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22. Dezember 2010, 14:15 Uhr

Erbgutanalyse

Durch Afrika streifen zwei Elefantenarten

Die Vielfalt der Elefantenarten auf der Erde ist größer als lange angenommen. Denn in Afrika leben tatsächlich zwei verschiedene Arten, wie ein Erbgutvergleich belegt: Wald- und Steppenelefanten unterscheiden sich demnach so stark wie Mammut und Asiatischer Elefant.

Afrika beheimatet mehr als eine Elefantenart: Der kleinere Waldelefant stellt nicht nur eine Unterart dar, sondern unterscheidet sich klar vom Steppenelefanten. Das belegt ein Erbgutvergleich, über den Wissenschaftler aus Deutschland, Großbritannien und den USA im Fachmagazin "PLoS Biology" berichten.

Vollkommen überraschend ist das Ergebnis nicht: Das Team bestätigt damit eine bereits 2001 aufgestellte These, die den auffälligen Unterschieden der in Afrika beheimateten Elefanten Rechnung trägt. Savannenelefanten haben eine Schulterhöhe von 3,5 Metern und wiegen sechs bis sieben Tonnen. Waldelefanten sind mit 2,5 Metern Schulterhöhe deutlich kleiner. Und die in den Urwäldern West- und Zentralafrikas lebenden Rüsseltiere bringen nur halb so viel auf die Waage wie ihre großen Verwandten. Auch Stoßzähne und Ohren unterscheiden sich bei beiden Arten deutlich.

Um die Verwandtschaftsverhältnisse zu klären, verglichen die Forscher nun nicht nur die DNA von Wald- und Steppenelefant, sondern analysierten auch das Erbgut des Asiatischen Elefanten sowie zweier ausgestorbener Arten - des Wollhaarmammuts und des Mastodons.

Trennung so alt wie die von Mensch und Schimpanse

"Das erstaunliche Ergebnis: Afrikanische Wald- und Savannenelefanten, die für eine Art gehalten wurden, unterscheiden sich so stark voneinander wie Asiatische Elefanten und Mammuts", sagt David Reich von der Harvard Medical School, der an der Studie beteiligt war. Michael Hofreiter von der University of York ergänzt: "Die Aufspaltung der beiden Arten ist beinahe so alt wie die von Mensch und Schimpanse." Die Arten trennten sich also vor mehreren Millionen Jahren.

Das Ergebnis könnte kommende Schutzmaßnahmen für die Rüsseltiere beeinflussen. Wird er zweifelsfrei als eigene Art anerkannt, müsste der Waldelefant auch gesondert unter Schutz gestellt werden. "Seit 1950 wurden alle Afrikanischen Elefanten als eine Spezies behandelt", sagt der Zoologe Alfred Roca von der Universität von Illinois. "Da wir jetzt wissen, dass es sich um zwei sehr unterschiedliche Arten handelt, sollte dem Waldelefanten in den Schutzprogrammen mehr Raum gegeben werden." Die Weltnaturschutzorganisation IUCN stuft den Afrikanischen Elefanten als gefährdet ("vulnerable") ein. Besonders in Süd- und Ostafrika wachsen die Elefantenbestände wieder, wo viele Tiere in Nationalparks leben. Hier handelt es sich allerdings um Savannen- nicht um Waldelefanten.

wbr

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