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09. September 2011, 15:31 Uhr

Erbgutanalyse

Hauspferde stammen nicht vom Przewalski-Wildpferd ab

Forscher haben das Erbgut der Przewalski-Wildpferde analysiert und kommen zu einem überraschenden Schluss: Die Tiere sind offenbar doch keine direkten Vorfahren der heutigen Hauspferderassen. Nun muss die Wissenschaft das Bild über die Evolution der Pferde neu überdenken.

Oxford - Przewalski-Pferde sind die letzten heute noch lebenden Vertreter der in ganz Europa und Zentralasien verbreiteten Wildpferde. Benannt wurden sie nach ihrem Entdecker, dem russischen Forscher Nikolai Mikailowitsch Przewalski, der sie 1879 in der Mongolei aufgespürt hatte. Bisher war nicht klar, welche Rolle diese Wildpferde in der Stammesgeschichte der Pferde - der Equiden - hatten.

Jetzt haben US-amerikanische Forscher festgestellt: Die Przewalski-Wildpferde sind offenbar doch keine direkten Vorfahren unserer Hauspferdrassen. Die Wissenschaftler um Kateryna Makova von der Pennsylvania State University berichten im Fachmagazin "Genome Biology and Evolution", dass bisher nicht ausgeschlossen werden konnte, dass unsere Vorfahren vor rund 6000 bis 10.000 Jahren Przewalski-Pferde zähmten und daraus Hauspferde züchteten.

Doch nun haben die Forscher vier komplette mütterliche Erblinien der Przewalski- Pferde analysiert und kommen zu einem völlig anderen Schluss: "Unsere Daten deuten stattdessen darauf hin, dass sich die Stammlinien beider Arten schon vor mehr als 117.000 Jahren trennten", schreiben sie. Beide seien damit deutlich entfernter verwandt als bisher angenommen. Dies werfe ein ganz neues Licht auf die Evolution der Pferde.

Die neuen genetischen Daten könnten dazu beitragen, das stark bedrohte Przewalski-Pferd vor dem Aussterben zu retten. Nach Angaben der Wissenschaftler leben heute nur noch rund 2000 Exemplare frei in China und der Mongolei. "Jetzt, wo wir mehr über die verschiedenen mütterlichen Stammeslinien wissen, können wir den Genpool dieser Art besser ausweiten", sagt die Studienleiterin. Durch gezielte Zucht könne man nun Erbkrankheiten besser verhindern und die Przewalski-Pferde robuster machen.

Mitochondrien-Genom entziffert

Für ihre Studie analysierten die Wissenschaftler erstmals das komplette mitochondriale Genom von vier Zuchtlinien der Przewalski-Pferde. Dieser Teil des Erbguts liegt nicht im Zellkern, sondern in den Mitochondrien, den "Kraftwerken der Zelle". Die DNA in diesem Zellbestandteil wird nur von der Mutter über die Eizelle an ihren Nachwuchs weitergegeben. Anhand dieses Erbguts lassen sich daher die Stammbäume der mütterlichen Linie weit zurück rekonstruieren.

Die Analyse habe unter anderem ergeben, dass die genetische Vielfalt der heute lebenden Przewalski-Pferde größer sei als bisher angenommen, berichten die Forscher. Das sei überraschend, da die Wildpferde Mitte des letzten Jahrhunderts fast ausgestorben waren. "In den späten fünfziger Jahren existierten nur noch zwölf Exemplare dieser Pferde", sagt Makova. Erst Zucht- und Auswilderungsprogramme ließen die Anzahl der Tiere wieder auf rund 2000 ansteigen.

Bisher gab es zwei Theorien darüber, wie die Przewalski-Pferde mit den Hauspferden verwandt sind: Der einen nach entstanden die Hauspferde vor 6000 bis 10.0000 Jahren aus Przewalski-Pferden. Der anderen nach war es jedoch genau umgekehrt: Erst züchtete der Mensch das Hauspferd aus damaligen Wildpferden, dann zweigte das Przewalski-Pferd von der Hauspferdelinie ab.

"Mein Team hat nun entdeckt, dass keines dieser beiden Szenarien wahrscheinlich ist", sagt Makova. "Tatsächlich liegt der letzte gemeinsame Vorfahre beider Arten wahrscheinlich sogar 160.000 Jahre zurück, lange vor der Domestizierung der Hauspferde", erläutert die Forscherin. Das habe sich auch bestätigt, als man zusätzlich Teile der Kern-DNA beider Pferdearten verglichen habe.

Die Forscher wollen als nächstes das Genom weiterer Pferderassen analysieren und langfristig auch das komplette Erbgut des Przewalski-Pferdes. Davon erhoffe man sich nähere Aufschlüsse über die Evolution der Tiere, aber auch über die körperlichen Unterschiede zwischen Przewalski-Pferd und Hauspferd. "Es war schon immer eine interessante Frage, warum das Przewalski-Pferd so viel stämmiger und kleiner ist als das Hauspferd und warum es eine dichtere Mähne hat", sagt Makova. Weitergehende Analysen könnten enthüllen, welche Gene dafür verantwortlich sind.

cib/dapd

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