wärme wird in Ozeanen gespeichert

Das Klima auf der Erde hängt unter anderem davon ab, wie viel Wärmestrahlung der Sonne die Atmosphäre, Böden und Ozeane aufnehmen und wie viel als thermische Strahlung zurück ins All abgegeben wird. »Ein positives Energieungleichgewicht bedeutet, dass das Erdsystem Energie dazugewinnt, wodurch sich der Planet aufheizt«, schreibt die Nasa . Dieses positive Ungleichgewicht war 2019 fast doppelt so groß wie noch 2005.

Für die Studie haben die Fachleute Satellitendaten zur Wärmestrahlung der Erde und Informationen des Programms Argo aus den Jahren 2005 bis 2019 ausgewertet. Im Rahmen von Argo werden seit dem Jahr 2000 mit einer Roboterflotte unter anderem Temperatur, Salzgehalt und Strömungen in den Weltmeeren erfasst.

Da die Ozeane fast die gesamte Energiemenge aus dem Ungleichgewicht auf der Erde aufnehmen, spiegelten sich die von den Satelliten erfassten Wärmemengen in Temperaturveränderungen in den Ozeanen wider. »Die beiden unabhängigen Betrachtungsweisen stimmen sehr gut überein«, so Loeb. Das verdeutliche, dass es sich um ein reales Phänomen handele.

Momentaufnahme eines langfristigen Klimawandels

Höhere Mengen Treibhausgase in der Atmosphäre verringern zunehmend die Wärmestrahlung, die die Erde zurück ins All geben kann. Die dadurch vorangetriebene Erwärmung der Erde begünstigt wiederum die Eisschmelze und beeinflusst die Wolkenbildung, was sich ebenfalls aufs Klima auswirkt. Seit 2005 hat die Menge an Treibhausgasen wie Kohlendioxid (CO₂) und Methan in der Atmosphäre weiter zugenommen.

Zugleich habe sich ein natürliches Wetterphänomen im Pazifik, die sogenannte Pazifische Dekaden-Oszillation (PDO), von einer kühleren Phase zu einer wärmeren verschoben und das Energieungleichgewicht sich weiter in Richtung eines Überschusses entwickelt, berichten die Forscher. Seit ungefähr 2014 führe die PDO zu einer Verringerung der Wolkenbedeckung über dem Ozean, sodass dieser mehr Sonnenstrahlung aufnimmt.

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Die Arbeit sei insofern eine Momentaufnahme, erklärte Loeb. Es sei nicht möglich, mit Sicherheit vorherzusagen, wie sich der Energiehaushalt der Erde in den kommenden Jahrzehnten entwickeln werde. Gehe die von der Erde aufgenommene Energiemenge jedoch nicht zurück, seien noch deutlich größere Klimaveränderungen zu erwarten, als bereits eingetreten sind.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung des Artikels hieß es im ersten Satz, die Energiemenge, die in der Erde gespeichert sei, habe sich in nur 14 Jahren verdoppelt. Tatsächlich hat sich die Energiemenge, die die Erde jährlich unterm Strich dazugewinnt, verdoppelt. Wir haben die Formulierung korrigiert.

jme
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