Erbgutanalyse Forscher entziffern das Pferdegenom

Forscher haben das Erbgut des Pferdes sequenziert - und sind überrascht: Das Genom von Equus caballus ähnelt dem des Menschen auf verblüffende Weise. Die Daten könnten neue Erkenntnisse über Erbkrankheiten des Menschen ermöglichen.

Stute "Twilight": Genom des Pferdes ist entziffert
DPA

Stute "Twilight": Genom des Pferdes ist entziffert


Frankfurt/Main - Vor 5000 Jahren zähmte der Mensch das Pferd. Jetzt hat der Mensch auch das Erbgut des Vierbeiners entziffert. Das erste Pferd, dessen rund 2,7 Milliarden DNA-Bausteine nun vollständig bekannt sind, heißt Twilight - eine Rennstute der Rasse "Thoroughbred", wie sie in England genannt wird (deutsch: Englisches Vollblut). Zudem hat das internationale Forscherteam um Kerstin Lindblad-Toh vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) das Erbgut weiterer Pferderassen entziffert - darunter das von Arabern, Hannoveranern, Isländern und Norwegischen Fjordpferden. Ihre Erkenntnisse, die sie nun im Fachmagazin "Science" veröffentlicht haben, sind verblüffend: Die Studie zeigt, dass ein auffällig großer Teil des Pferde-Erbguts mit dem des Menschen übereinstimmt.

Das Pferdegenom ist etwas größer als das des Hundes, aber kleiner als das von Mensch und Kuh. Dennoch liegt gut die Hälfte der Gene in der gleichen Reihenfolge auf den Chromosomen wie beim Menschen. Beim Hund, dessen Erbgut 2005 sequenziert wurde, sind es dagegen nur 29 Prozent.

Gefleckte Pferde sind häufig nachtblind

Jetzt erhoffen sich die Wissenschaftler aus den Daten der veröffentlichten Analyse Aufschluss über die Ursachen Dutzender menschlicher Erkrankungen. Denn: Mehr als 90 erbliche Pferdekrankheiten zeigen auffällige Ähnlichkeiten mit menschlichen Leiden, darunter Muskel- und Entzündungsleiden oder Unfruchtbarkeit. "Die Identifikation der genetischen Wurzeln beim Pferd hilft uns, die Krankheiten bei Pferd und Mensch besser zu verstehen", sagte Lindblad-Toh.

Ein Beispiel lieferten die Forscher bereits. Sie analysierten die Ursache der gefleckten Haut, wie sie etwa für die Rasse Appaloosa typisch ist. Solche Pferde leiden oft an einer Nachtblindheit, die der des Menschen ähnelt. Die Liste der verdächtigen Genmutationen schränkten die Forscher auf 42 ein. Zwei davon liegen bei einem Gen, dass an der Pigmentbildung beteiligt ist. "Das unterstreicht den Nutzen des Pferdes zur Kartierung von Krankheitsgenen", betont Erstautorin Claire Wade von der University of Sydney.

cib/AP/dpa



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