Solarparks und Naturschutz Wo Feldlerche auf Distelfalter trifft

Für die Energiewende müssen gigantische Solarparks gebaut werden. Damit entstehen oft neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen – mit erstaunlicher Artenvielfalt. Doch die Branche könnte noch mehr für die Umwelt tun.
Fotovoltaik-Park in Gaarz, Mecklenburg-Vorpommern: »Werden Solarparks naturschutzgerecht geplant und betrieben, sind sie ein Gewinn für die Biodiversität«

Fotovoltaik-Park in Gaarz, Mecklenburg-Vorpommern: »Werden Solarparks naturschutzgerecht geplant und betrieben, sind sie ein Gewinn für die Biodiversität«

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Jens Büttner / dpa

Deutschlands größter Solarpark steht bei Bernau, nur ein paar Kilometer nordöstlich von Berlin – auf 164 Hektar, der Fläche von 230 Fußballfeldern, sind dort rund 465.000 Module installiert. Gigantisch? Die Solarindustrie denkt längst weiter: In Mecklenburg-Vorpommern wird derzeit eine 310 Hektar große Anlage geplant.

In der Branche herrscht Aufbruchstimmung. Denn klar ist: Um die Klimaziele zu erreichen, muss die Fotovoltaik stärker ausgebaut werden als bislang vorgesehen. Die Dachflächen allein genügen dafür aber nicht. Daher werden in den nächsten Jahren hierzulande unzählige größere und kleinere Solarparks entstehen.

Doch was bedeutet das für Tiere und Pflanzen? Leidet die Artenvielfalt, wenn Solarstrom erzeugt wird, wo zuvor Äcker und Wiesen waren?

Reiche Nahrung, gute Verstecke

Diese Fragen hat Tim Peschel, ein Naturschutz-Gutachter aus Berlin, in einer Studie (PDF ) für den Bundesverband Neue Energiewirtschaft untersucht. Der Experte hat dazu Erhebungen zu Flora und Fauna in 75 Freiflächenanlagen ausgewertet, darunter zahlreiche Vorher-nachher-Vergleiche. Sein Fazit: »Werden Solarparks naturschutzgerecht geplant und betrieben, sind sie ein Gewinn für die Biodiversität.«

So zeigt die Studie unter anderem, dass Solarparks bodenbrütende Vögel wie etwa Feldlerchen, Schwarzkehlchen oder Grauammern anziehen können. Wegen des reichen Nahrungsangebotes und der vielen Versteckmöglichkeiten fühlen sich dort oft auch Reptilien wohl, allen voran Zauneidechsen. Ebenso bieten sie vielen Insektenarten Lebensraum – in drei Brandenburger Anlagen zum Beispiel fanden sich insgesamt 35 Heuschrecken- und 44 Tagfalterarten.

»Der Klima- und der Artenschutz gehören zu den größten Aufgaben unserer Zeit. Solarparks bieten die Möglichkeit, beides miteinander zu verbinden«, ist Peschel überzeugt.

Mehr Leben auf ehemaligen Äckern

Allerdings ist Solarpark nicht gleich Solarpark. So hängt der Wert für den Artenschutz stark davon ab, wie die Fläche zuvor genutzt wurde. »Wenn Standorte vorbelastet sind, etwa durch intensive Landwirtschaft, bedeutet ein Solarpark eine Aufwertung – schon allein, weil auf Dünger und Pestizide verzichtet wird«, sagt Tina Mieritz, Referentin für Energiepolitik und Klimaschutz beim Naturschutzbund Nabu. Mit der extensiven Nutzung für die Fotovoltaik entstehen hier neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen.

Auch auf ehemals militärisch genutzten Flächen sind Solarparks in der Regel ein Gewinn für den Artenschutz. Denn deren Pflege verhindert das Zuwuchern des Geländes mit Büschen. Das kommt Tieren und Pflanzen zugute, die offene Landschaften lieben, Bodenbrütern zum Beispiel.

Anders dagegen Schutzgebiete und andere ökologisch wertvolle Flächen, auf denen gefährdete Arten siedeln: »Hier wirkt sich der Bau eines Solarparks negativ auf die Biodiversität aus«, erklärt Mieritz. Sie müssen daher für die Fotovoltaik Tabu sein, fordert sie.

Artenvielfalt durch Wechselspiel von Licht und Schatten

Wie naturverträglich eine Anlage ist, ist jedoch nicht nur eine Frage des Standorts, sondern auch ihrer Gestaltung. Schon bei der Planung können die Projektierer viel für Artenschutz und -vielfalt tun, sagt Mieritz. »Ganz wichtig ist der Abstand zwischen den Modulreihen. Hier sollten mindestens drei Meter Platz bleiben, sodass genug Sonnenlicht und Niederschlag direkt auf den Boden gelangen kann«, erläutert sie. Im Wechselspiel von offenen Grünflächen und überdachten, schattigen Bereichen ergäben sich so vielfältige Lebensräume.

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Durch die Anlage von Hecken, Totholz- und Steinhaufen oder kleinen Teichen auf dem Gelände können Anlagenbetreiber zudem Habitate für Vögel, Reptilien, Amphibien und Insekten schaffen.

Die Hoffnung der Branche: Artenschutz bringt Akzeptanz

Solche Maßnahmen verursachen allerdings Kosten, die nicht jedes Unternehmen zu zahlen bereit ist. »Projektierende könnten oft mehr für Biodiversität und Artenschutz leisten, als sie es heute tun«, kritisiert Natalie Arnold, Solarexpertin des Kompetenzzentrums Naturschutz und Energiewende (KNE).

Nun hat der Bundesverband Solarwirtschaft die Initiative ergriffen: Zusammen mit dem Nabu hat der Branchenverband als eine Art Selbstverpflichtung Kriterien für naturverträgliche Anlagen definiert – explizit auch mit dem Ziel, die Akzeptanz der Bürger zu fördern.

Dabei dürfte dem Branchenverband die Windindustrie als Mahnung vor Augen stehen. Denn dass heute kaum noch neue Windparks errichtet werden, liegt unter anderem daran, dass sich Anwohner oft massiv gegen den Bau wehren. Das soll sich bei der Fotovoltaik nicht wiederholen.

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