Nach sechs Jahren Forschung Erbgut der Zuckerrübe entschlüsselt

Zuckerrüben decken fast ein Drittel des weltweiten Zuckerbedarfs. Jetzt haben Wissenschaftler das Erbgut der Pflanze entschlüsselt - und machen Züchtern Hoffnung auf die schnellere Entwicklung neuer Sorten.

Zuckerrübenernte (in der Magdeburger Börde, Oktober 2012): "Einfacher neue Sorten etablieren"
DPA

Zuckerrübenernte (in der Magdeburger Börde, Oktober 2012): "Einfacher neue Sorten etablieren"


Berlin - Quizfrage: Was haben Hannibal, Haydn, Artus, Dante und William gemeinsam? Antwort: Sie sind allesamt Zuckerrübensorten. Mit einem Anteil von etwa 30 Prozent gehört die Kulturpflanze weltweit zu den wichtigsten Zuckerlieferanten. Außerdem ist sie eine wichtige Quelle für Tierfutter und die Bioethanolproduktion. In Deutschland wird sogar der Großteil des verwendeten Zuckers aus Rüben erzeugt - weil die Europäische Union ihre Zuckerproduzenten mit Zöllen vor billigen Importen schützt.

Nun haben Wissenschaftler das komplette Genom der Zuckerrübe entschlüsselt. "Züchter können jetzt sehr viel schneller und einfacher neue Sorten etablieren", so Heinz Himmelbauer vom Max-Planck-Institut für molekulare Genetik in Berlin und vom Zentrum für Genregulation in Barcelona. Er ist einer der Autoren der im Fachjournal "Nature" veröffentlichten Studie. Dafür hatten knapp 20 Forscher aus Deutschland und Spanien rund sechs Jahre lang an der Entschlüsselung des Zuckerrüben-Erbguts gearbeitet.

Weniger Erbgut für die Genregulation

Die Zuckerrübe wird laut Himmelbauer schon seit etwa 200 Jahren gezüchtet. In dieser Zeit sei der Zuckeranteil von 8 auf 18 Prozent gestiegen. Mit der Entschlüsselung des kompletten Genoms sei es jetzt einfacher, positive Eigenschaften wie Krankheitsresistenzen aus Wildrüben in moderne, ertragreichere Linien hinein zu züchten: "Das ist viel effektiver, wenn man das Genom kennt." Von Wildrüben hätten die Forscher zwar nicht das vollständige Genom entschlüsselt. "Aber sie sind sich doch sehr ähnlich. Es ist die gleiche Spezies", sagte Himmelbauer mit Blick auf Kultur- und Wildpflanze.

Interessant sei auch ein weiteres Ergebnis aus dem Forschungskonsortium: "Die Anzahl der Gene, die für die Genregulation zuständig sind, ist geringer als in anderen bisher sequenzierten Pflanzengenomen", sagte Himmelbauer. Dies eröffne spannende Fragen für die Grundlagenforschung. Die Genregulation sorgt dafür, dass sich bei Lebewesen verschiedene Zelltypen entwickeln oder verändern.

chs/dpa

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insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
z_beeblebrox 19.12.2013
1. Genregulation - aha.
Genregulation klingt ja auch netter als Genmanipulation. Immer interessant, wie durch Wortänderungen ein "Wohlgefühl" erzeugt werden soll: Glasfasern, Aluminiumsilikatfasern gabs früher, heute heißt das Glaswolle und Aluminiumsilikatwolle. Da denkt doch jeder an schöne grüne Landschaften mit jede Menge Schafe. Ergo, alles harmlos. Passt schon.
bertburk 19.12.2013
2.
Zitat von sysopDPAZuckerrüben decken fast ein Drittel des weltweiten Zuckerbedarfs. Jetzt haben Wissenschaftler das Erbgut der Pflanze entschlüsselt - und machen Züchtern Hoffnung auf die schnellere Entwicklung neuer Sorten. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/erbgut-der-zuckerruebe-entschluesselt-a-939782.html
Na Prost Mahlzeit jetzt kommen sogar schon in die Zuckerrüben Gene rein. Wann macht die Regierung endlich was gegen diese ganze Gentechnik?
donnerfalke 19.12.2013
3. Furchtbar
Den Genpfuschern jucken schon die Hände alles zu verändern und zu verbiegen, alles im Namen des höheren Gewinns für Industriefrasskonzerne. Bald wird es kaum noch etwas geben was der Menscht bzw. seine Gier nicht verpfuscht hat, selbst vor der Integrität des Erbguts machen diese Bestien keinen Halt. Einfach nur Furchtbar.
mundi 19.12.2013
4. Harmlose Ideologen
Zitat von z_beeblebroxGenregulation klingt ja auch netter als Genmanipulation. Immer interessant, wie durch Wortänderungen ein "Wohlgefühl" erzeugt werden soll: Glasfasern, Aluminiumsilikatfasern gabs früher, heute heißt das Glaswolle und Aluminiumsilikatwolle. Da denkt doch jeder an schöne grüne Landschaften mit jede Menge Schafe. Ergo, alles harmlos. Passt schon.
Sicher werden sich hier Ideologen finden, die zwar nichts von Gentechnik verstehen, aber jede Züchtung oder Kreuzung als Teufelszeug beschimpfen. Gut, dass es eine Minderheit ist. Sonst hätten wir keine Hunde, Insulin und nicht einmal Grapefruits. Sie nennen potentielle Gefahren, ohne einen konkreten Schdensfall zu kennen. Da sind 1000 tödliche Vegiftungen durch Giftpilze oder Bienenstiche pro Jahr in Deutschland vergleichsweise harmlos.
cassandros 19.12.2013
5. Was macht Ihr Virus am Wochenende?
Zitat von donnerfalkeDen Genpfuschern jucken schon die Hände alles zu verändern und zu verbiegen, alles im Namen des höheren Gewinns für Industriefrasskonzerne. Bald wird es kaum noch etwas geben was der Menscht bzw. seine Gier nicht verpfuscht hat, selbst vor der Integrität des Erbguts machen diese Bestien keinen Halt. Einfach nur Furchtbar.
Ja, ganz furchtbar. *Transposons, Viren, Agrobacterium mit seinem Ti-Plasmid. *Machen einfach vor dem Erbgut einfach keinen Halt. Diese Bestien. Kann man nix machen. So ist sie halt. Die natürliche Natur.
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