Erderhitzung Was bringt 2021 für das Klima?

Die Corona-Pandemie verschaffte der Erde eine scheinbare CO₂-Verschnaufpause. Aber ist sie nachhaltig? Was muss die internationale Klimapolitik erreichen, was Deutschland tun? Unser Ausblick auf das Klimajahr 2021.
Foto: Daniel Grizelj / Getty Images

Das bei Weitem wärmste Jahrzehnt auf der Erde seit Beginn der Aufzeichnungen liegt hinter uns. Mit 2021 starten wir in das entscheidende Jahrzehnt, das das Klima unseres Planeten für den Rest des Jahrhunderts prägen wird. Um das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Abkommens in Reichweite zu halten, müssen in diesem Jahrzehnt (laut Weltklimarat IPCC) die weltweiten CO₂-Emissionen halbiert werden. Die Aussichten für wichtige Fortschritte beim Klimaschutz sind dabei gar nicht so schlecht.

Was wird 2021 in Sachen Klima bringen? Hier einige der wichtigsten Stichpunkte.

Klimaentwicklung

Der Rekordeinbruch bei den CO₂-Emissionen durch die Coronakrise wird keine messbaren Auswirkungen haben: auch sieben Prozent weniger Ausstoß  bedeuten nur, dass die CO₂-Konzentration in der Atmosphäre etwas weniger rasch ansteigt . Um den Anstieg zu stoppen wäre eine Reduktion um 70 bis 80 Prozent nötig.

Mehr Einfluss auf das kommende Jahr hat der aktuelle La Niña Zustand  im tropischen Pazifik, der mit ungewöhnlich kühlen Meerestemperaturen auf der Ostseite einhergeht und wahrscheinlich noch einige Monate anhalten dürfte . Dadurch könnte 2021 global leicht kühler ausfallen als 2020. Erfahrungsgemäß kann La Niña  Probleme mit Starkregen in Südostasien, heftigen Tropenstürmen in der Karibik und Trockenheit in Ostafrika und den US-Südstaaten bringen – und mit etwas Glück dem Amazonaswald dringend benötigten Regen. Auf Europa sind die Auswirkungen gering.

Der Klimabericht - Daten zur Lage des Planeten

2020 hat rund um die Welt eine verheerende Welle von Wetterextremen  gebracht. Welche Extreme 2021 auf uns zukommen lässt sich aber nicht vorhersagen, denn da spielt auch der Wetterzufall eine große Rolle. Es könnte in Deutschland also nach drei Dürrejahren durchaus wieder einen nassen Sommer geben. Erst in den langfristigen Trends sieht man den Fußabdruck der Erderwärmung , die Hitzewellen heißer, Extremregen heftiger , Tropenstürme stärker, Dürren anhaltender  und Waldbrände unkontrollierbarer  macht.

Globaler Temperaturverlauf seit dem Jahr 1880 bis einschließlich November 2020. Die farbige Linie zeigt den gleitenden Mittelwert über 12 Monate, die schwarze Linie die klimatologisch geglättete Kurve. Basisperiode 1880-1909, Datenquelle NASA Gistemp.

Globaler Temperaturverlauf seit dem Jahr 1880 bis einschließlich November 2020. Die farbige Linie zeigt den gleitenden Mittelwert über 12 Monate, die schwarze Linie die klimatologisch geglättete Kurve. Basisperiode 1880-1909, Datenquelle NASA Gistemp.

Klimawissenschaft

Das Wissenschaftsereignis des Jahres wird (soweit vorhersehbar) das Erscheinen des wegen Corona verschobenen sechsten Berichts des Weltklimarats IPCC, zumindest des ersten Bandes zur Grundlagenforschung. Da die Klimawissenschaft sich im Laufe der Jahrzehnte schon stark konsolidiert hat, sind wesentliche neue Erkenntnisse dabei eher nicht zu erwarten. Die wissenschaftlichen Fakten sind seit Langem klar; in letzter Zeit dokumentieren wir vor allem, wie nach und nach all die Vorhersagen früherer Jahrzehnte eintreffen, wenn auch (wie beim Meeresspiegel) teils noch rascher als vorhergesagt.

Internationale Klimapolitik

Im kommenden Jahr werden klimapolitisch entscheidende Weichen gestellt. Im November findet die verschobene Uno-Klimakonferenz COP26 in Glasgow statt, auf der die Ambitionen der Länder bei der Emissionsminderung hochgeschraubt werden sollen.

Der neue US-Präsident Biden nennt die Klimakrise völlig zu Recht eine »existenzielle Bedrohung«, hat ein starkes Klimateam  berufen und einen ambitionierten Klimaschutzplan aufgestellt. So sollen ab 2035 alle Kraftwerke CO₂-frei sein, früher als nach den Zielen der deutschen Bundesregierung. Ganz Klimaneutral sollen die USA bis 2050 werden.

Weitere Länder verfolgen ähnliche Klimaneutralitätsziele: die EU, Japan und Südkorea ebenfalls bis 2050, China bis 2060. Fast zwei Drittel der weltweiten CO₂-Emissionen kommen aus 127 Staaten, die sich inzwischen solche netto-Nullemissionsziele gesetzt haben oder derzeit darüber beraten. Laut einer Studie des Climate Action Tracker  würde die Umsetzung dieser Ziele die globale Erwärmung auf 2,1 Grad begrenzen – noch nicht genug für die Einhaltung des Pariser Abkommens, aber ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

2021 wird es aber nicht auf das Verkünden von Zielen ankommen, sondern auf die Umsetzung konkreter, wirkungsvoller Schritte. Ein entscheidender Faktor ist dabei ein realistischer Preis für den Ausstoß von CO₂ – alles andere entspricht nicht dem Verursacherprinzip und ist eine indirekte Subvention fossiler Energien in Höhe von (laut Internationalem Währungsfonds) 5.200 Milliarden US-Dollar , was mitten in der sich immer mehr zuspitzenden Klimakrise schlicht Irrsinn ist. Europa, die USA und China – die zusammen die Hälfte der weltweiten CO₂-Emissionen verantworten – sollten jetzt ihre CO₂-Bepreisungssysteme koordinieren. Gleichzeitig sollten diese G3 Finanztransfers an ärmere Länder einleiten, mit der Bedingung, dass diese für den Übergang zur Nachhaltigkeit eingesetzt werden. So lassen sich die Kosten der Umsetzung der Paris-Ziele minimieren .

Die neuen EU-Klimaziele erfordern große Innovationen, Verhaltensänderungen und die Umstrukturierung von Sektoren und Lieferketten, die 2021 eingeläutet werden müssen – eine Herkulesaufgabe.

Die Rolle Deutschlands

Deutschland ist bei den Emissionsminderungen ins hintere Mittelfeld der OECD-Staaten abgerutscht. Die jetzige Regierung hat anders als Joe Biden offensichtlich immer noch nicht begriffen, dass sie es mit einer drängenden und existenziellen Krise zu tun hat, und was die Umsetzung von Paris erfordert. Erst im vergangenen Mai hat der Umweltrat in seinem Umweltgutachten  der Bundesregierung einmal mehr vorgerechnet, um wie viel rascher die Emissionen in Deutschland sinken müssen, um als fairer Beitrag zum Pariser Abkommen gelten zu können.

Zwar startet 2021 der nationale Emissionshandel mit einem fixen Preis von 25 Euro pro Tonne CO₂ – doch das Umweltbundesamt hat gerade seine Kostenrechnung aktualisiert  und dabei festgestellt, dass jede Tonne CO₂-Ausstoß rund 195 Euro an Schäden verursacht, die bislang von der Allgemeinheit getragen werden statt vom Verursacher. Das ist schädlich und höchst unsozial. Und bei der Klimakrise ist es genau wie mit der Coronakrise: Wer zu schwach und zögerlich ist, um entschlossen wirksame Gegenmaßnahmen zu ergreifen, zahlt am Ende auch wirtschaftlich einen unnötig hohen Preis .

Auch bei uns wird die Konjunkturschwäche im Coronajahr 2020 nur einen kurzfristigen Zacken in der Emissionskurve bringen. Klima-Querdenker in den Regierungsreihen klammern sich an den Status quo und bremsen seit vielen Jahren den dringend benötigten Strukturwandel zu einer klimaneutralen Wirtschaft aus. Daher wird die Bundestagswahl am 26. September zur entscheidenden Klimawahl: wir brauchen endlich eine Regierung, die die Klimakrise auch als Krise behandelt.

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